SBB baut Sicherheitspersonal in Thurbo-Nachtzügen im Thurgau ab
Die Transportpolizei der SBB spart beim Sicherheitspersonal. In Nacht-S-Bahnen der Regionalbahn Thurbo wird der Einsatz halbiert.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Thurgauer Regionalbahn Thurbo wird das Sicherheitsdispositiv zurückgeschraubt.
- Die SBB-Transportpolizei wird nur noch in der Hälfte der Nacht-S-Bahnen anwesend sein.
- Grund dafür ist der Spardruck der Transportpolizei. Thurbo-Angestellte sind verärgert.
Die SBB-Transportpolizei reduziert ihre Präsenz in den Nacht-S-Bahnen der Thurgauer Regionalbahn Thurbo.
Bisher begleitete Sicherheitspersonal neun von zehn Nacht-S-Bahnen. Nun ist dieser Anteil auf etwa die Hälfte gesunken, schreibt das «St. Galler Tagblatt» (Bezahlartikel).
Eine interne Mitteilung von Thurbo, die der Zeitung vorliegt, bestätigt die Veränderungen: «Aufgrund von grossem Spardruck bei der Transportpolizei werden die Nacht-S-Bahnen derzeit nicht mehr flächendeckend zu 100 Prozent von Sicherheitspersonal begleitet.»
Die Folge: Die Kundenbegleiter sind verunsichert, da sie regelmässig aggressive Passagiere antreffen.
Die Thurbo-Chefetage interveniert
Thurbo hat keine Freude an der Entwicklung. Die Chefetage hat bei der Transportpolizei interveniert, wie Sprecher Christian Baumgartner der Zeitung sagt. Das Unternehmen fordert eine Rückkehr zur bisherigen Praxis.
«Wir sind mit der Entwicklung nicht einverstanden», erklärt Baumgartner. Die Sicherheitsbegleitungen hätten einen wichtigen präventiven Charakter. Sie stärken das Sicherheitsgefühl der Reisenden und des Personals.
Die Intervention zeigt erste Erfolge. Bereits am kommenden Wochenende will die Transportpolizei wieder mehr Sicherheitsbegleiter einsetzen. Thurbo sieht das als Schritt in die richtige Richtung.
SBB rechtfertigt gezielten Ressourceneinsatz
Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, verteidigt die neue Strategie auf Anfrage von Nau.ch. «Die SBB-Transportpolizei muss ihre Mittel gezielt dort einsetzen, wo sie am meisten Wirkung erzielen», sagt er.
Die Sicherheit habe oberste Priorität.
Die Transportpolizei der SBB analysiere schweizweit permanent die Lage im Bahnumfeld. Zu Details äussert sich die Transportpolizei aus polizeitaktischen Gründen nicht.
Thurbo-Mitarbeiter: So bleibt bei aggressiven Passagieren nur noch Rückzug
«Die Arbeit wird gefährlicher für uns», zitiert die Zeitung eine Thurbo-interne Quelle.
Ein Thurbo-Angestellter schildert die Auswirkungen der Sparmassnahme gegenüber der St. Galler Zeitung. «Dann können sie ihre Arbeit nicht mehr richtig machen», sagt er über die Kontrolleure.
Bei aggressiven Passagieren ohne Ticket bleibe nur noch der Rückzug.
Die Transportpolizei und Thurbo stehen laut Schärli in engem Austausch, um die gute Sicherheitslage auf Thurbo-Zügen auch in Zukunft sicherzustellen.
Zusätzliche Sicherheitsbegleitungen seien bereits für das kommende Wochenende im Einsatz.
Und Thurbo selbst relativiert auf Anfrage von Nau.ch: «Thurbo hat durchschnittlich weniger als eine Aggression verbaler und/oder physischer Art – pro Monat», sagt Sprecher Christian Baumgartner.
«Damit ist die Anzahl an Tätlichkeiten oder Drohungen glücklicherweise auf einem tiefen Niveau. Das bei täglich rund 96'000 Reisenden.»
Das Verkehrsunternehmen habe2025 gar einen Rückgang von Aggressionen verzeichnet.
In Zürcher Nachtzügen keine Sparmassnahmen beim Sicherheitspersonal geplant
In Zürich sind in der Nacht S-Bahnen des Zürcher Verkehrsverbunds ZVV mit Begleitung der Transportpolizei unterwegs. Dort sind aber keine Sparmassnahmen geplant.
«Im ZVV sind grundsätzlich keine Anpassungen in der Zusammenarbeit mit der Transportpolizei der SBB vorgesehen», so der ZVV auf Anfrage.

















