Anti-Stress-Wundermittel Ashwagandha: Produkt ist eine «Blackbox»
Alle setzen auf Ashwagandha – doch hinter dem Hype steckt womöglich mehr Schein als Sein. Auch ist die Pille nicht ganz ungefährlich.

Das Wichtigste in Kürze
- Ashwagandha wird zur Trendkapsel: Die Nachfrage in Apotheken ist gestiegen.
- Versprochen werden etwa Stressabbau und innere Ruhe – ein Experte bezweifelt dies.
- Obschon pflanzlich, berge die Heilpflanze gesundheitliche Risiken.
Saras* Alltag ist stets vollgepackt. Die Tage sind lang und die Ereignisse überstürzen sich. Doch einem Ritual bleibt sie treu.
Die Studentin schwört auf ihr Ashwagandha zum Stressabbau. Die Packung empfiehlt eins bis zwei Tabletten täglich – wie jeden Morgen greift sie zu zwei. Und wie jeden Morgen denkt sie: «Heute habe ich die doppelte Dosis besonders nötig.»
Vielleicht findet sie heute ja endlich ihre innere Mitte, hofft sie. Und schluckt die zwei Kapseln mit etwas Wasser runter.
Uraltes Heilmittel wird zum Hype
Ashwagandha scheint momentan vielen auf der Zunge zu liegen.
Gegenüber Nau.ch bestätigt das Gesundheitsunternehmen Galenica: «In unseren Apotheken hat die Nachfrage nach Produkten mit dem Inhaltsstoff Ashwagandha in den letzten Monaten zugenommen.»
Doch was hat es mit der Trend-Pille auf sich? Ashwagandha, auch als Winterkirsche bekannt, gilt als Heilpflanze. Ihren jahrtausendalten Ursprung hat sie in der ayurvedischen Medizin, einem traditionellen indischen Heilsystem.
Mittlerweile hat sie jedoch auch den Sprung in die moderne Welt geschafft. Man findet die Kapseln in jeder Apotheke – und das ganz ohne Rezept. Als Hauptwirkungen gelten Stressreduktion, besserer Schlaf und optimierte mentale und physische Fitness.
Der spirituelle Beigeschmack und die Aussicht auf innere Ruhe klingen verlockend. So, wie es Werbung und Social-Media-Influencer eben versprechen. Genau das dürfte auch die erhöhte Nachfrage erklären.
Doch seine Wirkung ist umstritten.
David Fäh, Ernährungsprofessor an der Berner Fachhochschule, gegenüber Nau.ch: «Das Ganze scheint mehr getrieben von kommerziellen Interessen und Social Media, als durch eine solide wissenschaftliche Basis.»
Was die versprochene Wirkung angeht, liesse sich «mit den bisherigen Studienresultaten nicht beurteilen, ob Ashwagandha besser wirkt als Placebo».
Also eher Wunschdenken als Wunderwurzel? Fäh sieht das Produkt kritisch.
Pflanzlich gleich gesund – so die gängige Vorstellung. Anders als bei einem Medikament handle es sich bei Ashwagandha jedoch um eine «Blackbox», so Fäh. Da dürfte wohl auch das Lesen der Verpackungsbeilage nichts bringen.
Denn wie so oft bei pflanzlichen Präparaten bleibt die Konzentration der Inhaltsstoffe ungewiss.
Pflanzlich – aber nicht harmlos
Es könne etwa zu Überreaktionen des Körpers kommen. Die Liste dazu ist lang – und nicht ohne. Fäh nennt als potenzielle Folgen sowohl Magen-Darm- wie auch diverse Hautreaktionen.
Doch dabei bleibt es nicht: «Auch Leberentzündungen und andere Schäden des Organs sowie ein negativer Einfluss auf Hormondrüsen wie der Schilddrüse lassen sich nicht ausschliessen.»
Die wissenschaftliche Lage bleibt schwammig. Trotzdem bleibt Ashwagandha für viele ein bewährter Hoffnungsträger gegen Stress. Auch Sara* dürfte morgen wohl wieder zu ihren Kapseln greifen.
*Name von der Redaktion geändert.



















