Bakery Bakery: Deshalb boomt Berner Bäckereien-Kette!

Redaktion
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Bern,

Die vegane Berner Bäckereien-Kette «Bakery Bakery» ist in immer mehr Schweizer Städten präsent. Der Berner Co-Founder Kevin Schmid erklärt den Erfolg.

Bakery Bakery Vegan
Haben die vegane Bäckerei «Bakery Bakery» 2019 gemeinsam gegründet: Lycra Stattmann und Kevin Schmid. - zVg/Bakery Bakery

Das Wichtigste in Kürze

  • Bakery Bakery, die erste vollständig vegane Bäckerei der Schweiz, ist auf Expansionskurs.
  • Nach neuen Filialen in Basel und Bern folgen nun gleich zwei beim Luzerner Hauptbahnhof.
  • Co-Founder Kevin Schmid erklärt, wieso das Wort «vegan» aus dem Logo entfernt wurde.
  • Und er sagt, wer bei Bakery Bakery einkauft.

BernerBär: Bakery Bakery hat mehrere neue Filialen eröffnet, zuletzt direkt beim Berner Bahnhof. Es scheint gut zu laufen…

Kevin Schmid: Absolut. Natürlich ist die Anzahl Standorte eine wichtige Kennzahl. Noch wichtiger ist aber, dass wir unserer Vision näherkommen: Verantwortungsvollen Konsum zugänglicher zu machen. Mehr Standorte geben uns auch mehr Einfluss – etwa gegenüber Lieferantinnen und Lieferanten.

Unser Ziel ist zum Beispiel, nur noch mit Elektrofahrzeugen beliefert zu werden. Zudem stärkt Wachstum unsere Position bei fairen Löhnen. Wachstum hat viele Faktoren, die als Unternehmen Spass machen und das Team motivieren. Uns macht extrem Spass, was wir tun – und ich hoffe, Das merkt man von aussen auch.

BärnerBär: Stehen weitere Neueröffnungen an?

Kevin Schmid: In der Nähe des Luzerner Bahnhofs eröffnen wir gleich zwei Filialen, die erste am 5. Februar an der Bürgenstrasse 10. In den letzten Jahren wurden wir immer wieder gefragt, ob wir nicht nach Luzern kommen. Irgendwann dachten wir: Wenn, dann richtig. Weitere Standorte in der Schweiz sind in Planung, aber noch nichts ist spruchreif.

BärnerBär: In den letzten Jahren mussten viele Bäckereien schliessen. Was macht Bakery Bakery anders?

Kevin Schmid: Wir vergleichen uns gar nicht gross mit anderen. Wir fragen uns vielmehr: Wie wollen wir – und unsere potenziellen Kundinnen und Kunden – künftig konsumieren? Welchen Nutzen bieten wir der Gesellschaft? Für uns bedeutet das, Räume zu schaffen, in denen sich unterschiedliche Gesellschaftsschichten wohlfühlen. Gute Qualität zu fairen Preisen, klare Werte – und Gastfreundschaft. Wir wollen Haltung zeigen, aber niemanden ausschliessen.

Bakery Bakery Sortiment
Alles vegan: Ein Teil des Sortiments der Bakery Bakery. - zVg/Bakery Bakery

BärnerBär: Was heisst das konkret?

Kevin Schmid: Wir wollen zum Beispiel das beste Schoggigipfeli machen – geschmacklich und ökologisch. Das Produkt darf dadurch etwas mehr kosten, aber der Konsument oder die Konsumentin soll noch bereit sein, es zu zahlen.

Bei Alltagsprodukten ist niemand bereit, das Dreifache zu bezahlen. Wir müssen alle aufs Geld schauen – ich selbst kaufe beispielsweise auch nicht immer die teuerste Bio-Pasta. Darum sind gute Standorte und ein stimmiges Gesamtpaket entscheidend.

Berner Bär: Was sagen Sie zur Preisschlacht der Discounter beim Brot?

Kevin Schmid: Ich verstehe den Aufschrei grundsätzlich. Aber der Wandel hat schon lange stattgefunden, auf ein paar Rappen kommt es nicht mehr an. Umso wichtiger sind Werte, Qualität, Atmosphäre und Vertrauen.

Die Qualität bei Discountern ist nicht per se schlecht – gespart wird eher bei Zeit, Bekömmlichkeit und Prozessen. Man darf das nicht verteufeln. Wir stehen alle unter wirtschaftlichem Druck.

BärnerBär: Also alles halb so wild?

Kevin Schmid: Wenn Preis und Qualität stimmen und man auch «dranbleibt», wird man als Bäckerei immer Kundschaft haben. Ein solides Standardsortiment ist uns wichtig, gleichzeitig muss man offen sein für Neues und sich fragen, wie man relevant bleibt. Ich bin selbst 33 und fühle mich manchmal schon alt (lacht) und muss schauen, auf dem neuesten Stand bleibe.

