Das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Kanton Wallis soll nach mehr als zwölfjährigen Bauarbeiten noch in diesem Jahr seinen Betrieb voll aufnehmen können. 22 Millionen Franken - ein Prozent der gesamten Baukosten- wurden für ökologische Ausgleichsmassnahmen eingesetzt.
Nant de Drance
Wasserkraftwerk Nant de Drance. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Projektbeginn arbeiteten die Gesellschaft Nant de Drance, der WWF und Pro Natura eng zusammen, um die Umweltauswirkungen zu minimieren, die mit dem Bau des Pumpspeicherkraftwerks und dessen Anschluss ans europäische Stromnetz verbunden sind.

«Die beispielhafte Zusammenarbeit und der konstruktive Dialog zwischen der Wasserkraftgesellschaft und den Umweltschutzorganisationen ermöglichen, dass Stromproduktion und Naturschutz im Gleichgewicht sind», hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Mehr als hundert Treffen zwischen dem Unternehmen, dem WWF, Pro Natura, dem Kanton Wallis und dem Bundesamt für Energie (BFE) hätten in den letzten zehn Jahren zu einer schrittweisen Umsetzung von 15 Ausgleichsmassnahmen von hoher Qualität geführt, zog WWF-Regionalsekretärin Marie-Thérèse Sangra, am Mittwoch an einer Medienkonferenz eine positive Bilanz.

Die meisten dieser Massnahmen zielten laut Sangra darauf ab, in der Region wertvolle Biotope wiederherzustellen, insbesondere Feuchtbiotope. Dies soll die Wiederbesiedelung durch Tier- und Pflanzenarten begünstigen, die in der Schweiz selten vorkommen oder vom Aussterben bedroht sind. Einige der Massnahmen sind bereits abgeschlossen, andere befinden sich derzeit in der Umsetzung oder werden in Kürze ausgeführt. In Vernayaz beispielsweise wurde der Lantze-Kanal auf einem Abschnitt von 580 Metern renaturiert.

Die Fische erhielten dadurch bessere Bedingungen für das saisonale Laichen oder allgemein einen verbesserten Lebensraum. An den neu geschaffenen Ufern breiten sich laut WWF und Pro Natura bereits wieder Pflanzenarten aus, die vorzugsweise auf zeitweise überschwemmten Gebieten gedeihen, wie Seggen, Simsen und Weidenröschen. Zurückgekehrt ist auch die Gelbbauchunke, ein im Wallis seltener Froschlurch.

In die ökologischen Ausgleichsmassnahmen werden insgesamt 22 Millionen Franken investiert. Das entspricht einem Prozent des Gesamtbudgets von 2,2 Milliarden Franken für den Bau der Anlage. Die Betreibergesellschaft hat sich darüber hinaus verpflichtet, sich auch während der nächsten 80 Jahre, in der sie im Besitz der Konzession ist, um die Umweltprojekte zu kümmern. «Es ist ein langfristiger Vertrag, den das Unternehmen mit der Natur unterzeichnet hat», sagte Luc Gendre, Mitglied der Geschäftsleitung der Nant de Drance SA.

Das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance befindet sich zwischen den Stauseen Emosson und Vieux Emosson 600 Meter unter der Erde. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2008. 2021 soll das Kraftwerk nach Angaben der Betreiber voll einsatzfähig sein.

Für das Bauwerk wurden 17 Kilometer Stollen in den Berg gehauen. Mit 900 Megawattstunden Leistung wird Nant de Drance zu einem der leistungsstärksten Pumpspeicherkraftwerke Europas gehören. Seine Leistung entspricht derjenigen des Kernkraftwerks Gösgen. Hauptbeteiligt an der Nant de Drance AG sind Alpiq mit 39 Prozent und die SBB mit 36 Prozent.

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