SVP-Nationalrätin will Bundespersonal Homeoffice verbieten
75 Prozent der Bundesangestellten nutzen Homeoffice. SVP-Nationalrätin Therese Schläpfer will sie ins Büro schicken. Sie ist überzeugt: Das würde Kosten sparen.

Das Wichtigste in Kürze
- Rund 22'000 Mitarbeitende der Bundesverwaltung arbeiten im Homeoffice.
- Eine SVP-Nationalrätin ist sicher, dass das ineffizient sei – und will es verbieten.
- SP-Nationalrat David Roth spricht von einer «bösartigen, missmutigen Unterstellung».
Der Bund muss sparen. Rund zwei Milliarden Franken beträgt das Sparvolumen des «Entlastungspakets 27» für die nächsten Jahre.
Die Zürcher SVP-Nationalrätin Therese Schläpfer fordert nun eine weitere Massnahme: Sie will die Bundesangestellten wieder ins Büro schicken.
«Arbeitet das Bundespersonal ständig vor Ort, kann der Bund Personal einsparen», argumentiert Schläpfer bei Nau.ch. «Der Bund sollte deshalb Homeoffice nur noch in Ausnahme- oder Notfällen erlauben», fordert sie.

Denn für Schläpfer steht fest: «Angestellte sind im Homeoffice nicht so effizient wie im Büro.» Dies belegten auch zahlreiche Studien. «Diese wurden schon zu Corona-Zeiten erstellt.»
Etwa das Stanford Institute for Economic Policy Research führte eine Studie in amerikanischen Call-Centern durch. Dieser zufolge reduziert sich die Produktivität im Homeoffice um zehn bis 15 Prozent.
Grund dafür ist laut der Studie, dass sich die Angestellten mehr Zeit für Anfragen nahmen. Auch nahmen sie weniger Anrufe entgegen und schlossen weniger Fälle ab.
Nationalrätin rechnet mit Millionen-Einsparungen
Stimmt es, dass auch unsere Bundesangestellten im Homeoffice weniger effizient sind, dann würde das den Bund natürlich Geld kosten.
Die Lohnsumme beim Bund betrage 6500 Millionen Franken, sagt Schläpfer. «Hier bedeutet jedes Prozent Effizienz eine Ersparnis von 65 Millionen», rechnet sie vor.
Bei zehn Prozent seien es 650 Millionen Franken. «Dazu kommt noch, dass die Saläre beim Bund 12 Prozent höher sind als in der Privatindustrie.»
«Private Treffen am Freitag»
Für Therese Schläpfer bestätigen die Studien nur, was sie in privaten Gesprächen längst immer wieder hört.
«Besonders am Freitag macht man gerne private Treffen ab», sagt Schläpfer. «Das ist kein Problem, ich bin dann sowieso im Homeoffice», heisse es dann etwa.
Bei anderen Angestellten laufe während der Arbeit im Homeoffice am TV ein Tennismatch. «Sowas lenkt bei der Arbeit ab», sagt Schläpfer.
Selbst ist die 66-Jährige noch im Betrieb ihres Mannes tätig, einer Sensorik- und Consultant-Firma. Aufgewachsen ist sie in einer Familie, die einen Handwerksbetrieb führte.
Auch Haushaltsarbeiten haben laut Therese Schläpfer im Homeoffice nichts verloren. «Ob einkaufen, Wäsche machen oder der Frühlingsputz – es gibt tausende Dinge, die man daneben schnell erledigen kann.»
Doch diese «kurzen Pausen» kosteten mehr Arbeitszeit als angenommen. «Insgesamt läppern sich so ganze Arbeitstage zusammen.»
Den besten Beweis liefern laut Schläpfer Angestellte, die über eine gewisse Zeit jeden Tag ein paar Minuten länger arbeiten müssen. «Auf diese Weise holen manche Firmen die betriebsfreie Zeit über Weihnachten rein.»
Die Mitarbeitenden würden also damit so viel Überzeit ansammeln, dass sie Ende Jahr gleich mehrere Tage freinehmen können.
«Keine fixe Prozentregeln»
Doch wie viele Personen würde ein solches Homeoffice-Verbot, wie Schläpfer es fordert, überhaupt betreffen?
Die Bundesverwaltung zählt rund 43'000 Mitarbeitende. Rund 22'000 Mitarbeitende oder 74 Prozent nutzen die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Das zeigt die Personalbefragung 2023 des Eidgenössischen Personalamts (EPA). An der Befragung nahmen 70 Prozent der Mitarbeitenden teil.
«Es gibt für die Mitarbeitenden der Bundesverwaltung keine fixen Prozentregeln für Homeoffice», sagt Anand Jagtap, Mediensprecher des EPA.
Die Möglichkeit, im Homeoffice arbeiten zu können, könne in der Bundesverwaltung sehr unterschiedlich sein. Grund dafür sei die Aufgabe der jeweiligen Verwaltungseinheit.
Rund die Hälfte des Bundespersonals ist ganz oder mehrheitlich an einen spezifischen Arbeitsplatz gebunden. Darunter fallen Forschungsanstalten, der Sicherheitsbereich und die Logistik.
Diese Mitarbeitenden seien in der Flexibilität betreffend den Arbeitsformen eingeschränkt, sagt Anand Jagtap.
«Wäre ein Schuss ins Knie»
Kommenden Montag stellt Therese Schläpfer in der Fragestunde im Nationalrat Finanzdepartementsvorsteherin Karin Keller-Sutter (FDP) Fragen zur Homeofficequote der Bundesverwaltung.
Auch SVP-Nationalrat Pascal Schmid will in der Fragestunde wissen, wie oft Bundesbeamte im Homeoffice sind.
SP-Nationalrat David Roth nimmt die Homeoffice-Fans vor dem Angriff von rechts in Schutz.
Denn: Von einem Homeoffice-Verbot für Bundesangestellte hält er nichts. «In Zeiten von Fachkräftemangel ist es keine gute Idee, Stellen weniger attraktiv zu machen», sagt er. Auf diese Weise würden Angestellte gezwungen, mehr Zeit für den Arbeitsweg aufzubringen.

