«Schwierig in Zürich»: Italiener wird mit Spenden überhäuft
Zürich ist eine teure Stadt. Spenden hätten einem italienischen Vater ermöglichen sollen, bei seinem brandverletzten Sohn zu bleiben.

Das Wichtigste in Kürze
- Leonardo Bove (16) aus Italien erlitt beim Brand in Crans-Montana schwere Verbrennungen.
- Ein Crowdfunding sammelte auch Geld, damit sein Vater in Zürich bei ihm sein kann.
- Er solle nicht zwischen Arbeit und Liebe entscheiden müssen, sagt eine Initiantin.
Mehr als die Hälfte seiner Haut ist verbrannt. Der 16-jährige Leonardo Bove ist einer der über 100 Verletzten der Bar «Le Constellation». In der Silvesternacht brach dort ein verheerender Brand aus.
Seit über einer Woche liegt der Gymnasiast im Unispital Zürich (UZH). Sein kritischer Zustand lässt eine Verlegung mit dem Helikopter ins Mailänder Spital Niguarda lange nicht zu. Auch verhindert der Schneefall am Wochenende zunächst den Transport in die Heimat.
Gabriele Bove, Leonardos Vater, der in der Filmbranche arbeitet, stellt sich auf einen langen Aufenthalt in Zürich ein.
Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen starten ein Crowdfunding auf der Plattform Gofundme. Dazu schreiben sie: Die Arbeit in der Filmbranche zwinge einen, «zwischen dem ‹Brotverdienen› und der Zeit für die Familie» zu entscheiden.
Es gebe wenige Menschen wie Bove, die sich so sehr der Arbeit widmeten, heisst es weiter.
Der Spendenaufruf will dem Vater die Freiheit schenken, nicht zwischen Arbeit und Liebe entscheiden zu müssen. Das Spendenziel von 150'000 Franken soll ihm ermöglichen, im teuren Zürich «solange wie nötig bei Leonard zu sein».
«Kein Einkommen»
Am Sonntagmittag folgt jedoch die Wende: die Wetterbedingungen bieten ein günstiges Zeitfenster für den Flug von Zürich nach Mailand. Leonardo Bove kann nach Italien gebracht werden.
Trotzdem bleiben die Spenden wichtig. Angestellte der Filmbranche arbeiten projektbezogen, sagt Giulia Gallo zu Nau.ch. Sie ist eine der Initiantinnen des Spenderaufrufs.
«Nicht arbeiten zu können, bedeutete daher leider auch, kein Einkommen zu erhalten», erklärt sie.
In diesen Monaten sei es wichtig, dass sich Gabriele Bove frei fühlen könne, um bei Leonardo zu sein, sagt Gallo. «Und nicht Aussenaufträge annehmen zu müssen, wie es bei uns oft vorkommt, die einen monatelang von zu Hause fernhalten.»
Auch seien die Spenden für alles vorgesehen, das sich in Leonardos Leben zwangsläufig ändern werde. «Und wofür man sich organisieren muss.»
Spenden: Ziel schon fast erreicht
Einen Tag nach Leonardo Boves Rückführung, am Montagnachmittag, ist das Spendenziel schon fast erreicht: Es sind über 130'000 Franken eingegangen.
Dazu kommen mindestens 40'000 Franken Spenden einer Aktion, die das Mailänder Sportzentrum SSD Franco Scarioni gestartet hat. Leonardo ist im dortigen Verein Stürmer und träumte von einer Karriere als Fussballer.
Am Montag liefen die Aktionen mit den Spenden weiter.
Wirt bietet Zimmer und Essen an
Doch die Solidarität endet dabei nicht. Der Wirt eines italienischen Restaurants in Zürich hätte Leonardos Familie ein Zimmer in der Stadt organisiert. Auch hätten sie bei ihm gratis essen können.
Er kennt die Familie nicht, sagt er zu Nau.ch.
Doch er erklärt: «Für eine gewöhnliche italienische Familie ist es schwierig, in Zürich eine günstige Unterkunft zu finden.» Darum habe er das Angebot gemacht.
Es freue ihn, dass Leonardo nun in Italien behandelt werde. «Das ist das Beste für ihn und seine Familie.» Der Wirt will anonym bleiben. Es gehe ihm nicht darum, sich in den Medien zu inszenieren, sagt er.
Noch eine Italienerin am Zürcher Unispital
Mit Elsa Rubino aus Biella befindet sich am Montag das letzte der 13 italienischen Brandopfer im Unispital Zürich.
Die 15-Jährige erlitt Verbrennungen an 70 Prozent ihres Körpers und ist nicht transportfähig.
Hin und wieder werde die Sedierung reduziert, sagt ihr Vater zum «Corriere della Sera». «Folglich wacht sie auf, bricht in Tränen aus und wird wieder sediert.»

















