Zürich: Klimadebatte spaltet sich zwischen den Plattformen
Eine Studie der Universität Zürich zeigt: Die Spaltung im Klimadiskurs verlagert sich von einzelnen Plattformen auf getrennte Plattformwelten.

Die Forschung hat sogenannte Echokammern, in denen Menschen primär auf Gleichgesinnte stossen, lange innerhalb einzelner Plattformen untersucht. Neuere Entwicklungen in der Klimakommunikation deuten jedoch auf zunehmende Trennlinien zwischen den Plattformen hin. Dazu trugen etwa eine verschärfte Moderation, die Abwanderung von den grossen Plattformen, die Neuausrichtung von Twitter zu X, geänderte Fact-Checking-Regeln von Unternehmen wie Meta sowie der Aufstieg alternativer Plattformen wie Gab, 8kun, BitChute oder Truth Social bei.
Letztere positionieren sich bewusst gegen etablierte Moderationsnormen.
«Vermutlich werden Spaltungen künftig weniger innerhalb von Plattformen als zwischen ihnen auftreten. Nutzende bewegen sich dann in getrennten, homogeneren Plattformwelten, in denen ihnen abweichende Sichtweisen weniger begegnen», sagt Metag, Co-Autorin des Beitrags. Mit Folgen für die öffentliche Debatte: Bestätigt sich die Vermutung, würde eine gemeinsame gesellschaftliche Verständigung über den Klimawandel strukturell schwieriger werden – unabhängig davon, wie gut einzelne Botschaften ausgestaltet sind.
Klimajournalismus unter doppelter Belastung
Durch diese Verschiebungen ist der Klimajournalismus gleich doppelt unter Druck geraten: Einerseits ökonomisch, weil ein grosser Teil der Werbeerlöse zu Plattformen wie Meta und Google abgewandert ist, was die finanzielle Basis klassischer Medienhäuser erodieren lässt. Zum andern werden Beiträge mit externen Links häufig weniger prominent ausgespielt als andere Inhalte. Mike S. Schäfer betont: «Das schwächt den Journalismus in seiner Rolle als Wissensvermittler – auch beim Thema Klima. Besonders betroffen sind davon Mediensysteme mit schwachem öffentlichem Rundfunk und Regionen, in denen unabhängiger Klimajournalismus ohnehin fragil ist.»
Wer sich für das Thema Klimawandel interessiert, findet auf Social Media mehr Informationen als je zuvor, darunter auch qualitativ hochwertige. Für die weniger Interessierten – die in vielen Ländern einen grossen Teil der Gesellschaft ausmachen – gilt das jedoch nicht. Sie werden seltener beiläufig mit Klimainhalten konfrontiert als früher über die klassischen Nachrichtenmedien, für deren Themenwahl andere Prioritäten gelten.
Insgesamt machen Klimainhalte nur einen kleinen Teil der Kommunikation in den sozialen Medien aus – weit hinter Unterhaltungs- und Lifestyle-Themen.
Kein einheitlicher «Social-Media-Effekt»
Ob Social Media das Wissen der Öffentlichkeit über Klimathemen fördert, ist nicht klar, da die bisherigen Studienergebnisse kein einheitliches Bild zeichnen. Es gibt jedoch Evidenz für eine unbequeme Erkenntnis: Wer Social Media nutzt, überschätzt eher, wie viel er oder sie über den Klimawandel weiss. Auf einen einheitlichen «Social-Media-Effekt» weist die Fachliteratur jedoch nicht hin.
«Die Wirkung von sozialen Medien hängt von unterschiedlichen Logiken der Plattformen, Regulierungen, Mediensystemen und soziopolitischen Kontexten ab. Was auf X in den USA zu beobachten ist, sagt wenig darüber aus, was auf Weibo in China geschieht», sagt Julia Metag.
Weitere Beiträge im online Focus von Nature Climate Change
Editorial: Promoting effective and inclusive communication (Englisch)