Homeoffice sei in den meisten Betrieben heute üblich, sagt Roth. «Bietet der Bund kein Homeoffice mehr an, wäre es sein Schuss ins Knie.» Auf diese Weise drohe der Bund, weniger qualifizierte Mitarbeitende zu haben.
«Mühe, Beruf und Freizeit zu trennen»
Der Kritik der mangelnden Effizienz bei der Arbeit zu Hause widerspricht David Roth.
«Eher beobachtet man eine Entgrenzung von Arbeit», sagt er. «Die Mitarbeitenden schauen in ihrer Freizeit zum Beispiel Mails an, ohne dies als Arbeit aufzuschreiben.»
Das Problem sei daher nicht, dass Angestellte im Homeoffice eine ruhige Kugel schoben. «Viele Mitarbeitende haben Mühe, Beruf und Freizeit zu trennen.»
Ineffizienz im Homeoffice bezeichnet Roth als «bösartige, missmutige Unterstellung» gegenüber Bundesangestellten. Diese Missgunst halte er nicht für angebracht.
«Wir Parlamentarierinnen und Parlamentarier arbeiten täglich mit Leuten aus der Bundesverwaltung zusammen, die hervorragende Arbeit leisten.» Er glaube, dass sich auch Therese Schläpfer vom Gegenteil überzeugen lassen könne.
«Keine negativen Einflüsse»
Auch das Eidgenössische Personalamt rechnet mit keinem Effizienzverlust durchs Homeoffice.
«Aus Sicht Arbeitgeber sind keine negativen Einflüsse auf die Arbeitseffizienz zu erwarten», sagt Anand Jagtap. Allerdings nur, sofern Homeoffice für Arbeiten genutzt werde, die dafür geeignet seien.
«Und wenn Homeoffice in einem Ausmass genutzt wird, das den nötigen Austausch im Team und der Organisation zulässt.»
Auch eine Studie des Marktforschers Yougov bestätigt, dass Schweizer Arbeitnehmende im Homeoffice nicht weniger effizient arbeiten als im Büro.
Sieben von zehn Mitarbeitenden geben an, weniger als 30 Minuten für private Dinge zu verwenden. Im Büro verbringen acht von zehn weniger als 30 Minuten mit Privatem. Also nur eine Person mehr.

















