Tinder

Amy hätte «fast einen Vergewaltiger geheiratet»

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Grossbritannien,

Mehr als ein Jahr lang wurde Amy von ihrem Verlobten vergewaltigt und missbraucht. Nur dank ihrer Familie konnte der Täter festgenommen werden.

amy missbrauch
Die Britin Amy wurde monatelang von ihrem Verlobten missbraucht. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Amy wurde von ihrem Verlobten monatelang missbraucht und vergewaltigt.
  • Sie selbst hatte die Kraft nicht, um ihn zu melden. Ihre Familie meldete ihn aber bei der Polizei.
  • Und so wurde der Täter bloss vier Wochen vor der geplanten Hochzeit festgenommen.

Nur dank der Hilfe ihrer Familie heiratete die Schottin Amy nicht den Mann, der sie jahrelang missbrauchte und vergewaltigte. Gegenüber «BBC» erzählt sie ihre Geschichte.

Alles begann im August 2023: Amy matchte mit Christopher M. auf Tinder, es kam zum ersten Date. Er sei «liebenswürdig und lustig» gewesen.

Schnell entwickelte sich eine ernste Beziehung: Nach wenigen Monaten lebten sie zusammen, noch vor Weihnachten verlobten sie sich.

«Wenn wir glücklich waren, war er mein bester Freund», erzählt Amy. Er habe gewusst, was sie denke. «Es war schön, aber auch beängstigend.»

Doch das Paar war nicht immer glücklich. Schnell begann Christopher, seine Verlobte zu kontrollieren und zu isolieren. Sie musste Instagram und Facebook löschen, durfte nicht im Haus mit ihrer Familie telefonieren. Er versteckte ihr Handy oder nahm es ihr gewaltsam weg.

Auch auf ihrer Arbeit tauchte er mehrmals unangekündigt auf. Er forderte sie auf, dass sie sofort nach Hause komme, andernfalls würde er einen Aufstand machen.

Amy erzählt, sie habe das Gefühl gehabt, dass sie einen Teil von sich selbst verliert, da sie die Arbeit liebte. Dennoch ging sie jeweils nach Hause. Denn sie wusste, sollte sie ihm nicht gehorchen, würde eine «schreckliche Nacht» auf sie warten.

«Es war eine Foltermethode»

Denn Christopher war ihr gegenüber gewalttätig, zu Beginn nur sporadisch, gegen Ende der Beziehung fast jedes zweite Wochenende. Mehrere Male schlug er sie «grün und blau».

Einmal brach er ihr das Handgelenk und liess sie nicht zum Arzt gehen. Deswegen ist es ihr bis heute unmöglich, ein Buch in dieser Hand zu halten.

Tinder
Amy traf ihren gewalttätigen Verlobten auf Tinder. - Keystone

Während eines dreitägigen Ausrasters zerstörte er sogar das Sofa mit einem Messer. Er drohte auch, sich umzubringen.

Mehrere Male vergewaltigte er sie auch.

Seine Attacken kündigte er an, wie Amy erzählt: So liess er an einigen Tagen frühmorgens laute Heavy-Metal-Musik laufen. Amy wusste, was dann am Abend folgte. «Es war eine Foltermethode.»

Ihre Familie machte Amy mehrmals deutlich, dass Christopher keine gute Person sei. Die Entscheidung, ob sie ihn verlassen soll oder nicht, überliess sie ihr. Und Freunde und Familie distanzierten sich nicht von ihr.

Amy fühlte sich nicht sicher, ihn zu verlassen

Amy erzählt, dass sie nicht in einer Position gewesen sei, um ihn zu verlassen. Die Beziehung fortzusetzen, sei ein Weg gewesen, um die Gewalt zumindest zwischenzeitlich zu stoppen. Sie habe sich nicht sicher gefühlt, ihren Verlobten bei der Polizei zu melden.

Das taten dafür vier Personen aus ihrem Umfeld unabhängig voneinander. Christopher wurde kurzzeitig in Gewahrsam genommen, gegen Zahlung einer Kaution wieder freigelassen. Doch die Polizei sammelte weitere Beweise und nahm ihn im September 2024 erneut fest.

Vier Wochen später wäre die Hochzeit geplant gewesen. Amy sagt, sie hätte «fast ihren Vergewaltiger geheiratet».

Polizei: «… sonst finden wir dich tot im Strassengraben»

Die Beamten drängten Amy dazu, eine Aussage zu machen. Sie sagten: «Wenn du nicht aussagst, werden wir dich wohl bald tot in einem Strassengraben finden.»

«Das traf mich stark», sagt Amy. Sie habe gewusst, dass es möglich sei, dass er sie töten werde. Doch niemand habe es ihr je so deutlich gesagt.

Nach ihrer Aussage musste sich Christopher vor Gericht verantworten. Er wurde wegen Verbrechen gegen insgesamt vier Frauen verurteilt. Der älteste Fall lag im Jahr 2008 – da war der Täter noch ein Teenager.

Christopher wurde zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt, hat dagegen aber Berufung eingelegt.

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