Wegen 25 cm: Fotoautomat in Zürich nimmt nur Bargeld

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Stäfa,

In Männedorf ZH am Zürichsee steht einer der letzten alten Prontophot-Automaten. Der Grund für die späte Modernisierung ist erstaunlich konkret.

Prontophot Männedorf
Am Bahnhof Männedorf ZH steht einer der letzten alten Prontophot-Automaten ohne Kartenzahlung. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Prontophot-Automat in Männedorf ZH nimmt noch kein Kartengeld an.
  • Der Automat gehört zu den letzten vier Prozent alter Modelle.
  • Ein modernes Standardmodell braucht 25 Zentimeter mehr Platz.
  • Auch Meilen ZH gehört noch zu den betroffenen Standorten.

Ein ID-Foto für den Swisspass soll schnell erledigt sein. Zum Automaten, hinsetzen, zahlen, Foto machen, fertig.

Am Bahnhof Männedorf ZH fühlt sich der Gang zum Prontophot-Automaten jedoch an wie eine kleine Zeitreise.

Dort kostet ein Set ID-Fotos 15 Franken. Bezahlt werden kann nach Beobachtung von Nau.ch aber nicht mit Karte oder Twint.

Der Automat nimmt nur Bargeld. Akzeptiert werden Münzen oder eine Zehn-Franken-Note.

Münzen statt Karte

Wer kein passendes Bargeld dabei hat, steht vor einem Problem. Im konkreten Fall musste zuerst am Bancomat Geld bezogen und anschliessend gewechselt werden.

Auch die Bedienung wirkt wenig zeitgemäss. Die Zehn-Franken-Note wurde zunächst mehrfach wieder ausgeworfen, bevor sie akzeptiert wurde.

Der Münzeinwurf funktioniert ebenfalls altmodisch. Jede Münze muss einzeln in einen Schieber gelegt werden.

Dabei verfügt der Automat selbst über einen Touchscreen. Modern wirkt die Oberfläche, bezahlt wird aber wie früher.

Dazu kommt: Für das Foto bleiben nur drei Aufnahmeversuche. Danach ist Schluss.

Nur noch wenige alte Automaten

Prontophot sieht beim Automaten in Männedorf ZH Handlungsbedarf.

«Die von Ihnen geschilderte Situation am Bahnhof Männedorf entspricht nicht dem Standard, den wir anstreben.» Das schreibt Jean Martin Hemmi auf Anfrage von Nau.ch.

Hemmi ist General Manager der ME Group Switzerland AG, der Betreiberin von Prontophot in der Schweiz.

Prontophot
Jean Martin Hemmi ist General Manager der ME Group Switzerland AG, der Betreiberin von Prontophot in der Schweiz. - Linkedin

Laut Hemmi läuft seit vergangenem Mai ein Modernisierungsprogramm für die gesamte Infrastruktur.

Prontophot betreibt in der Schweiz nach eigenen Angaben über 1000 Kabinen. Mehr als 450 seien bereits modernisiert worden. Zusätzlich seien über 200 Automaten mit digitalen Zahlungssystemen ausgestattet worden.

Standorte ohne Kreditkartenzahlung gäbe es mittlerweile nur noch wenige. Sie machten knapp vier Prozent des gesamten Maschinenparks aus.

Es fehlen 25 Zentimeter

Der Grund für die späte Modernisierung in Männedorf ZH liegt aber nicht nur in alter Technik.

Laut Prontophot handelt es sich dort um ein spezielles älteres Modell, das auf kompakte Platzverhältnisse ausgerichtet ist. Dieses Modell ist nur 1,25 Meter lang.

Ein neues Standardmodell braucht laut Hemmi dagegen mindestens 1,50 Meter. Damit fehlen für einen einfachen Austausch 25 Zentimeter.

Ein Wechsel sei nur möglich, wenn vor Ort genug Platz vorhanden sei. Zudem müsse der Vertragspartner die zusätzlichen 25 Zentimeter freigeben.

Auch Meilen ZH ist betroffen

Männedorf ZH ist damit nicht allein. Auch Bahnhöfe wie Meilen ZH (ebenfalls Goldküste) gehören laut Prontophot zu den verbleibenden Standorten mit alten Automaten.

Eine detaillierte Liste aller betroffenen Standorte veröffentlicht die Firma aus Wettbewerbsgründen nicht.

Hast du dich schon mal über einen Fotoautomaten geärgert?

Die verbleibenden knapp vier Prozent betreffen laut Hemmi primär Standorte mit besonderen Platzverhältnissen.

Auch Modellverfügbarkeit, technische Gegebenheiten, Umbauten und Revitalisierungsprojekte spielten bei der Priorisierung eine Rolle.

Bargeld bleibt ein Risiko

Auch die Sicherheitsfrage beschäftigt Prontophot. Ein hoher Bargeldbestand berge Risiken, schreibt Hemmi.

Das sei einer der Hauptgründe, weshalb der Übergang zu bargeldlosen Zahlungsmitteln stark forciert werde.

Prontophot
Ein dickes Schloss sichert den Automaten vor Geldknackern. - Nau.ch

Ganz verschwinden soll Bargeld aber nicht. In der Schweiz sei es weiterhin beliebt. Die Kundschaft wünsche sich die Möglichkeit, sowohl bar als auch bargeldlos zu bezahlen.

Die Automaten würden je nach Standort wöchentlich bis monatlich kontrolliert, gewartet und geleert.

Modernisierung bis Ende Jahr

Bei den drei Foto-Versuchen bleibt Prontophot bei seiner Linie. Die Beschränkung diene dazu, an stark frequentierten Standorten einen flüssigen Ablauf sicherzustellen und lange Wartezeiten zu verhindern.

Drei Versuche reichten in Kombination mit der Bildschirmanleitung erfahrungsgemäss aus, um ein behördentaugliches ID-Foto zu erstellen.

Sollten Fotoautomaten überall Kartenzahlung anbieten?

Für Kundinnen und Kunden bleibt der Eindruck trotzdem speziell: 15 Franken bezahlen, Bargeld zusammensuchen, Münzen einzeln einschieben und hoffen, dass eines von drei Fotos passt.

In Männedorf ZH soll dieses Kapitel aber bald enden. Prontophot will auch die letzten alten Automaten bis Ende Jahr modernisieren, sofern keine Lieferengpässe dazwischenkommen.

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Kommentare

User #2967 (nicht angemeldet)

Tiptop, wenigstens noch etwas ohne Karte...

User #6042 (nicht angemeldet)

Wieso nicht? Wäre der Automat nur mit Karte, würden andere wieder rumstänkern. An einem Bahnhof würde ich so einen Automaten eh nicht nutzen, schon weil der vermutlich jede Nacht vollgepinkelt wird, obwohl 10 Meter nebendran ein WC wäre.

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