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«Skandalös einseitig»: Riesen-Aufschrei in Luzern wegen SRF-Dok

Stephan Felder
Stephan Felder

Luzern,

Die SRF-Dok über Overtourism sorgt in Luzern für Kritik. FDP, SVP und Touristiker werfen dem Sender eine einseitige Darstellung vor.

Luzern
Ein gewohntes Bild: Touristenmassen und Reisecars am Schwanenplatz in Luzern. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • FDP, SVP und Wirtschaftsvertreter kritisieren die SRF-Doku über Overtourism als einseitig.
  • Hotelier Roman Omlin spricht von einer verzerrten Darstellung und veralteten Bildern.
  • Die Debatte wird auch mit der SVP-10-Millionen-Initiative verknüpft.

Ein Dok-Film von SRF beschäftigte sich letzte Woche mit Overtourism in der Schweiz. Als Schauplätze wurden Lungern OW gewählt, der Titlis ob Engelberg OW oder die Stadt Luzern.

Begleitet wurde eine Reisegruppe aus Singapur. In Luzern wurden die volle Kapellbrücke, luxuriöse Uhrengeschäfte sowie das Verkehrschaos durch Reisecars am Schwanenplatz gezeigt.

Wenig glücklich mit dieser Darstellung ist die FDP der Stadt Luzern. «SRF zeigt ein undifferenziertes und überzeichnetes Bild unserer schönen Stadt», schreibt die Partei auf LinkedIn.

FDP Luzern: Doku ist «Verzerrung der Realität»

In einem Beitrag auf Nau.ch präzisiert die FDP Luzern: «Luzern gehört zu den schönsten Städten der Welt. Menschen aus aller Welt reisen an, um die Stadt am See zu erleben, und das ist gut so. Pauschal von ‹Overtourism› zu sprechen, ist eine Verzerrung der Realität.»

Noch deutlicher wird Benjamin Koch. Der Präsident des Wirtschaftsverbands der Stadt Luzern bezeichnet den Dok-Film in einem Kommentar auf LinkedIn als «skandalös einseitig».

David Roth
Kommt in der SRF-Doku prominent zu Wort: SP-Nationalrat David Roth. - keystone

Koch stösst sauer auf, dass SP-Nationalrat David Roth als zentrale Stimme auftritt. «Dessen kritische Haltung gegenüber touristischen Entwicklungen ist seit Jahren bekannt», sagt er im Gespräch mit Nau.ch.

Mehr noch: Roth und seine Partei hätten sich quergestellt gegen konkrete Entlastungslösungen wie das Parkhaus Musegg.

Hat es in der Schweiz zu viele Touristen?

Koch erklärt: « Dieses Parkhaus hätte Reisebusse und Verkehrsströme besser auffangen sowie die sensiblen Innenstadtbereiche deutlich entlasten können.»

Es sei in der SRF-Dok aber nicht mal erwähnt worden. Ganz generell seien «andere Sichtweisen oder politische Gegenpositionen» in der Dok kaum vorgekommen.

SRF sieht keine einseitige Berichterstattung

SRF weist den Vorwurf einer einseitigen Berichterstattung zurück.

«Im Film kommen unterschiedliche Perspektiven zum Thema Overtourism zu Wort, auch mit Blick auf die Situation in Luzern.» Das erklärt der Sender auf Anfrage von Nau.ch.

Die Ausgewogenheit ergebe sich aus der Gesamtschau der vertretenen Positionen.

Weiter betont SRF, man sei verpflichtet, sachgerecht zu informieren, «damit sich die Zuschauenden eine eigene Meinung bilden können».

Die Reportagen würden gemäss den publizistischen Leitlinien produziert und durchliefen einen definierten Prozess der publizistischen Qualitätssicherung.

Laut SRF fiel die Resonanz aus dem Publikum auf die Sendung «äusserst gering» aus. Es habe lediglich «zwei bis drei kritische Rückmeldungen» gegeben.

