Verzögerungen bei Telekommunikationsprojekten der Schweizer Armee
Die Erneuerung der Armeekommunikation gerät ins Stocken – und könnte deutlich teurer werden als geplant.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Modernisierung der Armeekommunikation verzögert sich um mehrere Jahre.
- Qualität, Verträge und Planung führen ausserdem zu möglichen Mehrkosten.
- Die Finanzkontrolle sieht Mitverantwortung bei den Partnerunternehmen Elbit und Ruag MRO.
Die Schweizer Armee kämpft mit Verzögerungen und möglichen Mehrkosten bei der Modernisierung ihrer Kommunikationssysteme. Die Eidgenössische Finanzkontrolle macht die Partnerunternehmen Elbit und Ruag MRO dafür verantwortlich. Letztere hat lange gebraucht, um einen Beschaffungsvertrag zu unterzeichnen.
Das Projekt zielt darauf ab, bis 2035 die Telekommunikationsausrüstung der Armee zu ersetzen. Die Gesamtkosten betragen etwa 1,92 Milliarden Franken.

Zum 30. Juni 2025 beliefen sich die Gesamtkosten auf 543,8 Millionen Franken. Dies teilte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht mit.
Das Projekt umfasst zwei Teile. Der eine Teil betrifft den Ersatz des integrierten militärischen Fernmeldesystems (IMFS). Der andere Teil betrifft die Erneuerung des mobilen Kommunikationssystems (EmK).
Ursprünglich hätte die Armee im Jahr 2032 über moderne Telekommunikationssysteme verfügen sollen. Schon seit Anfang des vergangenen Jahres ist bekannt, dass es eine Verzögerung um drei Jahre gibt.
Beschaffungsvertrag
Was die Erneuerung des IMFS betrifft, so wurde das Projekt im Juni 2021 an Ruag MRO vergeben. Der Auftrag hatte einen Umfang von 81,1 Millionen Franken, wobei der Rahmenvertrag eine Ausgabenobergrenze von 78,5 Millionen vorsah.
Bis Ende 2024 sollte ein Beschaffungsvertrag abgeschlossen werden. In ihrem im Dezember erstellten Bericht stellte die EFK fest, dass bis dahin noch kein Vertrag unterzeichnet worden war. Und schätzte die Mehrkosten auf rund 2,6 Millionen Franken gegenüber dem ursprünglichen Betrag.

Ursprünglich bestanden grundsätzliche kommerzielle Differenzen zwischen dem Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) und Ruag MRO hinsichtlich des Projektumfangs und der Lizenzkosten. Diese Meinungsverschiedenheiten wurden inzwischen beigelegt, und der Vertrag wurde unterzeichnet.
Insbesondere wurde vereinbart, dass Ruag MRO der Armee schrittweise Teilleistungen nach einem Modell namens «agiles Vorgehen» erbringt. Damit wird das Risiko einer ungeeigneten Lösung verringert.
Stabilisierung der Beziehungen
Die EFK weist auch auf das Fehlen von Anforderungen hinsichtlich des operativen Beitrags hin. Oder auch der Gewährleistung des Zugangs zu Knowhow und Personalressourcen. Diese Mängel verhindern eine gute langfristige Zusammenarbeit. Die EFK plädiert für eine nachhaltige Stabilisierung der bestehenden Beziehungen.
In ihren im Bericht veröffentlichten Stellungnahmen begrüssen der Generalstab der Armee, das Cyberkommando des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und die Armasuisse die Unterzeichnung des Beschaffungsvertrags nach dem Modell des «agilen Vorgehens».
Qualitätstests
Bezüglich Ersatz des Mobilkommunikationssystems beläuft sich das Auftragsvolumen mit dem israelischen Lieferanten Elbit auf 377 Millionen Franken inklusive Mehrwertsteuer. Auch dieser Teil verzögert sich aufgrund von Qualitätsproblemen und Lieferschwierigkeiten. Diese Probleme führen zu einer Neuplanung und potenziellen Mehrkosten, falls die ursprünglich vorgesehenen Mengen beibehalten werden, warnt die EFK.
Elbit musste in Abnahmetests nachweisen, dass seine Produkte die erforderliche Qualität aufweisen. Die Ergebnisse liegen innerhalb der zulässigen Toleranzwerte, wie das Cyberkommando feststellt. Bis Mitte März werden eingehende Tests durchgeführt und bis zum Ende des ersten Quartals die Planung überarbeitet.
In der Zwischenzeit ist es nicht möglich, sich zum Zeitplan und zu den Kosten des Projekts zu äussern. Die Armee hat ihren Bedarf an neuer Funkausrüstung überprüft.












