Zu viel Sonne in Badis: Jetzt soll Schatten-Alarm her

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Goldküste,

Aktuell bieten Badis zu wenige Schattenplätze. Mehr Bäume und Sonnenschirme sollen Abhilfe schaffen. Die Krebsliga Schweiz begrüsst aber auch ein neues Modell.

Schatten
Die Liegewiese im erweiterten Teil des Strandbads Winkel in Erlenbach ZH bietet keinen Schatten. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Zürcher Badi blieben nur noch Plätze in der prallen Sonne übrig.
  • Auch andere Badis müssen noch mehr Schattenplätze schaffen.
  • Die Krebsliga Schweiz begrüsst einen Schatten-Alarm.

Ein heisser Sonntagnachmittag – und die Badi ist halb leer. Dieses ungewöhnliche Bild zeigt sich kürzlich im Strandbad Winkel in Erlenbach ZH.

Auf der Liegewiese, die im Rahmen einer Erweiterung der Badeanlage seit 2021 zusätzlichen Platz bietet, hat niemand sein Tuch ausgebreitet. Schatten ist dort weit und breit keiner in Sicht. Auch sind die Ständer mit den gelben Sonnenschirmen leer, welche die Gäste für ein Depot von zwei Franken ausleihen können.

Die Schirme haben sich bereits die Gäste geschnappt, die im Hauptteil der Badi keinen Schattenplatz mehr gefunden haben. Neue Gäste haben demnach acht Franken Eintritt inklusive Sonnenbrand bezahlt. Damit müssen sie rechnen, setzen sie sich tatsächlich auf die Liegewiese in der prallen Sonne.

«Aspekt wird immer wichtiger»

Solche Situationen sieht die Krebsliga Schweiz kritisch.

«Schatten ist eine der wirksamsten und damit wichtigsten Massnahmen, um sich vor UV-Strahlung zu schützen.» Dies sagt Joëlle Jufer, Spezialistin Prävention, zu Nau.ch.

Braucht es mehr Schattenplätze in den Badis?

Gleichzeitig trage Schatten dazu bei, die Hitzebelastung zu reduzieren, sagt Jufer. «Das ist angesichts zunehmend heisser Sommertage und der höheren Sonnenscheindauer in der Schweiz ein Aspekt, der immer wichtiger wird.» Ausreichende und gut zugängliche Schattenplätze in Strand- und Freibädern seien deshalb ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsförderung.

Zehn zusätzliche Sonnenschirme geplant

Die Gemeinde Erlenbach bestätigt den Mangel an Sonnenschirmen und Schattenplätzen im Strandbad. «Das Strandbad Winkel bietet aktuell 40 Sonnenschirme an», sagt Silvia Bärtisch, Gemeindeschreiberin ad interim. «Davon wurden zehn Sonnenschirme auf diese Saison neu angeschafft.»

Sie macht darauf aufmerksam, dass sich an Spitzentagen gleichzeitig bis zu rund 360 Gäste auf der Badeanlage befinden. «Dass an solchen Tagen sämtliche Schattenplätze zeitweise belegt sind, lässt sich nicht vollständig vermeiden.» Dies sei trotz der bereits umgesetzten und geplanten Massnahmen der Fall.

Die Gemeinde plant aber, den Schattenanteil in den Badeanlagen kontinuierlich auszubauen. Auf die nächste Saison hin erweitert sie das Angebot mit einer zusätzlichen Schirmstation um zehn Sonnenschirme. «Aufgrund der Erfahrungen dieses Sommers wird zudem geprüft, ob das Angebot weiter ausgebaut werden soll», sagt die Gemeindeschreiberin.

Auch sollen mehr Bäume Schatten spenden. Die ursprünglich zwei Platanen seien im Rahmen des langfristigen Beschattungskonzepts schrittweise auf heute insgesamt zehn Platanen ergänzt worden, sagt Bärtschi. Weitere Bäume auf der Erweiterungsfläche würden ebenfalls geprüft.

Stürme als Problem für Schattenplätze

Noch Potenzial bei den Schattenplätzen gibt es auch in den Badis der Stadt Zürich. «Das Sportamt ist darum bemüht, wo sinnvoll und möglich, noch mehr Schattenplätze zu schaffen», sagt Mediensprecherin Seraina Siragna. Die Fachplanung Stadtbäume sieht vor, den Baumkronenanteil für Freizeit- und Badeanlagen bis 2050 auf rund 40 Prozent zu erhöhen.

Seraina Siragna macht darauf aufmerksam, dass Bäume Zeit benötigen, bis sie ausreichend Schatten spenden können. «Gleichzeitig setzen immer wieder Stürme dem Baumbestand zu.» In einzelnen Badeanlagen seien Bäume stark beschädigt worden.

«Kurzfristig können Sonnenschirme oder Sonnensegel zusätzliche Schattenplätze schaffen.» Solche Massnahmen würden laufend geprüft.

«Individuelle Löcher von Gästen»

Auch in Berner Badis sollen die Gäste nicht in der prallen Sonne liegen müssen.

«Bei aktuellen Sanierungen wurden bewusst mehr Bäume gepflanzt, damit so weitere Schattenplätze entstehen.» Dies sagt Beat Burkhalter, Bereichsleiter Anlagen Eis und Wasser beim Sportamt der Stadt Bern. Unter anderem auch bei der kommenden Sanierung im Freibad Lorraine sei geplant, weitere Schattenplätze mittels Bepflanzung zu schaffen.

Sowohl in den Berner als auch in den Zürcher Badeanstalten können Gäste in der Regel private Sonnenschirme mitnehmen. Martin Enz, Geschäftsführer des Verbands Hallen- und Freibäder VHF, erklärt, warum solche mancherorts aber tabu sind. Der Schirm brauche auch einen stabilen Fuss oder eine gute Befestigung, sagt er. «Auf den Liegewiesen individuelle Löcher von den Gästen machen zu lassen, ist nicht der Wunsch von den Betreibern.»

Kommt jetzt der Schatten-Alarm?

Die Krebsliga Schweiz begrüsst Massnahmen, die über Bäume und Sonnenschirme hinausgehen. Demnach sollen die Badeanstalten aktiv über das aktuelle Angebot an Schattenplätzen und Sonnenschirmen informieren.

«Gut sichtbare Informationen helfen den Badegästen, ihren Aufenthalt besser zu planen und Schutzmöglichkeiten gezielt zu nutzen», sagt Joëlle Jufer. Solche einfachen Massnahmen erleichterten gesundheitsförderndes Verhalten. «Und tragen dazu bei, dass vorhandene Schattenangebote tatsächlich genutzt werden.»

Der Tachometer, den die Badi Rüti ZH allerdings für Besucherobergrenzen eingeführt hat, könnte als Modell für einen Schatten-Alarm dienen. Dieser zeigt auf der Website der Gemeinde Rüti live an, ob es noch Platz hat in der Badi oder nicht. Ist die Badi voll, springt der Zeiger in den roten Bereich. Wie etwa im Parkhaus. Im Falle eines Schatten-Alarms wäre dies der Fall, wenn sämtliche Schattenplätze belegt sind.

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Kommentare

User #2026 (nicht angemeldet)

Passt für Heute, cheers!

User #4820 (nicht angemeldet)

Je mehr Menschen um so weniger Schatten, die Mehrheit will es so.

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