Roger Köppel: Sein Auftritt bei Putin sorgt für heftige Kritik
Roger Köppel hat Wladimir Putin in Moskau Fragen gestellt und Russland gelobt. Dafür erntet der «Weltwoche»-Chef nun heftige Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Roger Köppel stellt Wladimir Putin an der Waldai-Konferenz in Moskau einige Fragen.
- Kritiker werfen dem «Weltwoche»-Chef nun einmal mehr fehlende journalistische Distanz.
- Köppel verteidigt sich: Man müsse alle Seiten verstehen, um den Krieg zu beenden.
Roger Köppel war wieder einmal in Moskau. An der Waldai-Konferenz hat der «Weltwoche»-Chef offenbar auch einmal mehr mit Russlands Präsident Wladimir Putin gesprochen. Darüber berichtet die «SonntagsZeitung».
In einem Saal voller Fachleute, Medienschaffender und Diplomaten begann er seinen minutenlangen Austausch wie folgt: «Grüezi, Herr Präsident, ich bin Roger Köppel aus der Schweiz, Eigentümer und Herausgeber der ‹Weltwoche›, der neutralsten Zeitung der Schweiz.»
Dann stellte Roger Köppel seine Fragen. Er wollte wissen, was Putin von der Schweiz halte und welche Ratschläge er für kleine Länder habe, um gegen Grossmächte zu bestehen. Zudem fragte er, warum Putin ausgerechnet Nestlé bestraft habe, obwohl der Konzern trotz westlicher Kritik in Russland geblieben sei.
Seine erste Wortmeldung schloss er mit einem Dank: «Vielen Dank an Russland, Sie haben 1815 auf dem Wiener Kongress einen grossen Beitrag zur Etablierung der Neutralität in der Schweiz geleistet.»
Putin: «Wir haben niemanden bestraft»
Zu Nestlé sagte Putin: «Wir haben niemanden bestraft, sondern reagieren einfach auf die Massnahmen, die gegen uns ergriffen wurden.» Weiter meinte Putin, dass die Schweiz mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses ihren Status verloren und über Nacht weniger attraktiv geworden sei.
«Herr Putin, warum bestrafen Sie das grossartige Schweizer Unternehmen Nestlé?»: Längerer Wortwechsel zwischen Weltwoche-Chef Köppel und dem russischen Präsidenten an der Valdai-Konferenz in Moskau. @KoeppelRoger pic.twitter.com/HG0ShdpTfJ
— Die Weltwoche (@Weltwoche) October 2, 2026
Zur Neutralität sagte er: «Natürlich begrüssen wir Neutralität, aber wenn dem so ist, sollte die Schweiz völlig abseits aller Sanktionen gegen Russland stehen.» Sein Appell an die Schweiz: «Kämpft für eure Souveränität, Unabhängigkeit und echte Neutralität.»
Kritik an der «Weltwoche»
Roger Köppel war schon 2024 an der jährlich stattfindenden Waldai-Konferenz und wurde damals ebenfalls für seine fehlende journalistische Distanz kritisiert. Kritiker nennen ihn seit Jahren einen Putin-Versteher, der die ukrainische Seite weniger zu Wort kommen lasse und Verstösse des Kremls gegen das Völkerrecht verharmlose.
Auch der jüngste Auftritt kommt bei vielen entsprechend schlecht an. Auf X fragte etwa Viktor Giacobbo, warum Köppel Putin nicht auf die verhafteten Journalisten und die verbotene Opposition angesprochen habe.

Thomas Meyer, Brüssel-Korrespondent des «Standard», teilte das Video der «Weltwoche» auf seinem X-Account und schreibt dazu: «Sehenswert, wie der Schweizer Publizist Roger Köppel Putin politisch in den Arsch kriecht. Er wirkt dabei auch sehr glücklich.»
Köppel weist die Vorwürfe zurück, von den Russen als Werkzeug genutzt zu werden. Man solle sich als Journalist dieser Gefahr bewusst sein, schreibt er der «SonntagsZeitung» demnach per Whatsapp. Gerade im Krieg betrieben alle Seiten Propaganda. Und: Er habe sich auch schon oft kritisch über Putins Politik geäussert, auch vor Ort.
Roger Köppel: «Verstehen und Verzeihen sind zweierlei»
Zu seinem Auftritt in Moskau schreibt er, er finde es relevant, was der Präsident Russlands über die Schweiz denke und was er sage, wenn ihn ein Schweizer wegen Nestlé öffentlich kritisiere.
Zum Vorwurf, er nenne die «Weltwoche» die «neutralste Zeitung» und zeige trotzdem Verständnis für Putin, schreibt er: «Sie haben recht, dass Russland unter Verletzung des Völkerrechts die Ukraine angegriffen hat. Das ist zu verurteilen, aber das ist nicht der Beginn und auch nicht die Ursache dieses Krieges.»

Köppel findet, man müsse alle Seiten verstehen, um den Krieg zu beenden. Und wo endet sein Verständnis? «Verstehen und Verzeihen sind zweierlei. Ich versuche, für alles möglichst viel Verständnis aufzubringen, was nicht heisst, dass ich allem zustimme oder es richtig finde.»
















