Schweizer fühlen sich im Job immer gestresster

    Rowena Goebel
    Rowena Goebel

    Zürich,

    Immer mehr Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich gestresst. Der Anteil hat im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, zeigt eine neue Studie.

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    Schweizer Arbeitnehmende fühlen sich gestresster als im vergangenen Jahr. - pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Arbeitnehmenden in der Schweiz fühlen sich gestresster als noch im Vorjahr.
    • Vier Prozent mehr (34 Prozent) geben an, täglich gestresst zu sein als 2025 (30 Prozent).
    • Zudem haben sie nach wie vor ein spektakulär gleichgültiges Verhältnis zum Arbeitgeber.

    Deadlines, E-Mail-Fluten und Co. machen immer mehr Menschen in der Schweiz zu schaffen: Das Stresslevel der Arbeitnehmenden ist gestiegen.

    In einer neuen Arbeitnehmer-Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup geben 34 Prozent der Befragten an, täglich gestresst zu sein.

    Das sind vier Prozent mehr als noch im Vorjahr.

    Die Schweiz rückt damit näher an die Stresslevel anderer europäischer Länder heran: Im Durchschnitt geben in Europa 39 Prozent der Arbeitnehmenden an, gestresst zu sein.

    Und im Vergleich mit den deutschsprachigen Nachbarländern Deutschland und Österreich holen wir ebenfalls auf. In Deutschland geben inzwischen nur noch vier Prozent mehr an, gestresst zu sein, in Österreich sechs Prozent.

    Arbeit in der Schweiz ist intensiv

    Doch was steckt dahinter?

    Viele Faktoren spielen eine Rolle, sagt Diana Sonnenberg vom Institut Gallup zu Nau.ch.

    Es spreche aber vieles dafür, dass vier konkrete Umstände einen wichtigen Einfluss haben: «Hohe Arbeitsintensität, Zeit- und Leistungsdruck, und ein ungünstiges Verhältnis zwischen Anforderungen und Ressourcen.»

    Heisst: Vielen fehlen die Mittel – Knowhow oder finanzielle Ressourcen – um den Job so zu erledigen, wie es erwartet wird.

    Stresslevel «auf lange Sicht deutlich gesunken»

    Auch bei der allgemeinen Zufriedenheit ist das Fazit durchzogen. Hier schneidet die Schweiz im Europa-Vergleich sogar unterdurchschnittlich schlecht ab: 46 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz bewerten ihr aktuelles Leben und ihre Zukunft positiv.

    Der gesamteuropäische Durchschnitt liegt bei 49 Prozent.

    Der Lichtblick: Mit einem Stresslevel von 34 Prozent sind wir im europäischen Vergleich noch immer relativ gut bedient.

    Hast du einen stressigen Job?

    Sonnenberg erklärt das so: «Die Schweiz profitiert von einer robusten wirtschaftlichen Lage und einem insgesamt hohen Lebensstandard.»

    Auch politische und gesellschaftliche Verlässlichkeit könne dazu beitragen, dass Menschen ihr Umfeld als berechenbar wahrnehmen. «Im internationalen Vergleich gilt die Schweiz als sehr stabil und sicher», sagt die Expertin.

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    Gemäss Gallup-Studie fühlen sich Schweizer langfristig weniger gestresst. Studien aus der Schweiz widerlegen das. - pexels

    «Die aktuellen Daten zeigen, dass die Schweiz näher am Stresslevel von Deutschland und Österreich ist als früher», sagt Sonnenberg. In Deutschland liegt es bei 38 Prozent, in Österreich bei 40 Prozent.

    «Allerdings lag das Stresslevel in der Schweiz bei der ersten Erhebung 2010 bei 45 Prozent.» Damals lag es in Deutschland bei 49 Prozent, in Österreich bei 35 Prozent. «Auf lange Sicht ist es also deutlich gesunken.»

    Andere Studien zeigen keinen Stress-Rückgang

    2023 und 2024 habe das Stresslevel in der Schweiz mit 30 Prozent auf einem Tiefstand gelegen. «Jetzt ist der Anstieg zwar deutlich wahrnehmbar, ich würde ihn allerdings nicht als besorgniserregend bewerten», sagt Sonnenberg.

    Anders sieht es Florian Rudin, der Verantwortliche für Gesundheitsschutz bei der Gewerkschaft Unia. «Die Aussage, wonach das Stresslevel seit 2010 deutlich rückläufig war, können wir nicht nachvollziehen», sagt er zu Nau.ch.