«Tausende Arbeitsplätze» hängen vom Tourismus ab

Koch hält dennoch an seiner Kritik fest. Besonders problematisch sei, dass laut ihm wichtige politische Zusammenhänge ausgeblendet worden seien.

«Dadurch entsteht der Eindruck, die Situation sei ausschliesslich Folge eines ‹zu grossen› Tourismus. Und nicht auch Resultat politischer Entscheidungen und blockierter Infrastrukturprojekte», sagt er.

Der Tourismus bringe zwar Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig sei er aber «ein zentraler wirtschaftlicher und kultureller Pfeiler» für Luzern. «Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt davon ab.»

Von einem öffentlich-rechtlichen Sender dürfe deshalb erwartet werden, dass komplexe Themen «ausgewogen und vollständig dargestellt werden. Und nicht primär emotionalisiert», so Koch.

Hotel Schweizerhof
Traditionshaus: Das Hotel Schweizerhof in Luzern. - keystone

Koch ist mit seiner Kritik an SRF nicht alleine. Auch Roman Omlin, Direktor des Hotels Schweizerhof Luzern, äussert in einem Leserbrief in der «Luzerner Zeitung» deutliche Kritik.

Omlin kritisiert insbesondere, dass die Doku ein veraltetes und zugespitztes Bild des Tourismus in Luzern zeichne. Zwar gebe es punktuelle Belastungen rund um den Schwanenplatz oder die Kapellbrücke.

Diese würden im Film aber zur generellen Überforderung einer ganzen Stadt hochstilisiert. Zudem seien viele der gezeigten Bilder während der Frauen-EM 2025 entstanden – also in einer aussergewöhnlichen Situation.

Vorwurf der «inszenierten Vorlage für politische Agenda»

Wie Koch kritisiert auch Omlin, dass ausgerechnet SP-Politiker David Roth prominent zu Wort komme, während Gegenpositionen kaum vertreten seien. Das verstärke den Eindruck einer einseitigen Darstellung.

Die Doku liefere damit weniger eine neutrale Einordnung, als vielmehr «eine sorgfältig inszenierte Vorlage für eine politische Agenda», schreibt Omlin.

10-Millionen-Schweiz
Die Diskussion im Zusammenhang mit Dichtestress ist auch bezüglich der SVP-Initiative über die 10-Millionen-Schweiz heikel. - keystone

Dichtestress in Luzern? Das lässt auch im Zusammenhang mit der 10-Millionen-Initiative der SVP aufhorchen. Inhaltlich hat diese zwar wenig mit dem Tourismus in Luzern zu tun.

Dennoch schreibt die FDP Stadt Luzern auf LinkedIn: Die SRF-Dok sende «in einer Zeit, in der wir politisch über Bevölkerungsgrenzen diskutieren», ein falsches Signal.

Jubelt denn jetzt die SVP über den Dok? Nein. Die SVP Stadt Luzern erklärt gegenüber Nau.ch, dass die Diskussion um Overtourism grundsätzlich nicht mit der 10-Millionen-Initiative vermischt werden dürfe.

Wie stimmst du zur 10-Millionen-Schweiz-Initiative?

«Die SVP Stadt Luzern befürwortet den Tourismusstandort Luzern ausdrücklich», schreibt die Partei in einer Stellungnahme.

Gleichzeitig sei klar, dass das starke Bevölkerungswachstum in der Schweiz insgesamt auf ein gesundes und verträgliches Mass begrenzt werden müsse.

Die SRF-Doku sorgt in Luzern also für hitzige Diskussionen. Klar ist: Die Frage, wie viel Tourismus Luzern verträgt, dürfte die Stadt noch länger beschäftigen.

Kommentare

User #1498 (nicht angemeldet)

Mein Ja steht.

User #1594 (nicht angemeldet)

Skandalös ist die dauernde Zensur!

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