«Würde Land schaden»: Partei sorgt sich um Ende der Bankkarte
Das Smartphone ist inzwischen das beliebteste Zahlungsmittel. Die Partei «Digitale Integrität Schweiz» warnt vor dem Verschwinden der Bankkarte.

Das Wichtigste in Kürze
- In China sind 120 Millionen weniger Kreditkarten im Umlauf.
- In der Schweiz greifen Konsumenten zum Bezahlen vermehrt zum Handy anstatt zur Karte.
- Die Partei «Digitale Integrität Schweiz» nimmt die Banken in die Verantwortung.
Die Debitkarte hat das Bargeld im Alltag abgelöst. Laut der jüngsten Zahlungsmittelumfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bleibt die Debitkarte das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel.
Bei alltäglichen Einkäufen bei grossen Händlern steht die Debitkarte bei Kundinnen und Kunden hoch im Kurs. Bargeld kramen sie dagegen besonders häufig bei kleinen Händlern, Dienstleistungen ausser Haus und in der Gastronomie hervor.
Bald könnten aber auch die Tage der physischen Bankkarten gezählt sein. China macht es bei den Kreditkarten vor. Dort sind heute aktuell nur noch rund 680 Millionen Kreditkarten im Umlauf. 2022 waren es noch rund 800 Millionen.
Dahinter steckt das Handy.
Steigende Nachfrage bei Banken
In der Schweiz überholt das Handy die Karte inzwischen als beliebtestes Zahlungsmittel. 28 Prozent der Schweizer Bevölkerung bevorzugen Mobile Payment. Dies zeigt der Visa Payment Monitor 2026.
Bankkunden können ihre Karte in digitalen Portemonnaies auf dem Handy hinterlegen.
Die Zürcher Kantonalbank ZKB bietet die Funktion für die Debitkarte seit Herbst 2022 an. «Die Nachfrage von digitalen Bezahlfunktionen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.» Dies bestätigt ein ZKB-Mediensprecher auf Anfrage. «Und hat sich inzwischen als fester Bestandteil des Bezahlalltags etabliert.»
Die Kundinnen und Kunden der Berner Kantonalbank BEKB können die Kreditkarte seit 2020 auf dem Handy hinterlegen. Für die Debitkarte bietet die Bank die Option seit 2023 an. Auch die BEKB registriert eine «zunehmende Nachfrage» nach dieser Zahlungsmöglichkeit.
Bank lockt mit Preisen für Umstieg auf Handy
Die UBS stellt insgesamt einen klaren Trend hin zu digitalen Bezahlformen fest.
«Kundinnen und Kunden schätzen die einfache, schnelle und sichere Nutzung sowie die nahtlose Integration in ihren Alltag.» Dies sagt eine Mediensprecherin.
Besonders bei Kreditkarten verzeichnet die Grossbank eine hohe Nachfrage. «Aber auch die Nutzung digitaler Wallets mit Debitkarten wächst kontinuierlich.»
Manche Banken kurbeln den Trend gezielt an, wie zum Beispiel die ZKB. Sie fordert auf ihrer Website dazu auf, bis Ende August die ZKB Visa Debit Card im digitalen Wallet zu aktivieren. Dabei verlost die Bank rund 100 Gutscheine im Gesamtwert von 25'000 Franken von einem Reisebüro, Onlinehändler und einer Kaffee-Kette.
«Würde Resilienz unserer Infrastruktur schaden»
Ohne Smartphone sind Konsumentinnen und Konsumenten heute schnell aufgeschmissen. Um unkompliziert Rechnungen zu bezahlen und Tickets zu lösen, braucht es das Handy. Selbst der Blick auf die Menükarte ist in Restaurants zunehmend nur noch per QR-Code möglich.
Die Partei «Digitale Integrität Schweiz» setzt sich für eine menschenwürdige Digitalisierung ein. «Dass physische Karten verschwinden, darf nicht passieren», sagt Nicole Rüegger. Sie ist Co-Präsidentin der Partei. «Dies würde der Resilienz unserer Infrastruktur schaden und damit uns als Land und Demokratie.»
Sie macht darauf aufmerksam, dass Konsumenten mit der physischen Karte die Risiken für einen Betrug drastisch senken können. «Und sie müssen nicht gleichzeitig selber für den Schutz ihrer Geräte sorgen.»
Digital hinterlegte Karten seien als Option grundsätzlich sinnvoll. «Allerdings darf keine Abhängigkeit von Big-Tech entstehen und somit die Wahlfreiheit der Konsumenten von Geräte- und Softwareherstellern eingeschränkt werden.»
Ausserdem würde ein Verschwinden der physischen Karte laut Rüegger zur gesellschaftlichen Ausgrenzung vulnerabler Gruppen führen.
«‹Recht auf ein Offline-Leben›»
40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zeigen eine deutliche bis ausgeprägte Handysucht. Vor allem junge Menschen sind davon betroffen. Auch in diesem Hinblick beurteilt Nicole Rüegger ein Verschwinden der physischen Bankkarte als problematisch.
Die Partei fordert, dass die Wahlfreiheit grundsätzlich gewährleistet bleibt. «Dabei gilt das Grundprinzip der ‹Datensparsamkeit› und im weiteren Sinne das ‹Recht auf ein Offline-Leben›.»
Könnten die Konsumentinnen und Konsumenten das Handy als Zahlungsmittel wählen, sei dagegen nichts einzuwenden, sagt Rüegger. «Es darf jedoch nie dazu kommen, dass ein Handy vorausgesetzt wird.»
Banken seien Teil der kritischen Infrastruktur und systemrelevant für die Wirtschaft und Gesellschaft. «Sie trifft deshalb eine besondere Verantwortung bezüglich unserer Resilienz und Demokratie.»
















