Mutter

    Opfer-Mutter: Unser Leben hat am 1. Januar aufgehört

    Etienne Sticher
    Etienne Sticher

    Frankreich,

    Zwei Mütter von Opfern der Crans-Montana-Tragödie fordern im «SRF-Club» Antworten und Gerechtigkeit. Sie müssten weiterkämpfen.

    SRF Crans montana
    41 Menschen starben beim Unglück in Crans-Montana, über 100 wurden verletzt. Zwei Mütter sprechen beim «SRF-Club». - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im «SRF-Club» sprechen zwei Mütter von Opfern der Tragödie von Crans-Montana.
    • Sie fordern Antworten und Gerechtigkeit, sie müssten weiterkämpfen.
    • Sie betonen, es gebe keinen Hass, sie wollten einfach die Wahrheit.

    Laetitia Brodard ging am 1. Januar an die Öffentlichkeit: Ihr Sohn Arthur (16) war eines der Opfer des Bar-Brandes von Crans-Montana, sie wusste aber nicht, ob er noch lebte. In den sozialen und traditionellen Medien sprach sie in der Hoffnung, jemand erkenne ihren Sohn in einem Spitalbett.

    Am Abend des 3. Januar erhielt sie dann den Anruf von der Polizei. Arthur sei bei der Tragödie gestorben.

    club
    Laetitia Brodard (r.) und Leila Micheloud (l.) sprechen im «Club» von SRF. - srf

    Glück im Unglück hatte Leila Micheloud: Farah (20) und Meissa (18), ihre zwei älteren Töchter, überlebten das Inferno in der Neujahrsnacht, wurden aber schwer verletzt. Noch heute liegen sie im Spital, mittlerweile wieder in der Romandie.

    Im «Club» von SRF sprechen die beiden Mütter über die schweren Tage, ihr Leiden und sagen deutlich: «Wir wollen Antworten.»

    Brodard sagt, es sei eine Tragödie, die ihresgleichen suche. Das Leiden der Eltern, die ihre Kinder verloren haben, sei unbeschreiblich. Sie hatte zuerst eine Whatsapp-Gruppe und dann einen Verein für die Eltern und Jugendlichen gegründet, um sie zu unterstützen.

    «Man sagt, das Leben geht weiter», so die trauernde Mutter. «Doch für uns hat das Leben am 1. Januar aufgehört.» Ein Teil gehe weiter, müsse weitergehen.

    Leila Micheloud: «Wir versuchen, zu überleben»

    Micheloud beschreibt es als einen Strudel, in dem man sich befinde, als Tunnel, durch den man durch müsse. «Man kann nicht sagen, wir versuchen, zu leben. Wir versuchen bloss, zu überleben.»

    crans montana
    Zwei Töchter von Leila Micheloud wurden beim Brand in Crans-Montana schwer verletzt. - srf

    Sie sei in die Sendung gekommen, um um Unterstützung zu bitten und um ihre Botschaft zu verbreiten. «Wir müssen weiterleben und weiterkämpfen. Wir fordern weiterhin Antworten.»

    Brodard betont, sie wisse, dass es lange dauern werde, bis Gerechtigkeit herrsche, sie wolle diese auch nicht schnell. «Aber wir wollen wissen, was genau passiert ist und warum. Ob es Lügen, Unwahrheiten oder Widersprüche gab. Wichtig ist, dass die ganze Wahrheit gesagt wird.»

    Hast du die Gedenkstätte in Crans-Montana besucht?

    Micheloud wirft der Gemeinde vor, ihre Arbeit beim Brandschutz und den Kontrollen nicht gemacht zu haben. Der Kanton hätte zudem die Aufsicht und zuoberst der Bund die Verantwortung. «Wir wollen Antworten und die Wahrheit. Die Gemeinde muss Verantwortung übernehmen und eventuell auch der Kanton und der Bund.»

    Laetitia Brodard: «Es geht um Menschlichkeit»

    Sie betont: «Es gibt keinen Hass. Ich bin nicht wütend. Ich will einfach die Wahrheit.»

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    Laetitia Brodard verlor ihren 16-jährigen Sohn beim Brand in Crans-Montana. - srf

    Laetitia Brodard wird gefragt, was sie von der Politik und den Politikern erwarte. Sie spreche nicht von Politik, sagt sie. «Mir geht es um Menschlichkeit, um das Herz der Mütter und Väter. Ich möchte, dass jeder Mensch seine Verantwortung übernimmt, Politik und Parteien sind mir egal.»

    Und sie sagt auch: «Es geht nicht um Politik. Es geht um Menschlichkeit.»

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