Schon in der zweiten Klasse entsteht ein sozialer Graben
Landesweite Studie enthüllt: Schon in der 2. Klasse haben Kinder aus weniger privilegierten Familien deutlich mehr Mühe beim Lesen und Rechnen.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine neue Studie zeigt: Die soziale Herkunft beeinflusst Schulleistungen stark.
- Eine Frühförderung vor Schulbeginn ist entscheidend für die Chancengleichheit.
- Mädchen und Jungen starten in der Schule mit den gleichen Voraussetzungen.
Die Universität Bern hat im Auftrag der Kantone eine landesweite Studie zu Schulkompetenzen veröffentlicht. Getestet wurden Kinder der zweiten Klasse.
Die Schülerinnen und Schüler wurden in drei Bereichen geprüft: Hörverständnis, Lesen und Mathematik.
Am besten schnitten sie beim Hörverständnis ab: 87 Prozent erreichten die vorgegebenen Ziele. Beim Lesen waren es rund 79 Prozent, während Mathematik den Zweitklässlern mit 76 Prozent am meisten Mühe bereitete.
Was am Studienergebnis jedoch besonders auffällt: Die Unterschiede zwischen Kindern aus sozial benachteiligten Familien und jenen aus privilegierten Verhältnissen.
Kinder aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Haushalten erreichen die Grundkompetenzen deutlich seltener. Dieses Muster zeigt sich sowohl beim Lesen als auch beim Rechnen.
Studienleiterin Andrea Erzinger betont die Bedeutung dieser Ergebnisse. Früh erkennbare Defizite könnten sich im weiteren Bildungsweg verstärken, warnte sie gegenüber «SRF». Deshalb sei es entscheidend, bereits bei kleinen Kindern genau hinzuschauen und frühzeitig zu handeln.
Frühförderung muss vor der Schulzeit beginnen
Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer fordert deshalb mehr Unterstützung für sozial benachteiligte Familien. Und zwar bereits vor dem Schuleintritt. Nur so lasse sich die Chancengleichheit für alle Kinder sicherstellen.
Erzinger teilt diese Einschätzung. Frühförderung in der Schulsprache sei für benachteiligte Kinder sinnvoll. Gleichzeitig warnt sie jedoch davor, die Mathematik zu vernachlässigen.
Gerade dieses Resultat habe sie überrascht: Bereits in der zweiten Klasse zeige sich ein deutlicher Leistungsunterschied zwischen verschiedenen sozialen Gruppen.
Die frühe Erhebung sei deshalb besonders wertvoll, so Erzinger. «Wir brauchen Anhaltspunkte auch in diesem jungen Alter: Was ist bereits angelegt, und was muss schon in der frühkindlichen Bildung angegangen werden?»
Mädchen und Jungen starten auf Augenhöhe
Eine positive Erkenntnis liefert die Studie ebenfalls: Zwischen Mädchen und Jungen zeigen sich bei den Grundkompetenzen keine Unterschiede. Beide Geschlechter bringen laut der Untersuchung gleiche Voraussetzungen mit.
Zudem hätten Kinder in diesem Alter offenbar noch keine festen Vorstellungen davon, was angeblich «typisch» für Mädchen oder Jungen sei.

«Offenbar wurde ihnen das in der frühkindlichen Bildung nicht beigebracht – das finde ich sehr schön», sagt Erzinger zu «SRF». Zumindest in diesem Bereich und in dieser Altersgruppe sei die Chancengleichheit gegeben.
20'000 Kinder getestet
Für die Studie wurden im Jahr 2024 rund 20’000 Schülerinnen und Schüler an rund 1150 Schulen getestet. Die Untersuchung wurde bereits zum vierten Mal innerhalb von 15 Jahren durchgeführt.
Erstmals wurden dabei auch Kinder der zweiten Klasse einbezogen. Bislang standen vor allem ältere Schülerinnen und Schüler im Fokus.
















