Felix Blumer: Machen wir wegen der Hitze bald alle Siesta?
«Der Sommer 2026 hat Halbzeit», schreibt Felix Blumer. Diese erste Sommerhälfte hat unseren Kolumnisten und Meteorologe speziell fasziniert.
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Das Wichtigste in Kürze
- Kolumnist Felix Blumer arbeitete von 2005 bis 2025 als Meteorologe bei «SRF Meteo».
- Die Hälfte des meteorologischen Sommers 2026 ist schon vorbei.
- Sie brachte Temperaturen wie kaum zuvor, trotz ausgeprägter Schafskälte.
- Blumer zieht ein erstes Fazit – und empfiehlt wegen der Hitze eine Siesta.
Der meteorologische Sommer war bis jetzt extrem. Aber Achtung: Es war nicht nur heiss! Vom 2. bis 12. Juni machte die Schafskälte ihrem Namen alle Ehre. Es war kühl, und die Nachmittags-Höchstwerte lagen teilweise unter der 15 Gradmarke.
Mit Sommer hatte dies wenig zu tun! Das dachte sich auch Petrus und schickte uns eine Hitzewelle wie kaum zuvor.
In Basel und Würenlingen wurden am 27. Juni 39,0 Grad gemessen. Das waren die höchsten Temperaturen in der Deutschschweiz seit Messbeginn und die absolut höchsten Temperaturen in unserem Land, die je im Juni verzeichnet wurden.
Nur dreimal war es in der Schweiz noch heisser: Am 11. August 2003 gab es in Grono im Misox 41,5 Grad. Am 7. Juni 2015 wurden in Genf 39,7 Grad gemessen – und am 24. August 2023 ebenfalls in Genf 39,3 Grad.

In Basel war die erste Sommerhälfte noch nie so heiss
Nach der ersten grossen Hitzewelle Ende Juni ging es im Juli heiss weiter. Zur Monatsmitte erlebten wir schon die zweite veritable Hitzewelle des Sommers.
Trotz Schafskälte war die erste Sommerhälfte an vielen Orten in der Schweiz noch nie so heiss wie 2026.
In Basel war es sogar 0,7 Grad heisser als im Jahrhundertsommer 2003. Allerdings war 2003 der Juli nicht sonderlich heiss. Die Monsterhitze kam damals erst im August.
Die grosse Sommerhitze drückte sich zum Teil auch in den Hitzetagen aus. In Glarus gab es Ende Juni 13 Hitzetage in Folge. Das gab es nicht einmal im «Jahrhundertsommer 2003», damals waren es 11 Tage.

Tessin: Rekordhitze und keiner merkts
Südlich der Alpen war die erste Sommerhälfte ebenfalls sehr heiss. Allerdings zeigte das Thermometer Ende Juni, als im Norden die Rekorde purzelten, «nur» 35 Grad.
Da aus Süden feuchtere Luft zu den Alpen strömte, wurde es im Tessin nicht ganz so heiss, dafür extrem schwül.
Am 8. Juli als es in Zürich durch eine Störung nur noch 29 Grad gab, sorgten dafür im Tessin Nordföhneffekte für Rekordtemperaturen.
In Magadino zeigte das Thermometer 37,3 Grad, mehr als je zuvor an diesem Ort. Und in Locarno wurden sogar 37,4 Grad gemessen.
Dort war es allerdings im August 2003 noch eine Spur heisser: In Biasca wurden am 9. Juli 36,8 Grad aufgezeichnet. Das war dort die zweithöchste Temperatur überhaupt.
Biasca verzeichnete in diesem Sommer schon 32 Hitzetage. Damit liegt die Station ebenfalls im Rekordbereich. Im Sommer 2022 wurden bis am 31. August insgesamt 65 Hitzetage notiert.

Wie wird die zweite Hälfte?
Verlässliche Wetterprognosen über mehr als eine Woche sind nicht realistisch. In der kommenden Woche gehen die Temperaturen zurück. Und auch Regen und Gewitter werden wieder zum Thema.
Schaut man in die Statistik, so ist der Sommer aber kaum vorbei.
Die heissesten Tage des Jahres erleben wir in der Regel in der Zeit der Hundstage zwischen dem 23. Juli bis dem 23. August.

Ist das die Klimaveränderung?
Die Sommerhitze 2026 ist primär Wetter. Seit 2003 ist es die erste wirklich markante, lange dauernde Hitzewelle auf der Alpennordseite.
Die allgemeine Temperaturzunahme in den letzten Jahren, und die Häufigkeit auch von kleineren Hitzeperioden, zeigen aber eindeutig, dass es in der Schweiz wärmer wird.
Die aktuelle Hitzewelle in der Schweiz wirft aber auch die Frage auf: Sind wir bezüglich globaler Erwärmung auf dem richtigen Weg? Wohl kaum!
Anpassungs- statt Ausstiegsstrategie
Es steht zwar ausser Frage, dass wir in der Schweiz CO2 einsparen müssen. Nicht nur das! Wir müssen generell Ressourcen sparen. Die einseitige Fokussierung auf Nettonull ist aber wohl der falsche Ansatz.
Halten wir fest: Die Schweiz stösst 1 Promille des globalen CO2 aus. Dieses eine Promille hat aber auf die globale Erwärmung einen marginalen Einfluss, wenn man in Betracht zieht, dass der globale CO2-Ausstoss jährlich um rund zwei bis drei Prozent zunimmt.
Wir müssen also unsere Lebensweise und unser Verhalten so anpassen, dass wir auch in einer Umwelt leben können, die deutlich wärmer ist.
Das bedeutet eine Anpassung der Gebäudeinfrastruktur, der Landwirtschaft und wahrscheinlich in den Sommermonaten auch unserer Lebensgewohnheiten.
Die Siesta lässt grüssen!
In Sachen Lebensgewohnheiten sind uns Spanier und Italiener um Welten voraus. In diesen Ländern gehört die von uns belächelte Siesta längst zum täglichen Leben.
Zur Person
Felix Blumer (65) ist promovierter ETH-Abgänger. Schon seit 2005 führt er seine eigene Firma, die Blumer Communication & Consulting GmbH. Heute begleitet er hauptsächlich geführte Reisen von Cotravel als Fachreferent. Seine Hauptreisegebiete sind arktische Destinationen. Nebst Alaska weilt Felix Blumer oft an der norwegischen Küste, in Finnisch Lappland, in Patagonien und in diesem Sommer auch in Grönland, wo er am 12. August die totale Sonnenfinsternis verfolgen wird.
Über Mittag, wenn die Sonne besonders stechend ist, nehmen es unsere südlichen Nachbarn etwas ruhiger und krempeln erst gegen Abend wieder die Ärmel hoch.
So meistern sie heisse Sommer schon seit Jahrzehnten. Bezüglich Hitzesommer müssen wir also nicht das Rad neu erfinden, sondern einfach ein wenig nach Süden schauen!









