Patrick Fischer

Patrick Fischer: Impfgegner feiern den Eishockey-Nati-Coach ab

Stephan Felder
Stephan Felder

Region Zug,

Patrick Fischer hat 2022 sein Covid-Zertifikat gefälscht, um an die Olympischen Spiele in Peking reisen zu können. Impfgegner feiern ihn dafür.

patrick fischer
Covid-Zertifikat gefälscht: Es gibt viel Kritik, aber in Impfgegner-Kreisen auch Lob für Nati-Trainer Patrick Fischer. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nati-Coach Patrick Fischer hat vor Olympia 2022 sein Covid-Zertifikat gefälscht.
  • Dafür gibt es für den 50-Jährigen viel Kritik – aber auch viel Lob im Internet.
  • Sozialwissenschaftler Marko Kovic findet, dass man die Story nicht skandalisieren sollte.

Lügen, Emotionen, Sport: Die Geschichte um das gefälschte Covid-Zertifikat von Nati-Coach Patrick Fischer vereint alle Zutaten einer hochbrisanten Story.

Der Eishockey-Nationaltrainer verweigerte seine Corona-Impfung. Das entsprechende Zertifikat musste er fälschen, um mit seinem Team an die Olympischen Spiele 2022 nach Peking reisen zu dürfen.

In der Öffentlichkeit erklärte er vor den Spielen in Peking, er habe sich impfen lassen, alles sei in Ordnung. Rechtlich ist der Fall abgeschlossen: Patrick Fischer wurde 2023 verurteilt und musste eine Busse in der Höhe von knapp 39'000 Franken zahlen.

«Du bist ein Held»

Moralisch bleiben aber Fragen offen. Ein Nati-Trainer, der in aller Öffentlichkeit lügt? Der das Risiko einging, aufzufliegen und damit die Olympia-Teilnahme seiner Mannschaft gefährdete?

Im Netz wird Patrick Fischer daher von vielen Seiten kritisiert. Auch, weil der 50-Jährige den Team-Gedanken stets über individuelle Bedürfnisse stellt und ein Supertalent wie Liam Bichsel aktuell nicht berücksichtigt.

Ist Patrick Fischer als Nati-Coach noch tragbar?

Und nun selber höchst egoistisch gehandelt hatte. Kommt dazu: Fischers Beichte geschah nicht freiwillig.

SRF deckte die Story auf, konfrontierte den Coach und den Eishockey-Verband mit den Vorwürfen. Echte Reue sieht anders aus.

Doch: Fischer kriegt im Netz auch enorm viel Rückendeckung. «Du bist ein Held für mich», «Ehrenmann», oder: «Alles richtig gemacht» kommentieren User unter dem offiziellen Instagram-Account des Schweizerischen Eishockeyverbands SIHF.

Diese Rückendeckung erhält Fischer aus der Ecke der Corona-Skeptiker und Impfgegner. Bei ihnen wird Fischer zur Gallionsfigur.

Gesellschaftskritiker und Sozialwissenschaftler Marko Kovic weiss, weshalb Fischer mit seinem Bekenntnis auf so viel Gegenliebe stösst.

Viele sehen Covid-Zeit noch immer als grosses Unrecht

«Viele Menschen haben, provokativ gesagt, einen monomanischen Fokus auf die Covid-Zeit», sagt Kovic auf Anfrage von Nau.ch. Sie sind also regelrecht fixiert auf das Thema.

«Sie sehen das Ganze immer noch als grosses Unrecht oder Lüge.»

Widerstand gegen Covid-Massnahmen beschäftigten diese Personen bis heute. Zu deren Gallionsfigur könne Fischer durchaus werden. Aber nur, «wenn die Medien den Fall nun so stark skandalisieren, dass Fischer aus Prinzip dagegen hält.»

Kovic: Corona war «gesellschaftliche Ausnahmesituation»

Ganz grundsätzlich will Kovic den Stab über Patrick Fischer nicht brechen. «Der gefälschte Impfausweis zeugt von schlechtem Charakter», sagt Kovic zwar.

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Nau.ch-Umfrage: Das sagen die Berner zu Patrick Fischers Impflüge. - Nau.ch/Riccardo Schmidlin

«Gleichzeitig war es eine gesellschaftliche Ausnahmesituation. Sie hat uns alle belastet und es gab auf alle Seiten hin viel Druck. Ich finde, man sollte diese Geschichte ruhen lassen und nicht skandalisieren.»

In einer Strassenumfrage von Nau.ch waren die meisten Passanten am Dienstagmorgen der Meinung, dass Fischer Nati-Trainer bleiben sollte. Die Lüge an sich kritisierten aber die meisten.

«Man darf Fehler von damals ruhen lassen»

Im Mai steht die mit Spannung erwartete Heim-WM in der Schweiz auf dem Programm. Für die Zeit nach der WM hat Fischer seinen Rücktritt längst angekündigt.

Auch Kovic findet, dass Fischer als Nati-Trainer weiterhin tragbar bleibt. «Ich finde, man darf Fehler von damals auch ruhen lassen. Die Pandemie war für uns alle ein Chaos, und die Massnahmen waren ein Chaos. Man muss die Vergangenheit nicht endlos skandalisieren.»

Der gleichen Meinung ist auch Fischers Arbeitgeber, der Eishockey-Verband. Für die SIHF sei die Sache nach klärenden Gesprächen mit Fischer abgeschlossen, teilte der Verband mit.

Viel deutet also darauf hin, dass die Geschichte zwar aktuell die Gemüter erhitzt, aber ohne grosse Konsequenzen bleiben wird.

Kommentare

User #2501 (nicht angemeldet)

Keine Medikamente einzunehmen ist gesund.

User #4933 (nicht angemeldet)

Skeptiker müssen noch viel lernen 🤷‍♀️

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