Fabian Ruch: «Sportlerin» macht einiges bezüglich Gleichstellung!
Seit fünf Jahren mischt «Sportlerin» die Medienszene auf. Co-Gründer Fabian Ruch sagt, warum das Frauensport-Magazin trotz aller Zweifel zum Erfolg wurde.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit fünf Jahren berichtet das Magazin «Sportlerin» über den Frauensport.
- Mitgründer und Redaktionsleiter ist der renommierte Sportjournalist Fabian Ruch.
- Im Interview spricht er über Vorurteile, das Jubiläum und Hürden.
- Der Berner sagt auch, welchen grossen Traum er mit dem Magazin noch verfolgt.
BärnerBär: Fünf Jahre «Sportlerin» – wie würden Sie diese Zeit in wenigen Worten zusammenfassen?
Fabian Ruch: Was als ziemlich verwegene Idee während Corona lanciert wurde, hat sich auf dem Markt etabliert. Wir sprachen im Frühling 2020 erstmals über ein Frauensport-Magazin in der Schweiz. Damals hätten wir niemals gedacht, dass wir Ende 2025 tatsächlich 21 Ausgaben mit jeweils rund 100 Seiten publiziert haben würden.
BärnerBär: Dass ausgerechnet drei Männer ein Magazin über Frauensport herausgeben, sorgte damals auch für kritische Voten. Wie haben Ihr Umfeld und die Sportszene darauf reagiert?
Ruch: Uns war bewusst, dass es zu reden geben wird, dass wir drei Männer sind. Aber wir haben immer gesagt, dass es im Magazin zu 100 Prozent um Frauensport geht. Und da spielt es keine Rolle, wer die Idee hatte.
Zu Beginn erlebten wir aber schon auch, wie es ist, auf sein Geschlecht reduziert zu werden. Ich bin seit bald 30 Jahren auf Redaktionen und hatte früher oft festgestellt, dass der Frauensport einen schweren Stand hat. Uns ging es um Sichtbarkeit und darum, tolle Geschichten zu erzählen.
BärnerBär: Was war die ursprüngliche Idee hinter «Sportlerin», und wie hat sich das Magazin seither entwickelt?
Ruch: Roman Grünig war YB-Sponsoringchef, Leander Strupler gab als Layouter mit «Boxen» ein wunderschönes Magazin heraus, ich war der Journalist. Wir waren uns einig, dass wir uns mit unseren Tätigkeiten und unserem Netzwerk gut ergänzen, um ein Magazin zu lancieren. Wir machten eine Marktanalyse und waren uns bald einig, dass ein Frauensport-Magazin eine hohe Chance hat, auch wirtschaftlich zu überleben.
Das hat sich bewahrheitet, viele Unternehmen unterstützen uns teilweise seit Jahren, der Frauensport boomt, Schweizer Athletinnen sind sehr erfolgreich. Natürlich sind wir aber nach wie vor ein Special-Interest-Magazin und können weiter wachsen.

BärnerBär: Vor zwei Jahren haben Sie die ehemalige Skirennfahrerin und FDP-Politikerin Corinne Schmidhauser als Teilhaberin ins Boot geholt. Wie ist Schmidhausers Rolle und was hat sich mit ihr verändert?
Ruch: Leander konzentrierte sich nach der intensiven Startphase und einigen Ausgaben auf andere Projekte. Wir arbeiten immer noch im gleichen Büro in Bern. Uns war immer wichtig, dass sich auch Frauen bei uns engagieren.
Corinne Schmidhauser arbeitete unter anderem lange bei Feusi Sportschulen und kennt im Sportbusiness ebenfalls viele Menschen. Sie öffnet neue Türen, ist aber nicht operativ tätig.
BärnerBär: Welche Texte waren für Sie Meilensteine in der Geschichte des Magazins?
Ruch: Es wird den vielen tollen Texten nicht gerecht, wenn wir hier einzelne Geschichten hervorheben würden. Weil mich diese Antwort aber selbst langweilen würde, möchte ich stellvertretend für viele wunderbare Interviews und Reportagen einen Artikel nennen: Die Skifahrerin Camille Rast sprach bei uns erstmals ausführlich über ihre schweren Depressionen vor ein paar Jahren.

BärnerBär: Wie schwierig war es, ein unabhängiges Nischenmagazin in der Schweizer Medienlandschaft zu etablieren?
Ruch: Wenn wir gewusst hätten, was uns erwartet, hätten wir das Projekt vermutlich vorzeitig abgebrochen. Es benötigte schon sehr viel Enthusiasmus, Durchhaltewillen und Leidenschaft, aber uns lag «Sportlerin» von Anfang an sehr im Herzen.
Wir hatten und haben alle noch andere Jobs, was Druck aus der Sache nahm. Und wir stellten relativ bald fest, dass sich so ein Magazin nur finanzieren lässt, wenn man gute Partner hat. Deshalb freut es uns besonders, dürfen wir viele Rubriken zusammen mit Unternehmen und Verbänden präsentieren, die sich im Frauensport engagieren.
BärnerBär: Wie hat sich die öffentliche Wahrnehmung des Frauensports in den Medien seit der Lancierung verändert?
Ruch: Der Frauensport hat allgemein an Bedeutung gewonnen, in den Medien und in der Öffentlichkeit. Das lag nicht zuletzt an Sportlerinnen wie Mujinga und Ditaji Kambundji oder Lara Gut-Behrami, um nur ein Trio zu nennen.
Und in der Schweiz fanden einige tolle Veranstaltungen wie in diesem Sommer die Fussball-EM statt. Das war für die ganze Bewegung ebenfalls wertvoll.

