Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria spitzt sich die Situation stetig zu. Spenden sollen helfen, die Kinder und anderen Betroffenen weiter zu unterstützen.
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Ein kleiner Junge, zusammen mit anderen Flüchtlingen aus Moria nach der Flucht vor dem Feuer. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Brand im Flüchtlingslager Moria ist vermutlich auf Brandstiftung zurückzuführen.
  • Rund 12'000 Menschen mussten vor dem Feuer fliehen und suchen nun eine neue Zuflucht.
  • Durch Spenden sollen die Betroffenen, darunter viele Kinder, unterstützt werden.

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Halbinsel Lesbos ist durch grosse Brände fast vollkommen zerstört worden. Tausende Menschen, darunter viele Kinder, haben ihre letzte Zuflucht verloren und sind nun obdachlos. Nicht nur das Coronavirus stellt für diese Menschen eine Gefahr dar, denn die Situation droht ständig zu eskalieren.

Feuer und Unruhen auf Lesbos

In der Nacht auf den 9. September entzündeten sich mehrere Brandherde im Flüchtlingslager Moria auf der Halbinsel Lesbos. Lokalen Berichten zufolge habe das Lager fast vollständig gebrannt, während der ersten Tage war die Brandursache nicht geklärt worden. Vor Kurzem berichtete nun die Nachrichtenagentur ANA-MPA, man habe sechs mutmassliche Verantwortliche festgenommen.

Bei den verhafteten Personen handelt es sich um vier Männer und zwei Minderjährige, sie alle sind mittlerweile in Untersuchungshaft. Bilder, Videos und Augenzeugen berichteten von Tausenden Menschen, die während des Brandes in die nahegelegenen Hügel geflohen sind. Bei dieser Flucht sollen einige Flüchtlinge von Einheimischen behindert worden sein.

Polizei und Feuerwehr berichteten von Chaos und aggressivem Verhalten während und nach dem Brand des Lagers. Einige Lagerbewohner sollen die Feuerwehrleute durch Steinwürfe von den Löscharbeiten abgehalten haben. Insgesamt sei die Situation auf Lesbos sehr angespannt, weshalb ein bislang auf vier Monate angesetzter Notstand ausgerufen worden ist.

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Ein Mann rettet eine Katze und sich selbst vor den Flammen in Moria. - keystone

12'000 Personen suchen eine neue Zuflucht

Für die Lagerbewohner von Moria ist dieser Brand eine Katastrophe. In den vergangenen Wochen und Monaten war immer wieder von der Gefährdung der Flüchtlinge durch das Coronavirus die Rede. Die erneute Katastrophe durch die Zerstörung ihrer Unterkünfte stellt die rund 12'000 Flüchtlinge vor eine herbe existenzielle Notlage.

Mittlerweile haben rund 10'000 Flüchtlinge Zuflucht in Lesbos’ zweitem Auffanglager bei Kara Tepe, an der Ostküste der Insel, gefunden. Dies geht aus Berichten des griechischen Migrationsministers Notis Mitarakis hervor. Dieses zweite Lager soll Platz für alle 12'000 Flüchtlinge bieten, die aus Moria flüchten mussten.

Bislang ist nicht klar, wo sich die 2'000 verbliebenen Flüchtlinge aufhalten. Eine genaue Zählung ist aufgrund des Chaos und der angespannten Situation auf Lesbos derzeit nicht möglich. Zudem ist 200 Migranten, deren Abschiebung bevorstand, die Flucht aus der geschlossenen Unterbringung gelungen.

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Rund 12'000 Menschen sind nach den Feuern in Moria auf der Flucht und sollen durch Spenden unterstützt werden. - keystone

Es werden dringend Spenden benötigt

Laut Popi Gkliva, Nothilfekoordinatorin von SOS-Kinderdorf Griechenland, ist die Situation auf Lesbos besonders für Kinder dramatisch. «Sie sind in einem schlimmen Zustand, das Ausmass an Vernachlässigung ist unbeschreiblich.» Die Eltern seien oftmals selbst in einem schlimmen Zustand, depressiv und hoffnungslos. So können sie ihren Kindern und den restlichen Familienmitgliedern kaum Unterstützung spenden.

SOS-Kinderdorf ist seit Jahren dank Spenden in Moria und auch Kara Tepe tätig, wo nun die meisten Flüchtlinge Zuflucht suchen. Doch auch dort sei man bereits am Rande des Machbaren angelangt. George Protopapas, Leiter von SOS-Kinderdorf Griechenland, sagt: «Wir müssen jetzt mehr denn je an der Seite der Kinder stehen.»

SOS-Kinderdorf hat auf Lesbos bereits mit ersten Nothilfemassnahmen begonnen. Die Mitarbeiter verteilten Decken und Matratzen und stehen im ständigen Austausch mit den griechischen Behörden. Zudem hat sich die Hilfsorganisation mit drei weiteren Kinderhilfswerken der Schweiz in einem offenen Brief an die Schweizer Regierung gewandt. Darin fordern die Hilfswerke die Unterstützung bei der Durchführung von vier konkreten Massnahmen, die die Kinder auf Lesbos unterstützen sollen.

Auch Privatpersonen können die betroffenen Kinder und Familien von Moria durch Spenden unterstützen. Solche Spenden werden dringend benötigt, um den Flüchtlingen auf Lesbos essenzielle Güter zukommen zu lassen. Verschiedene Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland sind auf Lesbos tätig und informieren im Internet über ihre jeweiligen Projekte.

SOS-Kinderdorf
SOS-Kinderdorf Schweiz unterstützt die Beiträge von Nau.ch zum Thema Spenden als Sponsor; hat auf deren Inhalt jedoch keinen Einfluss. Das politisch und konfessionell ungebundene Kinderhilfswerk gibt in über 135 Ländern Kindern in Not ein liebevolles Zuhause. Mindestens 80 Rappen von jedem Spendenfranken fliessen dabei direkt in die Projektarbeit zugunsten von Kindern in Not. - .
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