Im Ukraine-Krieg erzielte ein Schweizer Verein für einen Männerchor eine Ausreisebewilligung für eine Konzerttour. Noch ist unklar, ob alle mitreisen dürfen.
Ukraine-Krieg
Der ukrainische Männerchor Orpheus darf für eine Konzerttour in die Schweiz ausreisen. - Kultur Toggenburg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Ukraine zu verlassen, ist derzeit mit extrem viel Aufwand verbunden.
  • Ein Schweizer Verein schafft es, eine Ausreisebewilligung für einen Chor zu erwirken.
  • Einer der Männer ist jedoch an der Front – ob auch er ausreisen darf, bleibt abzuwarten.

Der Ukraine-Krieg erschwert die Ausreise aus dem Kriegsgebiet massiv. Dies gilt auch für Musiker, deren Auftritte seit der Invasion der Russen nahezu verunmöglicht werden.

Doch sie haben es geschafft: Der aus acht Männern bestehende Chor Orpheus darf für eine Konzerttour in die Schweiz ausreisen. Zumindest fast alle von ihnen.

Möglich gemacht hat dies der Verein Kultur Toggenburg. Der Ausreisebewilligung waren «wochenlange Bemühungen» vorangegangen, wie der Verein festhält. Die Bewilligung konnte bisher für sieben der acht Männer eingeholt werden.

Denn im Ukraine-Krieg müssen die Männer ihr Land an der Front verteidigen.

Ausstehende Ausreiseerlaubnis für wehrpflichtigen Musiker

Das gilt auch für einen der Berufsmusiker: «Er erhielt 30 Tage Urlaub und muss anschliessend wieder an die Front. Ob er eine Ausreiseerlaubnis bekommt, ist immer noch ausstehend». Dies erzählt Organisatorin Margrit Mettler-Roth gegenüber Nau.ch.

Für die anderen Sänger gilt die Wehrpflicht aber nicht: «Einer ist mehr als 60 Jahre alt. Zwei Männer haben drei oder mehr Kinder unter 18 Jahren. Die anderen sind beim Militär registriert, durften aber wählen, ob an die Front oder als Reserve/Zivilschutz

Mettler-Roth erzählt von den Hürden, bis die definitive Ausreisebewilligung für zumindest sieben Mitglieder eintraf: «Wir mussten von allen Orten eine offizielle Bestätigung mit Unterschrift und Stempeln in die Ukraine mailen.»

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Der russische Präsident Wladimir Putin.
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Aus der Ukraine geflüchtete Menschen am Grenzübergang Mayaky-Udobne. Wegen des russischen Angriffs auf ihre Heimat sind Hunderttausende auf der Flucht. Foto: Sergei Grits/AP/dpa
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Ein ukrainischer Soldat im Ukraine-Krieg in der Nähe einer zerstörten Brücke am Fluss Irpin.

Im Anschluss daran hätte das Oktett alle Papiere auf Ukrainisch übersetzen lassen: «Zum Schluss fehlte noch ein Kooperationsvertrag, da wir mit dem Ensemble alles auf freundschaftlicher Basis geregelt hatten», so Mettler-Roth.

In der Ukraine seien die Sänger weitaus mehr Administration gegenübergestanden. Denn die Männer aus Lviv seien dort nicht als offizielle Gruppe registriert, führt Mettler-Roth aus. Erst elf Tage vor dem Start der Konzerttour kam nach langem Bangen dann der positive Bescheid.

Wegen Ukraine-Kriegs: Keine Auftritte möglich

Sonstige Möglichkeiten für Auftritte haben die Berufsmusiker seit dem Ukraine-Krieg praktisch keine: «Im Moment geben sie immer wieder einmal Gratiskonzerte für die Geflüchteten aus dem Osten oder singen an einem Gottesdienst.»

Die Schweizer Konzerttour der seit dem Jahr 2000 bestehenden Gruppe wird vom 17. Juni bis zum 2. Juli durchgeführt.

Gehen Sie oft an Konzerte?

Das Oktett hat sich auf orthodoxe Gesänge und ukrainische Volkslieder spezialisiert. Tickets können nicht reserviert werden. Mettler-Roth erklärt: «Die ganze Konzerttour wird an den verschiedenen Orten von Helfern, Kulturorganisationen und Kirchen mitgetragen.»

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