Braucht es jetzt ein PFAS-Verbot?

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Praktisch flächendeckend hat es in der Schweiz PFAS im Boden. Die Politik disktutiert Massnahmen, ist sich aber nicht in allen Punkten einig.

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GLP-Nationalrat Matthias Jauslin fordert ein Verbot von Materialien mit PFAS. - Nau.ch / Matthias Bärlocher

Das Wichtigste in Kürze

  • 99 Prozent von untersuchten Bodenproben enthielten PFAS.
  • GLP-Nationalrat Matthias Jauslin fordert ein Verbot entsprechender Materialien.
  • Bauern-Präsident Makus Ritter verfolgt die gleiche Stossrichtung, aber kein Verbot.

Wirklich überrascht ist wohl kaum mehr jemand, aber jetzt haben wir es schriftlich: In 99 Prozent der Schweizer Bodenproben sind die PFAS genannten Ewigkeitschemikalien nachweisbar. Dies zeigt eine Auswertung der ZHAW und der ETH.

Nun sind Massnahmen gefragt. Bereits darf man gewisse Fische aus Zuger- und Hallwilersee nicht mehr verkaufen. Der Bundesrat gibt in der Fragestunde des Nationalrats gleichzeitig zu, dass man nicht wirklich eine Übersicht habe. Auch kantonale Behörden bekunden Mühe beim Umgang mit PFAS, zum Beispiel bei belastetem Fleisch.

Pfas-Chemikalien
Pfas sind in der Umwelt nahezu nicht abbaubar und werden daher auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. (Symbolbild) - keystone

Was auffällt: Mit Schuldzuweisungen ist man zurückhaltend. «Als diese Produkte entwickelt wurden, hat man vielleicht die Langezeitwirkungen noch nicht abschätzen können», sagt GLP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Kein Schweizer Problem

Dank moderner Messmethoden könne man nun relativ genau sagen, was wo ist. «Darauf müssen wir eingehen können und entsprechend reagieren.»

Die Schweiz stehe mit der PFAS-Herausforderung auch nicht alleine da, sagt Mitte-Nationalrat Markus Ritter: «Ich gehe davon aus, dass das in weiten Teilen der Welt eine Thematik ist. Die einen wissen es, die anderen sind da noch weiter weg.»

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Markus Ritter, Präsident des Bauernverband und Mitte-Nationalrat, betont: «Es braucht Alternativen. - Nau.ch / Matthias Bärlocher

Als Präsident des Bauernverbands gibt Ritter zu bedenken: Die Böden seien vor allem dort belastet, wo früher Klärschlamm ausgebracht wurde. «Da kann die Landwirtschaft nichts dafür.» Viele belastete Böden gebe es zum Beispiel auch im Bereich von Übungsgelände der Feuerwehr – weil Löschschaum PFAS enthielt.

PFAS-Verbot: Bye-bye Backpapier?

Für GLP-Nationalrat Jauslin ist deshalb klar: Der Bundesrat müsse Daten erheben, zum Beispiel im Einzugsgebiet von Trinkwasserfassungen. Und: «In Zukunft halt solche Produkte verbieten.»

Für Weichmacher, Löschmittel und andere Materialien müsse man Ersatzprodukte suchen. Er sei überzeugt, dass es diese gebe und sie eingesetzt werden könnten. «Eventuell kostet das mehr», räumt Jauslin ein, «aber damit müssen wir umgehen können. Die Gesundheit muss uns das wert sein.»

Backblech mit Kartoffelspalten, Ofen
PFAS-haltiges Backpapier kann gesundheitsschädliche Dämpfe abgeben. - Depositphotos

Jauslin macht den Vergleich mit dem bis in die 70er-Jahre populären Baustoff Asbest. Auch bei diesem sei man von dessen vorteilhaften Eigenschaften beeindruckt gewesen. «Es zeigte sich, dass sehr grosse Schäden entstehen, und man hat es verboten. Das Gleiche sollte man wohl hier auch tun.»

Landwirtschaft auch auf belasteten Böden

Von einem «Verbot» mag Bauernpräsident Ritter indes nicht direkt reden. Aber auch er sagt: «Die Substanzen, die problematisch sind, sollten vom Markt genommen werden können, damit es keine Neueinträge gibt.»

Sollten, denn zunächst brauche es Alternativen. «Da wird man mit der Wirtschaft reden müssen, was möglich ist und was nicht.»

Ewigkeitschemikalien
PFAS kommen auch in Antihaftbeschichtungen zum Einsatz (Symbolbild). - keystone

Es sei wichtig, Neueinträge zu verhindern. Gleichzeitig soll auf belasteten Böden aber weiterhin Landwirtschaft möglich sein. «Man muss schauen, in welcher Form und dass man eben diese Belastungen herunterbringt, mit den Massnahmen, die möglich sind.»

Dazu brauche es die Abklärungen der Forschungsanstalten: Was ist möglich, womit kann man das Ziel erreichen. Manchmal liege es am Wasser, manchmal am Futter. «Auch da ist es wichtig, dass man gemeinsam Wege sucht.»

Mitte-Ritter: «Parlament hat Weg vorgezeichnet»

Markus Ritter ist indes zuversichtlich. Das Parlament habe, nachdem Anfang März auch der Ständerat einer Motion zugestimmt hat, den Weg vorgezeichnet.

bundesrat
PFAS werden unter anderem auch in Verpackungen verwendet. (Symbolbild) - afp

Der Bundesrat wird mit der Motion beauftragt, beim Festlegen von Grenzwerten auch die wirtschaftlichen Folgen zu berücksichtigen. Zum Beispiel die Auswirkung auf Landwirtschaft oder die Wasserversorgung. Auch soll die Schweiz die Trinkwasserrichtlinie der EU nicht übernehmen, sondern eigenständige Regelungen vorsehen.

Dies soll es erlauben, auf die landwirtschaftliche Produktion Rücksicht zu nehmen. Links-Grün stimmte allerdings gegen diese Motion.

Kommentare

User #6100 (nicht angemeldet)

Es gibt ungiftige Alternativen, aber wenn der Produktentwickler (R&D) und der Einkäufer das dem CEO erzählen, ist das kein Thema mehr wenn man eine Offerte einreicht. Zu teuer und die Marge leidet darunter. Als ehemaliger Verkaufsberater und Verfahrenstechniker in der Chemieindustrie könnte ich sehr viel darüber erzählen.

User #4036 (nicht angemeldet)

Die Böden sind überall kontaminiert, weil die Chemie-Bauern das wissentlich mit den Giften verspritzen. Das darf allerdings nicht sagen werden, den die Subventionen müssen weiter fließen.

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