Schweizer Beamte schnüffeln privat Verwandten und Promis nach
Schweizer Behördenmitarbeitende nutzen Europas grösste Sicherheitsdatenbank teils für private Zwecke. Es sind keine Einzelfälle.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Schengener Informationssystem (SIS) sind Millionen Datensätze gespeichert.
- Teils wird die Datenbank für private Recherchen missbraucht.
- Datenschutzbeauftragte fordern Kontrollen und Schulungen.
- Riesige Datensätze sind laut einem Experten anfällig für Voyeurismus.
Fingerabdrücke, Adressen, DNA-Profile: Unsere hochsensiblen Datensätze sind im Schengener Informationssystem (SIS) gespeichert.
Mitarbeitende von Behörden nutzen das System bis zu 50'000 mal täglich. Zugriff haben nicht nur Polizei und Justiz, sondern auch Migrations- und Strassenverkehrsämter.
Jetzt wird bekannt: Die Datenbank wird teils für private Zwecke missbraucht. Kontrollen deckten diese Verstösse auf.
Datenschützerin entdeckt Missbrauch in Zürich
Die Zürcher Datenschutzbeauftragte Dominika Blonski deckte 2024 bei einer Stichprobe grosse Probleme auf. «Dabei wurde festgestellt, dass Mitarbeitende aus Neugier auch Prominente oder Verwandte abgefragt haben», erklärt Blonski dem «Blick». Wo genau das passiert, sagte sie nicht.

Die Aargauer Datenschutzbeauftragte Katrin Gisler stellte ebenfalls einen unrechtmässigen Zugriff fest. Gisler spricht von einer «Vielzahl an Kontrollen», die nötig seien. «Dabei fällt auf, dass Unterschiede bei den einzelnen Regionalpolizeien erkennbar sind», erklärt sie.
Zivilangestellte brauchen bessere Schulung
Einheitliche Schulungen könnten Abhilfe schaffen. «Polizistinnen und Polizisten müssen regelmässig sensibilisiert werden, damit Abfragen nicht zur Gewohnheit werden», so Gisler.
Bei Zivilangestellten sieht sie allerdings den grössten Handlungsbedarf. «Diese Personen haben nie eine Polizeischule besucht», erklärt die Datenschützerin. Deshalb fehle diesen teils die passende Ausbildung.
Die Probleme sind aber nicht nur kantonal – auch auf Bundesebene gibts unberechtigte Abfragen. Beim Grenzwachtkorps wurde 2024 ein unrechtmässiger Zugriff auf die Visa-Datenbank festgestellt.
Bundesamt reagiert auf Missbrauchsfall
Der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Adrian Lobsiger forderte deshalb Anpassungen beim Berechtigungsmanagement. Eigenkontrollen sollen durchgeführt werden. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit arbeitete den Fall intern auf.
Ein Datenschützer, der anonym bleiben will, erklärt das Problem so: «Solche riesigen Datenschätze sind anfällig für Voyeurismus.»















