Roman «Den Berg auf der Zunge» erzählt vom Dazwischen

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Bern,

In ihrem ersten Roman schaut Janica Irina Madjar hinter die Postkartenidylle des Touristenorts Wengen. «Den Berg auf der Zunge» ist ein vielschichtiger Text über «Wir» und die «Anderen», über immer extremere Wetterverhältnisse, sowie über Ängste und Erinnerungen.

Die Autorin Janica Irina Madjar fühlt sich wohl im Dazwischen. Das zeigt sie in ihrem ersten Roman «Den Berg auf der Zunge». Vielschichtig schaut sie darin hinter die Kulissen von Weng...
Die Autorin Janica Irina Madjar fühlt sich wohl im Dazwischen. Das zeigt sie in ihrem ersten Roman «Den Berg auf der Zunge». Vielschichtig schaut sie darin hinter die Kulissen von Weng... - Keystone/ANTHONY ANEX

Das Dorf, in dem die Ich-Erzählerin aufgewachsen ist, liege «am Ende der Welt». Die Autorin Janica Irina Madjar erzählt auch gleich mit, dass das Lauterbrunnental ursprünglich vom Wallis her besiedelt wurde, als das Leben im Lötschental bedroht war durch Lawinen aus Stein oder Schnee. Heute ist Wengen als Ferienort und für die Lauberhornrennen bekannt sowie für die Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Sie selbst ist da weggezogen und «habe das Dorfkind in eine funkelnde Stadtperson umgewandelt». Jetzt kehrt sie zurück, weil die Mutter in Namibia Ferien machen will und sie den Hund hüten soll.

Mit dem Hund spaziert die Ich-Erzählerin durch das Dorf ihrer Kindheit, wo Zürcher Investoren ein neues Grand Hotel errichten und bald eine neue Gondelbahn eingeweiht wird. Zwischen diesen Baustellen sucht sie nach schönen Erinnerungen. Doch darüber liegt stapelweise schmerzvoller Ballast: Ihr Vater war zwar der Pfarrer im Dorf, doch «eigentlich wollte niemand in den Neunzigerjahren einen Pfarrer aus Jugoslawien einstellen». Sie fühlt sich fremd und möchte nicht, dass jemand denkt, sie würde hier nicht hingehören.

Feste Vorstellungen wanken

Einer, der weiss, dass sie nach Wengen gehört, ist Luc. Mit ihm verbindet sie der Verlust der Väter, doch sie ist misstrauisch, denn er habe ihr früher «böse Augen» gemacht. «Ich wollte bloss, dass du weisst, dass es keine Absicht war», meint er irgendwann. Und dann gibt es noch Margrit, die in einem Geisterhaus wohnt und Gold und Bergkristalle sucht. Beide Figuren sorgen dafür, dass feste Vorstellungen durcheinandergeraten.

Und auch der Klimawandel bringt in den Bergen Gewissheiten ins Wanken, oder wie es eine Hüttenwartin einmal formuliert: «Der Permafrost schmilzt, dabei ist er die alles zusammenhaltende Masse. Er ist der Zement der Gipfel.» Derweilen donnert ein Helikopter unermüdlich über das Dorf hinweg, weil Grindelwald gerade von der Aussenwelt abgeschnitten sei. Auch der Bruder ist dort am Helfen.

Madjar lässt ihre Erzählerin aus einem Dazwischen von Stadt und Land, von «Wir» und «die Anderen», von Beständigkeit und Wandel über die Gegenwart erzählen. Sie schaut genau hin – ohne Berührungsängste und ohne zu schubladisieren.*

*Dieser Text von Philine Erni, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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