Opfer-Eltern wehren sich gegen Foto-Entfernung
Die Fotos der verstorbenen Brandopfer von Crans-Montana sollen von der Unglücksbar verschwinden. Eltern aus Italien und der Schweiz leisten Widerstand.

Das Wichtigste in Kürze
- Fotos an der Bar «Le Constellation» erinnern an die Todesopfer in der Brandnacht.
- Die Gemeinde Crans-Montana VS will die Fotos entfernen.
- «Die Gesichter unserer Kinder fasst man nicht an», sagt ein Vater.
Crans-Montana hat seinen Zauber verloren. In der Silvesternacht kamen bei einem Brand in der Bar «Le Constellation» 41 Menschen ums Leben. 115 wurden verletzt. Wenn die Festtage und die Skisaison beginnen, soll das schreckliche Ereignis aber nicht mehr im Zentrum stehen.
Die Gemeinde des Walliser Bergdorfs will die Unglücksbar mit einer Holzfassade, die mit Sternen dekoriert ist, und einem Vordach versehen. «Um den Ort zu schützen und ihm ein schlichtes und würdiges Erscheinungsbild zu verleihen», teilte die Gemeinde kürzlich mit.
Aktuell erinnern Fotos an die Menschen, die an den Folgen der Brandkatastrophe starben. Geht es nach Schweizer und italienischen Familien der Opfer soll dies auch so bleiben.
«Ihre Erinnerung verdient Respekt»
Andrea Costanzo hat seine 16-jährige Tochter Chiara im Flammeninferno verloren.
«Die Gesichter unserer Kinder fasst man nicht an», sagt er in einem Video auf Instagram. Es handle sich um keine Fotos, die man umplatzieren könne. «Weil die Skisaison beginnt.»
Auch seien es keine Fotos, die man verstecken könne. «Weil sie das Tourismusimage von Crans-Montana beeinträchtigen.»
An diesem Ort hätten ihre Kinder ihr Leben verloren oder sich verletzt, sagt Costanzo. «Und ihre Erinnerung verdient Respekt.» Niemand wolle die Zeit anhalten. «Aber niemand will entscheiden, die Erinnerung zu löschen – umso weniger, ohne die Eltern anzuhören.»
Er fordert: «Unsere Kinder dürfen keine unbequeme Erinnerung werden, die verborgen bleiben soll.»
Zeremonie und Lichtinstallation
Am 1. Januar findet in Grône VS die offizielle Gedenkfeier statt. Die Gemeinde überträgt die Zeremonie live ins Kongresszentrum Le Régent in Crans-Montana.
Ein weiteres Zeichen des Gedenkens setzt die Gemeinde am Grenon-See. Dieser befindet sich wenige Minuten von der Unglücksbar entfernt. Eine Lichtinstallation mit sternförmigen Lichteffekten soll zum stillen Innehalten einladen.
Bis jetzt hat jede Opferfamilie von Kanton und Bund einen Notfallbeitrag von 60’000 Franken erhalten. Die Familien fordern, dass die öffentlichen Ressourcen zuerst den verletzten Kindern zugutekommen, «die noch heute darum kämpfen, ins Leben zurückzukehren».
Familien wollen mitreden
Die Gemeinde will an Silvester und Neujahr zwei Orte der Besinnung einrichten, einen davon vor der Unglücksbar «Le Constellation».
Wenige Gehminuten entfernt soll in der Nähe der Kapelle Saint-Christophe ein weiterer Gedenkort entstehen. Dort können Angehörige und Besuchende persönliche Gegenstände und Erinnerungen an die Opfer hinterlassen.
Am 23. November läuft die Einsprachefrist ab. Die Familien fordern, dass sie vorher angehört werden. Auch sollen die Gesamtkosten der Gedenkstätten offengelegt werden und sie sollen an der Gestaltung der definitiven Gedenkstätte teilnehmen können.

















