«Rückgratlose Regierung»: SP-Co-Chef entschuldigt sich bei der Welt
Cédric Wermuth, Co-Chef der SP, schämt sich für die Schweizer Regierung. Auslöser ist das Treffen am WEF mit Donald Trump. Ein SVP-Nationalrat widerspricht.

Das Wichtigste in Kürze
- Bundespräsident Guy Parmelin rühmte US-Präsident Donald Trump am WEF in Davos.
- SP-Co-Chef Cédric Wermuth bittet die Welt um «tiefste Entschuldigung».
- SVP-Nationalrat Ronald Rino Büchel hingegen schwärmt von Guy Parmelins Umgang.
US-Präsident Donald Trump trumpft am World Economic Forum (WEF) mit einer Rede voller Selbstlob auf. Er rühmt sich, für wirtschaftliches Wachstum in den USA gesorgt zu haben. Auch will er «acht Kriege» beendet haben.
Spöttisch äussert er sich über FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Zusammenhang mit den Zollverhandlungen.
«Ich weiss nicht, ob es einen Präsidenten gibt. Eine Premierministerin», sagt er über sie. Mit ihren Argumenten gegen den Zollsatz von 30 Prozent habe sie ihn verärgert. «Sie war sehr aggressiv», behauptet er.
«Ohne Sie ist Davos nicht wirklich Davos»
Bundespräsident Guy Parmelin hingegen kommt bei der US-Regierung gut weg. Als ihn Finanzminister Scott Bessent aber als «guten Vertreter für Frankreich» lobt, folgt schon die nächste Klatsche.
Trotzdem findet der SVP-Bundesrat gegenüber Donald Trump nur feierliche Worte. «Ohne Sie ist Davos nicht wirklich Davos», sagt er zum US-Präsidenten nach einem Treffen mit ihm.
Am Mittwochabend platzt SP-Co-Präsident Cédric Wermuth dann der Kragen.
«Noch mehr nachgegeben»
«Liebe Welt, bitte akzeptiere unsere tiefste Entschuldigung für unsere rückgratlose Regierung», schreibt er auf Instagram. «Wir sind noch beschämter, als du es möglicherweise sein könntest, und es tut uns zutiefst leid.»
Direkt nach Trumps «verrückter Rede» hätten Politiker wie Emmanuel Macron, Ursula von der Leyen und Mark Carney klare Worte gefunden. «Unsere Regierung hat dagegen noch mehr nachgegeben.»
Die Welt soll laut Wermuth wissen, dass dies nicht die Schweiz oder deren Bevölkerung repräsentiert. «Wir haben keine Könige in der Schweiz oder Davos und wir wollen sie hier auch nicht haben.»
«Aus Juso-Windeln herauswachsen»
Der SP-Co-Präsident war am Donnerstag für weitere Auskünfte nicht erreichbar.
SVP-Nationalrat und Aussenpolitiker Roland Rino Büchel wehrt sich vehement gegen den Vorwurf fehlenden Rückgrats.
Vielmehr mangle es Cédric Wermuth an Stil und Benehmen, sagt er zu Nau.ch.
«Sein ‹Fuck you, Mr. Trump!› war ja nicht wirklich Weltklasse.»
Einen entsprechenden Post setzte Wermuth 2025 nach einem Eklat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ab.
Büchel fordert vom ehemaligen Juso-Präsidenten: «Irgendwann muss man aus den Juso-Windeln herauswachsen.»
«Als ‹dumme Siech› bezeichnen sollen?»
Vom Auftritt Guy Parmelins gegenüber dem US-Präsidenten kann der Aussenpolitiker nur schwärmen. Parmelin sei «grandios» vorgegangen.
«Er findet immer die richtige Dosis zwischen Klarheit und Diplomatie.» Nettigkeiten gehörten zum diplomatischen Umgang – auch mit Donald Trump.
Büchel fragt sich, welches Rückgrat die Schweizer Regierung hätte zeigen sollen. «Hätte Guy Parmelin Trump als ‹dumme Siech› bezeichnen sollen?», fragt er.
Ein solcher Umgang führe sicher nicht zum Ziel, sagt Büchel. «Das bedeutet nicht, dass man höfeln muss.» Wichtig sei, dass die Schweizer Regierung bei den Verhandlungen mit den USA klar und bei den Fakten bleibe. «Wenn wir die richtigen Resultate erreichen und Trump dabei das Gefühl hat, der Grösste zu sein: Wo ist das Problem?»

















