Der ehemalige Papst Benedikt soll Missbrauch in der Kirche vertuscht haben. Schweizer Katholiken sind empört, insbesondere, weil er sich nicht einsichtig zeigt.
Papst Benedikt
Zwischen 2005 und 2013 war Papst Benedikt XVI. Oberhaupt der Katholischen Kirche. Ihm wird vorgeworfen, als früherer Erzbischof von München (D) Missbräuche vertuscht zu haben. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Gutachten wirft Ex-Papst Benedikt XVI. die Vertuschung von Missbrauch vor.
  • In einer Stellungnahme zeigte er sich jedoch nicht einsichtig.
  • Schweizer Katholiken sehen dadurch die Glaubwürdigkeit der Kirche beschädigt.

Nun erreicht der Missbrauchsskandal in der Römisch-Katholischen Kirche ihr früheres Oberhaupt. Ein neues Gutachten belastet den emeritierten Papst Benedikt XVI. (94) schwer.

Als damaliger Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger soll er in vier Fällen von sexuellem Missbrauch nichts unternommen haben. Die beiden Priester, die den Missbrauch verübten, blieben demnach weiterhin tätig, auf kirchenrechtliche Sanktionen wurde verzichtet.

Papst Benedikt XVI.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. steht unter Beschuss.
Joseph Ratzinger
Als Erzbischof von München soll Joseph Ratzinger Missbrauch vertuscht haben.
Papst
Der emeritierte Papst beschädigt das Image der Kirche weiter, heisst es.
Benedikt XVI.
Papst Franziskus trifft seinen Vorgänger Benedikt XVI. im Vatikan (2013).

Der Vorwurf der Vertuschung löst weit über das Erzbistum München (D) hinaus eine Welle der Empörung aus. Auch in der Schweiz ist man erbost.

Theologe Simon Spengler leitet die Kommunikation der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Er sagt auf Anfrage von Nau.ch: «Das sind massive Vorwürfe. Da es sich dabei um den emeritierten Papst handelt, haben diese Vorwürfe ein besonderes Gewicht.»

Simon Spengler Papst
Der katholische Theologe Simon Spengler leitet die Kommunikation der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Zum emeritierten Papst Benedikt findet er deutliche Worte. - zvg

Ex-Papst zeigt sich uneinsichtig

Spengler kritisiert insbesondere die Stellungnahme von Papst Benedikt. «Es ist besonders dramatisch, dass er total uneinsichtig reagiert und sämtliche Mitschuld von sich weist.»

Dies stehe im Widerspruch zu Papst Benedikts Amtszeit (2005-2013). In der traf er sich mit Missbrauchsopfern und entschuldigte sich im Namen der Kirche für die Taten.

Papst Benedikt
Papst Benedikt entschuldigte sich während seiner Amtszeit bei Missbrauchsopfern – unter anderem 2008 beim Weltjugendtag in Australien. - Keystone

Für Spengler steht fest: «Er macht damit nicht nur sich, sondern die ganze Institution unglaubwürdig. Er bekräftigt das Image einer Kirche, die nicht fähig und gewillt ist, konsequent aufzuräumen.»

«Vorwürfe gegen Papst Johannes Paul II. wären Super-GAU»

Der katholische Theologe sieht die Spitze des Eisbergs im Missbrauchsskandal allerdings noch nicht erreicht. Spengler verweist auf Papst Johannes Paul II. (†84) aus Polen, wo die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs noch ganz am Anfang steht.

Papst Johannes Paul II.
Papst Johannes Paul II., hier 2004 bei einem Besuch in Bern. - Keystone

Spengler warnt: «Sollten auch bei ihm Vertuschungsmanöver in seiner Zeit als Bischof von Krakau ans Tageslicht kommen, wäre dies der Super-GAU. Im Gegensatz zu Papst Benedikt XVI. wurde er schliesslich bereits heiliggesprochen.»

Die Kirche in der Schweiz kann nicht Einfluss auf die Aufarbeitung im Ausland nehmen. Dennoch werde sie dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Es sei mit weiteren Kirchenaustritten zu rechnen, so Spengler.

Glauben Sie, dass die Katholische Kirche ihr Image wieder reparieren kann?

Dennoch: Untätig bleibe die Kirche in der Schweiz nicht. Spengler verweist auf ein Projekt, wonach alle Schweizer Bistümer ihre Archive offenlegen müssen. «Wichtig ist, dass ohne Rücksicht auf Personen tabula rasa gemacht wird.»

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