Junge Franzosen werden für Autoklau auf Snapchat rekrutiert
Einbrüche in Garagen häufen sich. Viele der Täter kommen aus Frankreich und wurden über Snapchat rekrutiert. Das erschwert die Suche nach den Drahtziehern.

Das Wichtigste in Kürze
- Junge Franzosen werden für Autodiebstähle in der Schweiz über Snapchat rekrutiert.
- Dadurch kennen sie die Drahtzieher nicht und können der Polizei kaum Hinweise geben.
- Das Fedpol hat eine Taskforce gegründet, erste Erfolge konnten vermeldet werden.
Einbrüche in Garagen häufen sich in der Schweiz: Laut dem Bundesamt für Polizei sind es wöchentlich zwei bis vier. Deswegen hat das Fedpol eine Taskforce gegründet, um die Ermittlungen zu koordinieren und Informationen auch über die Landesgrenzen zu teilen. Ein Prozess vor dem Bezirksgericht Horgen gibt nun Einblicke in das Vorgehen der Banden, wie «Tamedia» berichtet.
Vor Gericht stand ein 21-jähriger Franzose. Er wurde im Mai zusammen mit zwei Komplizen gestoppt, als sie die Scheiben einer Garage einschlugen. In der Garage standen mehrere teure Autos von Mercedes, Audi und BMW.
Der Angeklagte erzählt, er habe seinen Job bei einem Autohersteller in einer grenznahen Kleinstadt in Frankreich verloren. Daraufhin habe ihm ein Freund Videos von Luxusautos gezeigt, die er in der Schweiz gestohlen habe. Und der Freund wollte den 21-Jährigen beim nächsten Raubzug dabei haben.
Er habe eines der Autos nach Frankreich fahren sollen, erzählt der Angeklagte. Dort hätten die Drahtzieher zwischen 2000 und 5000 Franken geben sollen. Die Kommunikation geschah bloss über Snapchat, die Namen der Drahtzieher kannte er nicht. «Sie sagten uns nur, wann wir wohin müssen.»
Autodieb zu bedingter Haftstrafe verurteilt
Und so bekamen er, der Freund und eine Drittperson die Anweisung, auf einem Parkplatz in Bubendorf BL Kennzeichen zu klauen. Diese hätten sie dann an die gestohlenen Autos montieren sollen, um weniger aufzufallen.
Vor Gericht entschuldigt sich der Angeklagte, er hätte das Angebot des Freundes «nie annehmen dürfen». Er habe mit dem Geld seine Bussen für zu schnelles Fahren bezahlen wollen. Und nach dem einen Raubzug habe er keine weiteren machen wollen, beteuert er.
Das glaubte ihm der Richter in Horgen nicht und sagte: «Wäre der Diebstahl geglückt, würden Sie eine Freiheitsstrafe von über zwei Jahren erhalten.» Doch weil er bereits beim Einbrechen erwischt wurde, wurde er zu einer bedingten 13-monatigen Haftstrafe verurteilt. Zudem muss er die Schweiz für fünf Jahre verlassen.
«Drahtzieher ausfindig zu machen, ist schwierig»
Der 21-Jährige ist nicht der erste Autodieb aus Frankreich, der in der Schweiz gefasst werden konnte. Abgenommen hat die Aktivität der Banden aber nicht. Denn: «Die Hintermänner ausfindig zu machen, ist schwierig», sagt Fedpol-Sprecher Patrick Jean.
Es handle sich um eine fragmentierte Kette, Autodiebe und Organisatoren sind über mehrere Glieder verbunden und kennen sich nicht. Dadurch und durch die Rekrutierung über soziale Medien könnten die Festgenommenen nur sehr wenige Hinweise liefern.
Im Oktober konnte die Polizei aber einen Erfolg in Frankreich verbuchen: Durch internationale Ermittlungen konnten sechs Personen, die als Drahtzieher gelten, festgenommen werden. Sie hatten gestohlene Autos im Wert von drei Millionen Franken in den Nahen Osten geschmuggelt.















