Menschen mit Migrationshintergrund leben in der Schweiz teurer, dafür schlechter. Zudem bewohnen sie eine kleinere Fläche.
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Einwohner mit Migrationshintergrund haben ein doppelt so hohes Risiko, Ende Monat nicht über die Runden zu kommen, wie Einwohner mit Schweizer Wurzeln. Ausserdem wohnen sie in engeren, lauteren und teurerern Wohnungen als Schweizer ohne Migrationshintergrund (Symbolbild). - sda - Keystone/ANTHONY ANEX

Das Wichtigste in Kürze

  • Menschen mit Migrationshintergrund sind in der Schweiz finanziell schlechter gestellt.
  • Ihre Wohnungen sind enger, lärmiger und weniger komfortabel.

Die Schweizer Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist im Schnitt finanziell schlechter gestellt als diejenige ohne. Ausserdem sind ihre Wohnungen beengter, lärmiger, weniger bequem und trotzdem zehn Prozent teurer. 15 Franken 60 bezahlten im Jahr 2019 Personen ohne Migrationshintergrund durchschnittlich pro Quadratmeter Wohnraum.

Ohne Schweizer Wurzeln kostete der Quadratmeter 1 Franken 60 mehr. Dies, obwohl die Wohnungen von Eingewanderten häufiger von mangelhafter Qualität waren und in lärmigen Quartieren lagen.

Schweizer haben mehr Fläche

Da Personen mit Migrationshintergrund auch signifikant schlechter verdienten, kompensierten sie den überhöhten Mietpreis mit einer Reduktion ihres Wohnraums: Eingewanderte beanspruchten im Schnitt 32 Quadratmeter pro Person, während Schweizer ohne Migrationshintergrund 45 Quadratmeter zur Verfügung hatten - also 40 Prozent mehr.

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Schweizer haben im Schnitt mehr Wohnfläche zur Verfügung. (Symbolbild) - dpa-infocom GmbH

Bei 17 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist am Monatsende Ebbe im Portemonnaie. Bei Leuten ohne Migrationshintergrund ist das nur zu 7 Prozent der Fall. «Der Migrationsstatus ist jedoch keinesfalls der einzige erklärende Faktor für die festgestellten Unterschiede zwischen diesen Bevölkerungsgruppen. Andere Variablen wie das Alter oder das Bildungsniveau können ebenfalls einen Einfluss haben», schreibt das Bundesamt für Statistik (BFS) zu den neuesten Integrationsstatistiken vom Dienstag.

Wer nur die obligatorische Schule oder die Sekundarstufe II besucht hat, hat ein doppelt so grosses Risiko für Geldsorgen, wenn er oder sie einen Migrationshintergrund hat: Während knapp 15 Prozent der Einheimischen mit Schweizer Wurzeln Probleme haben, über die Runden zu kommen, sind es fast 30 Prozent bei Personen mit Migrationshintergrund. Auf der Sekundarstufe sind es 8,6 gegenüber 17,6 Prozent.

Ausländer fühlen sich chancenmässig ebenbürtig

Prozentual am wenigstens nützt die tertiäre Bildung denjenigen, die «nicht von hier» sind: Selbst mit Hochschulabschluss haben 11 Prozent der Einwohner mit Migrationshintergrund Probleme, sich finanziell über Wasser zu halten, während nur 3,6 Prozent der Personen mit Schweizer Wurzeln und Uni- oder Fachhochschulbildung dieses Schicksal ereilt.

Immerhin hat sich das Risiko von ausländischen Primarschulabgängern, am Monatsende nicht über die Runden zu kommen, gegenüber gleich schlecht ausgebildeten Schweizern in den letzten zehn Jahren leicht verringert.

Trotz ihrer statistisch nachweislichen Benachteiligung fühlen sich Personen mit ausländischen Wurzeln Schweizern chancenmässig beinahe ebenbürtig: Während 73 Prozent der Schweizer mit einheimischen Wurzeln der Meinung sind, Ausländer sollten dieselben Chancen haben wie sie, stellen 76,7 Prozent der Einwohner mit Migrationshintergrund diese Forderung. Wenn es ums Vertrauen ins System geht, stehen Eingewanderte sogar stärker zu den Institutionen als Einwohner mit Schweizer Wurzeln.

Auch zum Thema Multikulturalität gehen die Ansichten gar nicht so weit auseinander: 70,6 Prozent der Schweizer ohne Migrationshintergrund stimmen voll und ganz folgender Aussage zu: «Die Vielfalt an Nationalitäten und Kulturen stellt eine Bereicherung unseres Landes dar». 80,2 Prozent derjenigen, die Wurzeln in anderen Ländern haben, würden das ebenfalls unterschreiben. In beiden «Lagern» steigt die Zustimmung mit zunehmender Bildung.

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