Seit Jahren stellen wir in der Schweiz zweimal im Jahr die Uhr um. Doch wie ist die Zeitumstellung hierzulande überhaupt entstanden?
Zeitumstellung Schweiz
In der Schweiz drehen wir zweimal im Jahr an unseren Uhren. Doch wie kam es dazu? - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 1981 gibt es in der Schweiz die gesetzlich verankerte Zeitumstellung.
  • Doch das Zeitgesetz musste mit einigem Referenden und Volksinitiativen kämpfen.

Das erste Mal umgesetzt wurde die Zeitumstellung in der Schweiz in den Jahren 1941 bis 1942 von Mai bis Oktober. Dies, nachdem Deutschland die Sommerzeit im Zweiten Weltkrieg 1940 ein zweites Mal eingeführt hatte.

Die gesetzliche Regelung in der Schweiz folgte jedoch erst im Jahr 1977. Denn auch im restlichen Europa wollte man Ende der 70er-Jahre dem Zeiten-Chaos ein Ende setzen. Ausschlaggebend dafür war letztlich der damalige «gemeinsame Binnenmarkt».

Zeitumstellung SBV
Die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) im Jahr 1979. Die Politiker wehrten sich gegen die Zeitumstellung. - Keystone

Doch diesem Vorgehen machten fünf Zürcher Bauern zusammen mit CVP-Nationalrat Albert Rüttimann einen Strich durch die Rechnung. Mit der Begründung, dass die Sommerzeit unnatürlich sei, reichten sie ein Referendum ein – und gewannen. Aus diesem Grund wurde das Sommerzeit-Gesetz am 28. Mai 1978 deutlich verworfen.

Schweiz will nicht länger eine «MEZ-Zeitinsel» sein

Im Sommer 1980 stellte die Schweiz somit aber eine «MEZ-Zeitinsel» in Europa dar. In den Nachbarländern wurden die Uhren in der Nacht auf den 6. April um eine Stunde vorgestellt. In der Schweiz hingegen drehten sie sich wie gewohnt in der Normalzeit weiter.

Die Folgen: Die SBB müssen nach einem Notfahrplan fahren, Grenzgänger arbeiten in Sonderschichten. Viele Betriebe in der Schweiz richteten sich deshalb nach der deutschen Zeit.

Zeitumstellung
Eine Zeit lang war die Schweiz eine «MEZ-Zeitinsel». Dies, weil es hierzulande noch keine Zeitumstellung gab, in den Nachbarstaaten hingegen schon. - Keystone

Das Parlament will das nicht länger dulden und verabschiedete kurzerhand ein neues Zeitgesetz. Seit 1981 gilt nun auch in der Schweiz die gleiche Regelung wie in ihren Nachbarstaaten.

Erneute Initiativen gegen Zeitumstellung scheitern

Eine erneute Volksinitiative von Christoph Blocher und der Zürcher SVP scheiterte 1982 bereits bei der Unterschriftensammlung.

Auch spätere politische Vorstösse schlugen fehl. So forderte eine Motion von SVP-Nationalrätin Yvette Estermann 2010 die Aufhebung der Sommerzeit. Auch in den folgenden Jahren (2012, 2016, 2017 und 2018) scheiterte sie mit ähnlichen Vorschlägen.

Yvette Estermann
Laut Yvette Estermann (SVP/LU) sei der Praxisnutzen bei Institutionen für Menschenrechte gering. - Keystone

Für die Einführung der Sommerzeit hat sich der Bundesrat letzlich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen entschieden. Und, «um eine Übereinstimmung der Zeitregelung unseres Landes mit derjenigen benachbarter Länder erreichen zu können». Bis heute will man sich an den Nachbarländern orientieren – auch im Falle einer möglichen Abschaffung der Zeitumstellung.

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