BärnerBär: Nach welchen Kriterien wählt ihr Themen und Athletinnen aus, über die ihr berichtet?
Ruch: Uns ist wichtig, dass wir einen möglichst vielfältigen Mix bieten. Natürlich berichten wir über die Aushängeschilder des Schweizer Sports, wir hatten ja schon sehr viele herausragende Athletinnen auf dem Cover.
Aber wir möchten auch Hintergrund bieten. Geschichten aus dem Breitensport, und Themen wie Para-Sport, Nachwuchs, Gesundheit, Fitness decken wir mit speziellen Rubriken ab. Wenn Grossereignisse wie Olympische Spiele oder eine Fussball-EM stattfinden, setzen wir thematische Schwerpunkte.

BärnerBär: Wie wichtig ist euch die journalistische Haltung zwischen Aktivismus, Gleichstellung und klassischer Sportberichterstattung?
Ruch: Das ist ein interessanter Aspekt. Als Redaktionsleiter tausche ich mich regelmässig und gerne mit Frauen aus, die bezüglich Gleichberechtigung Expertinnen sind. Das sind Journalistinnen, Politikerinnen, Aktivistinnen, die teilweise gerne noch mehr in dieser Richtung lesen würden.
Wir finden, dass wir dem Frauensport eine Plattform bieten, die es vorher nicht gegeben hat. Und damit macht «Sportlerin» ja auch einiges bezüglich Gleichstellung.
BärnerBär: Welche Reaktionen erhaltet ihr von den Athletinnen selbst – fühlen sie sich von «Sportlerin» besser vertreten als in anderen Medien?
Ruch: Wir hören oft, dass es wunderbar sei, gebe es ein Frauensport-Magazin. Spitzensportlerinnen haben aber ohnehin eine riesige Medienpräsenz. Fast wichtiger ist es, kommen beispielsweise auch Vertreterinnen aus Randsportarten, Jugendliche oder Para-Sportlerinnen vor, über die wir ausführlich berichten.
BärnerBär: Wie kann der Frauensport in der Schweiz nachhaltig gestärkt werden – und welche Rolle kann das Magazin dabei spielen?
Ruch: Es findet seit Jahren ein Umdenken statt. Viele Sportarten setzen stärker auf Frauen in Führungspositionen, die Verbände haben das lange Zeit stark vernachlässigt. Im Schweizerischen Fussballverband beispielsweise sind seit 2024 erstmals zwei Frauen im obersten Organ, darunter die Berner Grünen-Nationalrätin Aline Trede.
Aber diese Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende, sie hat erst begonnen.

BärnerBär: Was motiviert Sie persönlich, dieses Magazin weiterzuführen, trotz aller Hürden?
Es ist nicht selbstverständlich, in diesen Zeiten ein Printmagazin aufzubauen und zu etablieren. Dieses 5-Jahre-Jubiläum ist für uns eine grosse Sache. Nun geht es aber darum, in vielen Bereichen wie Abomarketing, Social Media, E-Paper oder Podcast Fortschritte zu erzielen. Zudem wäre es schön, wenn sich noch mehr Frauen bei uns engagieren würden.
BärnerBär: Welchen Traum haben Sie noch als Redaktionsleiter?
Ruch: Oh, jede Menge. Wir haben ein Dossier mit potenziellen Geschichten, und diese Liste wird immer länger. Am Anfang hörten wir oft, dass es doch nicht genügend Storys gebe und uns irgendwann die Themen ausgehen würden.
Das Gegenteil ist der Fall. Als wir auf den Markt kamen, war es ein Traum, mit Martina Hingis und Mirka Federer grosse Geschichten zu machen. Martina war dann gleich in Ausgabe 2 auf dem Cover, wie später andere legendäre Sportlerinnen wie Denise Biellmann.
Bei Frau Federer ist es sehr, sehr schwierig. Da warten auch berühmte und bedeutende Zeitungen und Magazine seit vielen Jahren auf einen Interviewtermin. Aber wir geben nicht auf.
Zur Person
Redaktionsleiter Fabian Ruch (47) hat rund 20 Jahre für die Berner Tageszeitungen BZ und Bund geschrieben, vor allem über YB und das Schweizer Fussball-Nationalteam. Seit 2020 ist er selbständig. Er arbeitet für die NZZ, hat einen Fussball-Podcast (Anderi Liga 2.0) und verfolgt weitere Projekte in der Kommunikation, als Journalist sowie als Podcaster.
Anlässlich des 5-Jahr-Jubiläums kürt das Magazin die grösste Schweizer Sportlerin aller Zeiten. «Sportlerin» erscheint vierteljährlich und kann unter sportlerin-magazin.ch abonniert werden.