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    Die Gewerkschaft Unia warnt: Stress im Job ist gesundheitsschädigend. - pexels

    Gemäss Schweizer Studien sei das Stresslevel der Arbeitnehmenden seit Jahren konstant hoch. 2024 teilte das Bundesamt für Statistik mit: Der Teil der Personen, die sich im Job gestresst fühlen, habe sich zwischen 2012 und 2022 um fünf Prozent erhöht.

    2012 waren es noch 18 Prozent, zehn Jahre später 23 Prozent. Damals hiess es, der Stress habe von allen Arbeitsbedingungen, die Risiken für die Gesundheit darstellten, am stärksten zugenommen.

    Der Trend bereitet Rudin Sorgen, wie er sagt. Denn: «Stress bei der Arbeit erhöht die Unfallgefahr und auf Dauer das Risiko, etwa von Burnout und Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Arbeitnehmenden.»

    «KI kann zusätzliche Stressbelastung sein»

    Auch Florian Rudin von der Unia betont, dass die «Arbeitsintensität in der Schweiz sehr hoch» sei.

    «Es gibt ein hohes Arbeitstempo und Zeitdruck. Viele Personen geben an, dass sie Arbeiten in der Freizeit erledigen, um Arbeitsanforderungen zu erfüllen.»

    Diese und weitere Faktoren würden bei den Arbeitnehmenden Stress auslösen, wenn der Ausgleich fehle. Auch neue Entwicklungen können eine Rolle spielen.

    «KI kann eine zusätzliche Stressbelastung sein, wenn sie zu einem höheren Arbeitstempo führt oder zur Überwachung der Arbeitnehmenden genutzt wird.»

    Wenig Bindung zur Firma fördert Stress

    Neben dem Stresslevel wurden in der Studie Arbeitnehmende auch zu ihrer Verbundenheit mit dem Arbeitgeber befragt. In der Schweiz gaben nur acht Prozent an, emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden zu sein.

    Innerhalb von Europa ist das der zweitletzte Platz – nur die Franzosen sind ihren Lohnzahlern gegenüber noch gleichgültiger.

    Fühlst du dich emotional an deinen Arbeitgeber gebunden?

    Das dürfte auch Auswirkungen auf den empfundenen Stress der Mitarbeitenden haben. Gute Führung führe zu einer hohen emotionalen Bindung an den Arbeitgeber, schreibt das Meinungsforschungsinstitut Gallup in einer Mitteilung.

    Und diese hohe emotionale Bindung wirke sich auf Faktoren wie Lebenszufriedenheit, Stress, Wut oder Traurigkeit aus.

    Das zeigen die Zahlen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich: «66 Prozent der Befragten mit einer hohen emotionalen Bindung sind zufrieden und zuversichtlich. Von denjenigen ohne emotionale Bindung sind es dagegen nur 36 Prozent.»

    Gewerkschaft fordert kürzere Arbeitszeiten

    Florian Rudin von der Gewerkschaft Unia fordert, dass sich in der Schweizer Arbeitswelt etwas ändert.

    Er betont: «Arbeitnehmende müssen bei der Arbeit besser vor Stressoren wie Zeitdruck, langen Arbeitszeiten und Konflikten geschützt werden.»

    Braucht es Massnahmen, um die Arbeitswelt weniger stressig zu gestalten?

    Zudem müsse man ihre Ressourcen stärken: Es braucht «kürzere Arbeitszeiten», fordert Rudin, «und es müssen Arbeitnehmenden genügend ungestörte Erholungsphasen ermöglicht werden».

    Zudem bräuchten die Mitarbeitenden bei der Arbeit mehr Handlungsspielraum.

    Und letztlich: «Das Arbeitsgesetz, das dem Schutz der Arbeitnehmenden dient, muss eingehalten und gestärkt werden.»

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    Kommentare

    User #6123 (nicht angemeldet)

    Es sind die "Bleistift-Terrorosten" von der HSG St. Gallen oder von anderen Oekonomie Terror-Zellen, die in der Wirtschaft sei Jahrzehnten v.a. für Bosse und Aktionäre arbeiten Mitarbeiter und Kunden sind unwichtig ! (siehe Fusion Baloise Helvetia reine Gewinnoptimierung für Aktionnnäre, Kunden und Mitarbeiter simnd die Dum,men !

    User #1197 (nicht angemeldet)

    Wir Selbständigen sollen immer mehr Papier ausfüllen für den Staat!!!! Steuerpapiere und immer mehr Zahlen dafür

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