Coop

Steckt im Coop-Kartoffelsack wirklich weniger als 1 Kilo?

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Bern,

Mehrere Coop-Kunden schlagen derzeit Alarm: Ihre Kartoffelsäcke sollen deutlich zu leicht sein. Nau.ch hat beim Detailhändler nachgefragt.

Kartoffel-Säcke Coop
Im Coop finden sich derzeit mehrere Kartoffelsäcke, die gemäss Nutzern unter dem deklarierten Gewicht liegen. - Reddit

Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzer berichten derzeit über 1-Kilo-Säcke Kartoffeln, die deutlich weniger wiegen.
  • Der betroffene Detailhändler Coop geht den Hinweisen nach.
  • Der Grund für den Gewichtsverlust dürfte seinen Ursprung bereits bei der Lagerung haben.

Ein Kilo Kartoffeln kaufen – und zu Hause plötzlich nur noch 850 Gramm haben?

Solche Bilder sorgen derzeit in den sozialen Medien für Diskussionen. Mehrere Personen wiegen dort 1-Kilo-Säcke auf den ladeinternen Waagen von Coop nach. Und siehe da: Die Anzeige auf dem Display zeigt auffällige Abweichungen.

Teilweise fehlen laut den Aufnahmen bis zu 200 Gramm. Bei einer deklarierten Füllmenge von einem Kilogramm wäre gesetzlich jedoch lediglich eine geringe Toleranz von 15 Gramm erlaubt.

Coop: «Gehen den Hinweisen nach»

Coop bestätigt auf Anfrage von Nau.ch, dass man den Sachverhalt prüfe. «Wir gehen den Hinweisen nach», schreibt der Detailhändler.

Eine mögliche Erklärung: Coop verweist darauf, dass Kartoffeln während der Lagerung normalerweise an Gewicht verlieren.

Eine Sprecherin erklärt: «Kartoffeln haben einen grossen Wasseranteil und verlieren während der Lagerung durch natürliche Atmung und Verdunstung laufend an Gewicht.»

Auch Swisspatat, die Branchenorganisation der Schweizer Kartoffeln, bestätigt dies: «Es ist normal, dass die Kartoffeln nach der Ernte kontinuierlich an Gewicht verlieren, weil das Wasser aus den Knollen entweicht.» Diese bestehen laut der Organisation zu rund 80 Prozent aus Wasser.

Ist der Wasserverlust schuld?

«Der Gewichtsverlust hat einen natürlichen Ursprung und ist aus technischer Sicht nicht vermeidbar», schreibt Swisspatat.

Deshalb würden die Kartoffeln beim Abpacken in der Regel bewusst etwas schwerer abgefüllt. So werde das deklarierte Gewicht auch nach einigen Tagen Lagerung noch erreicht.

Das bestätigt auch Coop. Die Packungen würden «grundsätzlich etwas über dem Füllgewicht befüllt».

Experte: «Definitiv sehr weit aus der Toleranz»

Deutlicher wird Walter Obrecht, Experte für Waagen und Messtechnik, auf Anfrage von Nau.ch. Für ihn ist klar: Die grossen Differenzen liegen zumindest nicht an den Waagen.

Die Waagen im Detailhandel seien heute sehr präzise und würden regelmässig nachgeeicht. «Wir sprechen da in der Regel von einer Abweichung von ein paar Gramm bei Maximallast», erklärt Obrecht.

Isst du oft Kartoffeln?

«Solch massive Unterfüllungen wie beschrieben dürfen nicht vorkommen.» Und weiter: «Das hat nichts mit der Waage zu tun.»

Besonders deutlich wird Der Experte bei den kursierenden Beispielen mit bis zu 200 Gramm Untergewicht. Diese Mengen seien «definitiv sehr weit aus der Toleranz.»

Die Verantwortung liege klar bei den Verpackern und Herstellern. Diese müssten entsprechende Kontrollmechanismen haben, um ein solches Untergewicht zu vermeiden. «Ansonsten ist es Betrug am Konsumenten», hält Obrecht fest.

Die Marktaufsicht, in diesem Falle die kantonalen Eichmeisterinnen und Eichmeister, würden die Einhaltung der Mindestmengen bei Fertigpackungen überprüfen.

Konsumentenschutz kennt die Fälle

Beim Konsumentenschutz sorgen die Kartoffelsäcke im Untergewicht ebenfalls bereits für Gesprächsstoff.

Die Stiftung schreibt gegenüber Nau.ch: «Wir hatten in letzter Zeit mehrfach Anfragen wegen einer zu tiefen Füllmenge, insbesondere auch zu diesen ominösen Kartoffelsäcken.»

Eigene Stichproben hätten bislang allerdings keine Auffälligkeiten gezeigt.

Migros arbeitet mit «Reservemengen»

Auch die Migros verweist auf Anfrage von Nau.ch, wie Coop, auf den natürlichen Wasserverlust bei frischen Produkten.

Man gehe bei verpackter Ware allerdings noch einen Schritt weiter und arbeite «mit definierten Reservemengen pro Artikel».

Ganz ausschliessen lasse sich ein Gewichtsverlust trotzdem nicht. Hinweise von Kundinnen und Kunden würden geprüft und an die zuständigen Stellen weitergeleitet.

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Kommentare

User #5772 (nicht angemeldet)

Ich kaufe immer die offenen Kartoffeln ohne Sack so kann man Beilage abwechslungsreiche machen . Eine ganze Packung ist für grosse Familien gut.

User #4773 (nicht angemeldet)

Eigentlich ist ja Coop nicht besser und schlechter als die Konkurrenz. ABER: Ein Tick geiziger ist Coop halt doch. Jetzt nur noch 40% Rabatt bei Ladenschluss. Ich kenne einige Kollegen, die das nicht mehr akzeptieren. Oder bei TooGoodToGo Da erklärte mir doch eine Verkäuferin allen Ernstes, dass da Ware für ca. 17.90 bis 18.50 drin sein kann. Geiziger gehts nimmer. Und so war es bei allen bisher 3 Testkäufen in 3 verschiedenen Coop. 2 bis 3 Produkte waren im Warenkorb. Z. B. eine Familienpizza für 12.—und noch 2 Sachen für insgesamt 5.95 also 17.95. Ich glaube die Verkäuferinnen rechnen das mit dem Taschenrechner aus. Verschiedene TooGoodToGo Käufer bestätigen mir das. Die bestellen nichts mehr bei Coop. Da sind Volg oder Migros viel, viel grosszügiger. Bei Volg noch ein Brot und ein paar Bananen drauf. Hä, die müssen ja sonst eh fortgeworfen werden. Oder bei Migros hatte ich schon zwei Mal Waren für fast 50 Stutz im Korb. Und auch sonst fast immer mehr als 18.--.

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