Schweiz verfehlt Bildungsziel immer mehr
Die Abschlussquote auf Sekundarstufe II ist leicht gesunken. Es gibt strukturelle Herausforderungen und grosse regionale Unterschiede.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Abschlussquote auf Stufe Matur und Lehre hat sich nicht verbessert.
- Es gibt Handlungsbedarf bei Studienabbrüchen.
- In der Westschweiz ist die Berufsbildung weniger attraktiv.
Auf Sekundarstufe II – also beispielsweise Maturität oder Lehrabschluss – sinkt in der Schweiz die Abschlussquote leicht. Aktuell haben noch 90,1 Prozent der 25-Jährigen einen solchen Abschluss.
Vor zehn Jahren, 2016, haben 91,5 Prozent aller 25-Jährigen einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erreicht. Das teilten der Bund und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) am Montag mit. Das heisse aber auch, dass die Quote auf einem seit Jahren stabil hohen Niveau verbleibe.
Das sei mit Blick auf die Arbeitsmarktfähigkeit der 25-Jährigen wichtig. Unter dem Titel Sekundarstufe II werden in der Schweiz nachobligatorische Bildungsgänge wie gymnasiale Maturitätsschulen, Fachmittelschulen und berufsbildende Ausbildungsgänge zusammengefasst.
Damit verfehlt die Schweiz ihr Bildungsziel zunehmend. Eigentlich peilt sie eine Abschlussquote von 95 Prozent an.
Berufsbildung ist zu wenig attraktiv
Seit dem Jahr 2010 erarbeitet die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) alle vier Jahre einen Bildungsbericht Schweiz. Sie tut dies im Auftrag des Bundes und der EDK.
Der neuste Bericht wurde am Montag in Bern Bundespräsident Guy Parmelin und dem Walliser Staatsrat Christophe Darbellay übergeben.
Parmelin ist Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Darbellay präsidiert derzeit die EDK.
An der Medienkonferenz erklärte Darbellay die sinkende Abschlussquote mit der in der Westschweiz als zu wenig attraktiv geltenden Berufsbildung.
In den Westschweizer Kantonen betrage die Quote zwischen 85 und 92 Prozent, in der Deutschschweiz zwischen 92 und 96 Prozent.
Es gibt grosse regionale Unterschiede
Der unterschiedliche Wert der Berufsbildung zeige sich in seinem Heimatkanton Wallis, sagte Darbellay weiter.
Im französischsprachigen Monthey erreiche die Quote der 25-Jährigen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II 82 Prozent. In Visp im Oberwallis waren es hingegen 98 Prozent. Dort sei die Berufsbildung stark.
«Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Eltern verstehen, dass die Berufsbildung unter Umständen der bessere Weg ist.» Das sagte Bundespräsident Parmelin.
Die Studienabbrüche sind ein Problem
Noch nicht zufrieden sind Bund und Kantone auch mit der Zahl der Studienabbrüche: «Aktuell verharrt die Quote auf konstant hohem Niveau», schreiben sie.
«Rund 24 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger erreichen bis acht Jahre nach Beginn keinen Bachelorabschluss an einer universitären Hochschule.»
In einer ersten Einschätzung des neuen Bildungsberichts betonten Parmelin und Darbellay, dass die gemeinsamen bildungspolitischen Ziele langfristig angelegt seien.
Ob zusätzliche Massnahmen oder neue Zielsetzungen erforderlich sind, soll nun auf Grundlage des neuen Berichts geprüft werden.
Der Bericht ist rund 400 Seiten stark und bündelt das aktuelle Wissen zum Schweizer Bildungssystem über alle Bildungsstufen hinweg. Bund und Kantone tragen gemäss Bundesverfassung gemeinsam die Verantwortung für den Bildungsraum Schweiz.












