Hautärztin: Alle Schweizer sollen jetzt UV-Schirm tragen!

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

In Schweizer Städten fallen immer mehr Passantinnen auf, die mit UV-Schirmen unterwegs sind. Eine Dermatologin empfiehlt, solche Schirme im Alltag zu nutzen.

Schirm
Asiatische Touristinnen schlendern in der Hitze mit Schirmen dem Zürcher Limmatufer entlang. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Regenschirme mit UV-Schutz boomen.
  • «Der Schirm ist gesunder Menschenverstand», sagt Dermatologin Liv Kraemer.
  • Ein Ersatz für die Sonnencrème ist das Accessoire aber nicht.

Regen ist diesen Sommer vielerorts bisher kaum gefallen. Die Pegelstände einiger Schweizer Flüsse sind auf einem rekordtiefen Niveau. Trotzdem sind Passantinnen und Passanten in den Städten mit Schirmen unterwegs.

Wie bitte?

Damit rüsten sie sich nicht etwa für ein spontanes Gewitter, sondern schützen sich vor der Hitze.

Am Zürcher Bürkliplatz oder am Limmatufer sind lauter asiatische Touristinnen mit aufgespannten Schirmen zu sehen.

Aber auch immer mehr hiesige Frauen und Männer greifen zum Regenschirm mit UV-Schutz. Bereits am Vormittag schreitet etwa eine Dame im Berner Liebefeld mit einem blauen Schirm von A nach B.

Mit einem gelben Exemplar beschirmt, spaziert eine Dame in Urdorf ZH in der Mittagshitze über den heissen Asphalt.

«Trend hat sich deutlich verstärkt»

Die UV-Schirme boomen. Die Strotz AG in Uznach SG bietet seit 2021 «Knirps Heat Shields» an. «In diesem Sommer hat sich dieser Trend jedoch nochmals deutlich verstärkt», sagt CEO Andrea Strotz zu Nau.ch.

Allein zwischen Januar und Juni registriert Strotz im Vergleich zum Vorjahr verdreifachte Verkaufszahlen. «Insgesamt konnten wir in diesem Jahr bereits eine fünfstellige Anzahl UV-Schutzschirme verkaufen.» Die Hauptkundengruppe bestehe derzeit aus Frauen.

Trägst du bei Hitze einen UV-Schirm?

Den Schutz nutzen laut Strotz Seniorinnen, die sich trotz hoher Temperaturen gerne im Freien aufhalten.

Beliebt ist das Accessoire aber auch bei jüngeren Frauen ab 20 Jahren. Ausserdem greifen Geschäftsfrauen gerne zum Schirm, die ihre Mittagspause am See verbringen oder einen Spaziergang machen.

Als weitere wichtige Kundengruppe registriert Strotz Mütter, die ihr Baby in einer Trage tragen. «Sie möchten sich selbst sowie ihr Kind vor der Sonne schützen.»

Anstatt den Regenschirm zu packen, packen zudem Festivalbesucher oder Besucher von Sportevents den UV-Schirm ein.

Grossverteiler rüsten sich

Auch Grossverteiler springen auf den Trend auf. Aktuell sind bei Coop City sieben verschiedene Designs erhältlich. Die Supermärkte bieten zwei Farbvarianten.

«Die Nachfrage nach UV-Schirmen ist bei unseren Kundinnen und Kunden gross», heisst es auch bei Coop. Dies sei insbesondere auf die hohen Temperaturen im Juni zurückzuführen.

Die Migros hat aktuell noch keine Handschirme mit UV-Schutz im Sortiment. «Aktuell ist vorgesehen, das Sortiment weiterzuentwickeln und dabei auch die Integration von Schirmen mit UV-Schutz zu prüfen.»

Gründe dafür seien unter anderem die zunehmende Zahl an Hitzetagen und ein wachsendes Bewusstsein für Hautschutz. Auch erwähnt die Mediensprecherin die erhöhte UV-Belastung in alpinen Regionen.

Schutz vor Hautkrebs

Die UV-Schirme sind kein Modetrend in der Sommerhitze. Liv Kraemer ist Fachärztin für Dermatologie, Longevity-Expertin und Autorin.

«Die Schweiz hat eine der höchsten Hautkrebsraten Europas. Da ist Schutz kein Luxusthema», sagt sie.

«Grossartig», lautet Liv Kraemers Urteil über das Hitze-Accessoire. Der simple Grund sei, dass die Sonne von oben komme, sagt sie.

«Genau deshalb sitzen Pigmentflecken und Melasma bevorzugt auf der Nase und den Wangenknochen, den sogenannten Sonnenterrassen.» Ein Schirm unterbricht genau diese Linie.

Melasma sind im Gesicht auftretende, grossflächige, braune oder braungraue Pigmentflecken.

Der Schirm schlägt laut Kraemer den Hut locker. «Unter dem Hut staut sich die Hitze, man schwitzt sich die Seele aus dem Leib», sagt sie.

«Beim Schirm zieht die Luft munter dazwischen durch. Gleicher Schatten, aber ohne Sauna-Nebenwirkung.»

«Sonne scheint immer»

Die Dermatologin würde den Schutz für den Alltag «absolut» empfehlen.

«Der Sonne ist herzlich egal, welchen Hauttyp du hast», sagt Kraemer. «Der Schirm ist also kein Nischenprodukt für empfindliche Haut, sondern gesunder Menschenverstand. Für alle.»

Selbst, wenn es bewölkt ist, soll das Produkt zum Einsatz kommen. «Die Sonne scheint immer, sonst ist es Nacht», sagt die Dermatologin. Gefühlt weniger Sonne heisst nicht weniger Strahlung.

Sonnencrème bleibt Must

Sich mit dem Regenschirm den Sonnenschirm zu sparen, ist aber keine Option. Ein normaler Regenschirm aus dem Wühltisch bringt dermatologisch nichts, sagt Kraemer. «Er spendet Schatten, aber ohne UV-Beschichtung lässt er einen relevanten Teil der Strahlung einfach durch.»

Entsprechende Schirme sind laut Kraemer idealerweise UPF zertifiziert. Das Zertifikat steht für «Ultraviolet Protection Factor», den UV-Schutzfaktor.

Wer meint, nun auf die mühsame Sonnencrème verzichten zu können, täuscht sich aber.

«Der Schirm schützt von oben, aber reflektierte Strahlung von Asphalt oder Wasser kommt seitlich an ihm vorbei.» Arme, Hände und Beine blieben meist trotzdem exponiert. Kraemers Fazit: «Sonnencrème ist die Basis: Der Schirm ist die Kür.»

Kommentare

User #3858 (nicht angemeldet)

Man trägt eher eine Waffe mit sich als einen Regenschirm.

User #3658 (nicht angemeldet)

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