Bakery Bakery vegan
Die Bäckerei serviert auch Getränke wie Matcha Latte. - zVg/Bakery Bakery

BärnerBär: Bakery Bakery hat sich als erste vegane Bäckerei einen Namen gemacht. Spielt das Vegane heute noch eine grosse Rolle?

Kevin Schmid: Unsere Hauptkundschaft lebt nicht vegan. Veganerinnen und Veganer sind sogar unser kleinster Kundenstamm. Wir befürworten den veganen Lebensstil, aber wünschen uns natürlich auch nicht-vegane Kundschaft, die einfach kommt, weil die Produkte gut sind. Die Leute kommen, weil wir gute Gipfeli haben – nicht, weil sie vegan sind. Unser Ziel ist, dass jemand sagt: «Das ist das beste Gipfeli, das ich je gegessen habe.» Ob es vegan ist, ist zweitrangig.

BärnerBär: Sie haben «vegan» sogar aus dem Logo entfernt. Warum?

Kevin Schmid: Vegan ist für uns selbstverständlich geworden. Wir sind eine klassische Bäckerei, die halt vegan ist und nicht jeden Trend mitmacht. Entscheidend ist, dass die Leute wegen der Produktqualität und des Ambientes, sowie des Vertrauens zu uns kommen.

Gleichzeitig ist der Begriff leider negativ aufgeladen und triggert viele. Bezeichnungen wie «Hipster-» oder «Sozi-Bäckerei» haben uns zwar nicht unbedingt geschadet, schrecken aber gewisse Menschen ab. Wir bauen lieber Berührungsängste ab – mit Produkt, Vibe und Gesamterlebnis. Ein veganes Gipfeli tut niemandem weh.

BärnerBär: Das Unternehmen sorgt auch mit viralen Aktionen für Aufmerksamkeit – sogar mit einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Wie wichtig ist Social Media?

Kevin Schmid: Social Media ist für uns sehr wichtig und hat uns geholfen, ohne grosses Budget bekannt zu werden. Gleichzeitig pflegen wir unsere Marke sehr bewusst. Ethik und Verantwortung sind zentral.

Nicht jede Zusammenarbeit passt – wir gehen nur nachhaltige Kollaborationen ein. Da muss ich unserer Co-Gründerin Lycra Stattmann und dem Marketingteam wirklich ein Kränzchen winden und danke sagen. Ohne meine Mitgründerin wäre die Bakery Bakery nicht, was sie heute ist. Sie schaut stets, dass unsere Marke gesund wächst und konserviert wird.

Bakery Bakery
Wahrscheinlich das beliebteste Produkt: Das Schoggigipfeli. - zVg/Bakery Bakery

BärnerBär: Ihr backt inzwischen in jeder Filiale selbst. Warum?

Kevin Schmid: Früher hatten wir eine zentrale Backstube mit Nachtarbeit. Seit rund drei Jahren backen wir in jeder Filiale selbst. Das ist wirtschaftlich eigentlich weniger interessant, weil es mehr Personal braucht.

Dafür ermöglicht es faire Arbeitszeiten, konstante Frische und Flexibilität über den Tag. Die Mitarbeitenden können den Produkten selbst den letzten Schliff geben – das macht Freude. Und wir haben dadurch 0 Prozent Food Waste. Abends geht viel über Too Good To Go raus, der Rest wird mit 50 Prozent Rabatt verkauft.

BärnerBär: Apropos Mitarbeitende: Wie finden Sie Personal in einem Beruf, der nicht mehr sehr beliebt ist?

Kevin Schmid: Wir haben heute rund 170 Mitarbeitende, viele davon Teilzeit. Faire Arbeitszeiten, Mitgestaltung und ein sinnstiftendes Produkt sind entscheidend. Der Beruf bleibt anspruchsvoll, aber wir versuchen, ihn attraktiver zu machen. Im 2025 hatten wir über 3000 Bewerbungen.

BärnerBär: Was sind die grössten Herausforderungen beim veganen Backen?

Kevin Schmid: Für mich liegt die grösste Herausforderung nicht beim Ersetzen der tierischen Produkte, sondern darin, die Berührungsängste der Kundschaft abzubauen.

BärnerBär: Was sind die Bestseller?

Kevin Schmid: Ganz klar das Schoggigipfeli. Dazu Gipfeli generell und Zimtschnecken. Getränke wie Cappuccino und Matcha werden immer wichtiger. Und dann gibt es Specials, die richtig durch die Decke gehen. Etwa unser Orangen-Cruffin, eine Mischung aus Gipfeli und Muffin. Ich freue mich schon auf die nächste Version.

BärnerBär: Welche Produkte möchten Sie unbedingt noch im Sortiment haben?

Kevin Schmid: Mein persönlicher Traum ist ein richtig guter Nidlechueche, wie man ihn zum Beispiel in Murten bekommt. Ich erinnere mich noch gut an mein letztes Stück vor über zehn Jahren. Irgendwann schaffen wir das. Auch beim veganen Käsekuchen sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen.

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