Franken

Schweizer Milchbauern verdienen bis zu 2000 Franken im Monat weniger

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Bern,

Noch immer gibt es in der Schweiz zu viel Milch. Die Senkung des Milchpreises hat für die Bauern dramatische Konsequenzen.

Milchbauer
Schweizer Milchbauern stehen wegen der Preissenkung unter Druck. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweizer Kühe produzieren zu viel Milch – es kommt zu Überschüssen.
  • Um Überschüsse abbauen zu können, wurde der Milchpreis um vier Rappen gesenkt.
  • Das hat Folgen für die Milchbauern: Sie verdienen bis zu 2000 Franken weniger.

Die Schweiz hat seit Monaten zu viel Milch. Hauptgrund für die derzeitige Überproduktion ist das aussergewöhnlich gute Futter.

Weiter gibt es aufgrund des starken Frankens Schwierigkeiten im Export.

Ausserdem stiessen die Verarbeitungskapazitäten an ihre Grenzen: Die Anlagen für Butter und Milchpulver liefen über Wochen im Vollbetrieb. Notwendige Wartungen kamen teilweise zu kurz.

Die Folge: Tonnenweise Magermilch musste vernichtet werden. Nur das wertvolle Milchfett liess sich teilweise noch retten.

Milchpreis sinkt um vier Rappen pro Kilo

Die Branchenorganisation Milch hat Anfang Februar den Milchpreis gesenkt: Seit dem 1. Februar liegt der Richtpreis für sogenannte A-Milch um 4 Rappen pro Kilogramm tiefer. Er beträgt neu 78 Rappen pro Kilo.

Zu A-Milch gehört unter anderem Trinkmilch sowie Milch für Rahm, Butter, Joghurt und Käse. Für sie gelten besondere Schutzregeln.

Mit der Preissenkung soll Schweizer Milch auf dem Markt besser mit ausländischer Milch konkurrieren können. Durch die gestiegene Attraktivität soll der bestehende Überschuss reduziert werden.

Preissenkung «schmerzhaft»

Die Milchpreissenkung ist für Schweizer Milchbauern «schmerzhaft», wie Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, gegenüber Nau.ch sagt.

Konkret: «Bei ganz grossen Betrieben sind das bis zu 2000 Franken weniger Einkommen pro Monat.»

Auch André Bernet von den Zentralschweizer Milchprodukten bestätigt gegenüber Nau.ch einen Einkommensrückgang für Produzenten.

Milch
Nicht bei jedem Segment wird die Schweizer Milchwirtschaft gleich geschützt. - Branchenorganisation Milch

«Gleichzeitig steigen, aufgrund des Krieges im Iran, die Preise für Kraftstoffe, Dünger und auch für Kraftfutter. Das treibt die Kosten und verschärft die ganze Situation noch zusätzlich», sagt er.

Maurice Botta von der Genossenschaft «Mooh», ein Zusammenschluss von 3600 Milchproduzenten, ergänzt: «Der Wettbewerb zwischen den Produzenten nimmt zu. Es kommt zu Preisdruck, die Verschuldung steigt und langfristig verschwinden immer mehr Betriebe.»

Schweizer Detailhandel fördert Schweizer Milch

Für die Konsumentinnen und Konsumenten ist die Senkung hingegen positiv. Stefan Kohler von der Branchenorganisation Milch sagt: «Das bedeutet, dass auch in den Läden Schweizer Milchprodukte günstiger geworden sind.»

Um die Schweizer Milchwirtschaft zu unterstützen, rief die Branche auf, mehr Schweizer Milchprodukte zu konsumieren. Sie nahm sowohl den Detailhandel als auch die Konsumentinnen und Konsumenten in die Pflicht.

Trinkst du gerne Milch?

«Wir haben den Detailhandel dazu aufgerufen, Schweizer Milchprodukte vermehrt zu fördern», bestätigt Kohler. «Und wenn möglich Importprodukte mit einheimischen Produkten zu ersetzen.»

Man habe vom Detailhandel diesbezüglich positive Rückmeldungen erhalten. Zahlen liegen aber noch keine vor.

Die Importe von Milchprodukten wie Butter und Vollmilchpulver für den sogenannten Veredlungsverkehr standen besonders im Fokus der Kritik. Also Importe für die Verarbeitung in Nahrungsmitteln wie Schokolade, die wieder exportiert werden.

Schweizer Industrie überlegt Rückkehr zu Schweizer Rohstoffen

Der Zürcher SVP-Nationalrat Martin Haab – selbst ehemaliger Milchbauer – sagte etwa gegenüber Nau.ch: «Es darf nicht sein, dass trotz Milchüberschuss weiterhin ausländisches Milchpulver, Milch und Milchbestandteile importiert werden. Nur, weil vor Jahren Verträge gemacht wurden.»

Dazu hält Stefan Kohler von der Branchenorganisation Milch nun fest: «Wir spüren hier eine Verbesserung. Die wenigen Firmen, die dies noch gemacht haben, überlegen sich eine Rückkehr zu Schweizer Rohstoffen.»

Gleichzeitig ist die Milchkrise in der Schweiz noch nicht ausgestanden: «Aktuell nähert sich die Milchproduktion dem saisonalen Höhepunkt», sagt André Bernet von den Zentralschweizer Milchproduzenten.

«Entsprechend sind die Verarbeitungskapazitäten nach wie vor sehr stark ausgelastet.»

Hoffnung ist aber in Sicht: «Die Milchproduktion wird bald mit älterem Futter und beginnender Alpzeit zurückgehen und entsprechend für Entlastung sorgen.»

Kühe gehen auf die Alp – das sorgt für Entspannung

Auch der Milchverarbeiter Cremo mit Sitz im Kanton Freiburg bestätigt: «Aktuell liegt das Milchaufkommen weiterhin rund 5 bis 7 Prozent über dem Vorjahr. Hauptgründe dafür sind die sehr gute Grundfutterqualität sowie der Beginn der Weidesaison», sagt Cremo-Sprecher Alex Segovia zu Nau.ch.

Auch er sagt: «In der kommenden Woche erwarten wir den Höhepunkt der Milchanlieferungen.»

Dennoch gehen bereits die ersten Betriebe mit ihren Betrieben auf die Alp und stellen die Produktion auf Alpkäse um. Das entlastet die hiesige Milchindustrie. «Eine gewisse Entspannung ist somit absehbar», so Segovia.

Kommentare

User #2036 (nicht angemeldet)

Viele Leute haben keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und Arbeit. Das merkt man hier leider sehr.

User #2649 (nicht angemeldet)

Nicht-Bauern-Arbeitstätige verdienen weniger, wegen zu viel KI(ppen)ablöse.

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