Im Gegensatz zur ersten Corona-Welle hat die Belastung des Pflegepersonals in der zweiten und dritten Welle nochmals zugelegt. Auch die Psyche leidet darunter.
Pflegende
Ein Intensivpfleger betreut einen Corona-Patienten: Auf den Notfall- und Intensivstationen nahm die Arbeitsbelastung und der Zeitdruck während der zweiten und dritten Corona-Welle besonders zu. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Belastung des Pflegepersonals hat seit der ersten Welle weiter zugenommen.
  • Der hohe Zeitdruck schlägt sich laut dem Spitalreport auch auf Körper und Psyche nieder.
  • Die Arbeitszufriedenheit ist seit der Pandemie um 6 Prozent gesunken.

Die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals hat während der zweiten und dritten Corona-Welle im Vergleich zur ersten Welle nochmals zugenommen. Gleichzeitig stieg die emotionale Erschöpfung stark an, die Arbeitszufriedenheit und Zufriedenheit mit der Bezahlung nahm ab.

Das sind die Ergebnisse des aktuellen Spitalreports, für den Markus Arnold und Arthur Posch von der Universität Bern in Zusammenarbeit mit Schweizer Spitälern seit 2019 regelmässig die Arbeitssituation von Pflegefachpersonen untersuchen.

Für die neueste Ausgabe wurden Ende Sommer und Anfang Herbst 2021 über 4000 Pflegekräfte aus 26 Schweizer Spitälern befragt.

Arbeitsbelastung stark gestiegen

«Die Resultate belegen eindeutig, dass die zweite und dritte Welle der Pandemie das Pflegepersonal deutlich stärker traf als noch die erste Welle», liess sich Arnold in einer Mitteilung der Universität Bern vom Montag zitieren. So mündete die höhere Arbeitsbelastung auch auch darin, dass Pflegekräfte unter einem höheren Zeitdruck arbeiten mussten, was sich wiederum auf Körper und Psyche niederschlug.

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Ein Patient mit Coronavirus liegt im Spital. - Keystone

Besonders stark betroffen waren Pflegende in den Not- und Intensivstationen. So nahm dort die Arbeitsbelastung während der zweiten und dritten Welle um 61 Prozent im Vergleich zu 2019 zu, in anderen Abteilungen betrug die Zunahme 38 Prozent.

Die Arbeitszufriedenheit sank bei den Pflegefachpersonen im Vergleich zur ersten Welle (minus 7 Prozent) sowie auch deren Zufriedenheit mit der Bezahlung (minus 9 Prozent). Über die gesamte Pandemie gesehen verringerte sich die Arbeitszufriedenheit um 6 Prozent, die Zufriedenheit mit dem Lohn um 15 Prozent.

Wegen Unzufriedenheit bald weniger Pflegende?

Diese zunehmende Unzufriedenheit führt gemäss der Studie dazu, dass das Risiko steigt, dass sich Pflegende aus dem Beruf verabschieden: Nach der zweiten und dritten Welle gaben sie durchschnittlich an, mit einer Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent dem Pflegeberuf in zwei Jahren noch nachgehen zu wollen.

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Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen wieder an. - Keystone

Vor Ausbruch der Pandemie lag der Wert bei 88 Prozent. «Für ein Berufsfeld, das bereits heute unter drastischem Fachkräftemangel leidet, ist ein Rückgang von 7 Prozent viel», sagte Posch gemäss der Mitteilung.

Den Studienautoren zufolge gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Massnahmen, die die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden positiv beeinflussen. Dazu gehören explizites Lob von Vorgesetzten sowie Belohnungen für die Arbeit während der Pandemie, eine erhöhte Wertschätzung des Pflegeberufs in der Öffentlichkeit, Entscheidungsspielräume bei der Arbeit sowie ein kooperatives Arbeitsklima zwischen Pflegenden und Ärztinnen und Ärzten.

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