Sprit wird knapp: Bund prüft Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen!
Wegen der angespannten Treibstoff-Versorgung zieht der Bund weitere Massnahmen in Betracht. Im Raum steht eine Temporeduktion auf Schweizer Autobahnen.

Das Wichtigste in Kürze
- Bis zu 45'000 Kubikmeter Diesel dürfen vom 23. Oktober bis zum 22. November aus den Pflichtlagern bezogen werden.
- Der Bund kann in Mangellagen auf freiwillige Sparmassnahmen setzen. Reichen diese nicht aus, kann der Bundesrat Temporeduktionen anordnen.
- Der Bund prüft nun Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen, um Treibstoff zu sparen.
Treibstoff wird in der Schweiz zunehmend zur Mangelware. Am Freitag öffnete der Bund deshalb vorübergehend die Pflichtlager.
Wegen des Versorgungsengpasses dürfen nun Dieselbestände aus den Pflichtlagern bezogen werden. Vom 23. Oktober bis zum 22. November stehen dafür bis zu 45'000 Kubikmeter Diesel zur Verfügung.
Doch damit nicht genug: Im Hintergrund arbeitet der Bund bereits an weiteren Massnahmen.
Wie «Schweiz heute» am Samstag enthüllt, prüfen die Behörden derzeit eine Temporeduktion auf Autobahnen. Konkret steht eine Senkung der Höchstgeschwindigkeit von 120 auf 80 Kilometer pro Stunde zur Diskussion.
Bundesverwaltung berät jetzt über Temporeduktion
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat dazu im Herbst eine Ämterkonsultation durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine interne Abstimmung zwischen den Bundesämtern zur Vorbereitung von Entscheiden.
Konkret geht es darum: Bei einer schweren Mangellage könnte die Massnahme den Treibstoffverbrauch senken und gleichzeitig die Pflichtlager entlasten.
Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt das BWL am Samstagvormittag die verwaltungsinterne Konsultation, über die «Schweiz heute» zuvor berichtet hatte.
Das Amt schreibt, dass verschiedene Massnahmen, mit denen die wirtschaftliche Landesversorgung in Mangellagen unterstützend eingreifen kann, regelmässig überprüft und bei Bedarf auf den neuesten Stand gebracht würden.
Das bedeutet: Temporeduktionen sind für den Fall einer schweren Mangellage vorgesehen. Die Ämterkonsultation dürfte nun klären, ob eine solche Massnahme aktuell sinnvoll wäre und wie sie konkret umgesetzt werden könnte.
Temporeduktionen hätten «zusätzlichen Spareffekt»
«Zu den vorzubereitenden Massnahmen gehört auch die flankierende Massnahme von Temporeduktionen», bestätigt BWL-Sprecher Thomas Grünwald. «Damit auch diese Massnahme auf dem heutigen Stand vorbereitet ist, wurde diesen Herbst eine verwaltungsinterne Konsultation durchgeführt.»
Wie eine solche Temporeduktion konkret aussehen könnte, lässt Grünwald offen. Grundsätzlich informiere das Amt nicht, bevor der Meinungsbildungsprozess abgeschlossen sei.
Der Sprecher erklärt: «Die Massnahme würde im Fall einer schweren Mangellage bereits laufende Bezüge aus den Pflichtlagern begleiten und diese mit einem zusätzlichen Spareffekt unterstützen.»
Gemäss seinem Massnahmenplan kann der Bund eingreifen, um eine schwere Mangellage abzuwenden oder deren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft möglichst gering zu halten.
Gerade beim Erdöl sieht der Plan verschiedene Möglichkeiten vor. Verbrauchssenkende Massnahmen könnten einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen, schreibt das BWL auf seiner Website.
Schweiz beschloss während Ölkrise in den 70ern Temporeduktion
Den Anfang sollen «Sparappelle» machen. Sie zielen auf freiwillige Einsparungen ab – etwa durch Fahrgemeinschaften, den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr oder weniger Freizeitverkehr.
Reicht das nicht aus, kann der Bund weiter gehen. «Weitergehende Massnahmen wie zum Beispiel Temporeduktionen auf Autobahnen oder Autostrassen können vom Bundesrat verordnet werden», heisst es weiter.

Eine solche Temporeduktion wäre für die Schweiz kein Novum. Bereits während der Ölkrise 1973 galt auf den Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Zudem verhängte der Bundesrat Fahrverbote an Sonntagen.
Niedrigwasser erschwert Öltransporte
Der Grund für die aktuelle Öffnung der Diesel-Pflichtlager sind verzögerte Pipelinelieferungen nach Starkregen in Südfrankreich.
Zusätzlich belastet wird die Lage durch das seit Monaten anhaltende Niedrigwasser am Rhein.
Dadurch ist die logistische Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten eingeschränkt. Probleme bei anderen Transportwegen können deshalb rasch zu Engpässen führen.











