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Zu Kurt Martis 100. Geburtstag: Fundstücke aus seinem Nachlass

Keystone-SDA
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Bern,

Am heutigen 31. Januar 2021 wäre der Berner Theologe und Dichter Kurt Marti 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass sind mit «Der Alphornpalast» und «Hannis Äpfel» zwei Bände aus dem Nachlass erschienen. Ein Grund zum Feiern - und Nachdenken.

Der Berner Dichter und Theologe Kurt Marti (1921-2017) und seine Frau Hanni haben wohl eine glückliche Ehe geführt. Das zumindest lässt das Langgedicht «Hanni» vermuten, das er nach ihrem Tod schrieb - und das nun in gedruckter Form vorliegt.
Der Berner Dichter und Theologe Kurt Marti (1921-2017) und seine Frau Hanni haben wohl eine glückliche Ehe geführt. Das zumindest lässt das Langgedicht «Hanni» vermuten, das er nach ihrem Tod schrieb - und das nun in gedruckter Form vorliegt. - sda - Keystone/ALESSANDRO DELLA VALLE

Das Wichtigste in Kürze

  • «Bei dir war ich gerne ich.

/ Jetzt aber ohne dich? / Wär' ich am liebsten / auch ohne mich.« Lebensmüde klingen diese Zeilen aus dem Langgedicht »Hanni«, das Kurt Marti (1921-2017) nach dem Tod seiner Frau schrieb. Düster, sehnsüchtig, wütend sind auch viele der übrigen, meist kurzen Altersgedichte im neuen Bändchen »Hannis Äpfel«.

57 Jahre lang waren Hanni und Kurt Marti-Morgenthaler ein Ehepaar, dann starb sie 2007, zehn Jahre vor ihm. Vieles, was der engagierte Berner Theologe und Schriftsteller in diesen Jahren als Witwer geschrieben hat, blieb in den Schubladen seines Arbeitszimmers zurück und wird heute im Schweizerischen Literaturarchiv aufbewahrt. Zu seinem 100. Geburtstag am heutigen Sonntag wurde der Nachlass gesichtet.

«Es gab in Kurt Martis Nachlass einen Ordner mit späten unveröffentlichten Gedichten und solchen, die er in literarischen Zeitschriften und Feuilletons zugänglich gemacht hatte», berichtet Guy Krneta, der - selbst Bühnenautor und Spoken Word Poet - im Stiftungsrat der Kurt-Marti-Stiftung aktiv ist. «Doch erst als ich das Langgedicht 'Hanni' an anderer Stelle im Nachlass entdeckte, drängte sich ein eigenständiger neuer Lyrikband auf. In kaum einem anderen Gedicht ist Kurt Marti so offen persönlich und zärtlich und zugänglich.»

Etwas komplizierter ist die Lektüre des zweiten neuen Bandes mit Prosatexten aus Kurt Martis Nachlass. Schon beim titelgebenden Text «Der Alphornpalast» sind die Fragen anspruchsvoll. «Wie kann ich von hier zum Alphornpalast kommen?» fragt ein Herr in schwarzem Anzug, der sich vor den staunenden Augen der herbeigeeilten Menschen aus einem Zeppelin abgeseilt hat. «Niemand wusste es. Als jemand zögernd sagte: 'Hier gibts nirgendwo einen solchen Palast', befeuchtete der Herr mit der Zungenspitze kurz seinen rechten Zeigefinger, streckt diesen in die Höhe. Dann bedankte er sich, wieder sehr höflich in die Runde der verblüfften Gesichter nickend, und ging entschlossen westwärts.»

«Martis Alphornpalast ist ein rätselhaftes Paradox», stellt Herausgeberin Stefanie Leuenberger fest. «Im Alphorn versinnbildlicht ist die Erinnerung an das bereits im 18. Jahrhundert stark idealisierte, arme, aber glückliche, weil freie Leben der Bergbewohner», so Leuenberger. «Diese Auffassung verträgt sich nicht mit der Vorstellung vom Palast des Monarchen, die der republikanischen Idee spottet.»

Derartige Trouvaillen sind nun für alle greifbar und es ist, als hörte man noch einmal Kurt Martis Stimme - nicht die des gelehrten Predigers, sondern die des ganz und gar menschlichen Dichters.*

*Dieser Text von Tina Uhlmann, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt- Stiftung realisiert.

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