Neue Gaza-Demo: Berner Beizer rüstet sich «mit Feuerlöschschlauch»

    Riccardo Schmidlin
    Riccardo Schmidlin

    Bern,

    Linksextreme fackelten letztes Jahr beinahe eine Berner Traditionsbeiz ab. Ein Jahr später mobilisieren die Antifa und Co. zu einer Neuauflage der Demo.

    Tobias Burkhalter
    Tobias Burkhalter letzten Oktober vor seinem angezündeten Restaurant in Bern. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Linksautonome Kreise rufen zu einer neuen Gaza-Demonstration am 11. Oktober auf.
    • Ein Beizer und ein SVPler fürchten, dass sich die Szenen aus dem Vorjahr wiederholen könnten.
    • Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried sagt, die Situation sei nicht eins zu eins vergleichbar.

    Die unbewilligte Pro-Palästina-Demo vom 11. Oktober 2025 hallt bis heute nach. Die Ermittlungen laufen noch, der Schock bleibt.

    Zur Erinnerung: 18 verletzte Polizistinnen und Polizisten sowie ein Sachschaden von über 600'000 Franken waren das Resultat der Gaza-Demo. Am schlimmsten traf es das Restaurant Della Casa zwischen Bahnhof und Bundesplatz.

    Linksextreme legten im Polizeikessel Feuer und brachten damit die Beiz in akute Gefahr. Nur dank eines Wasserwerfers der Polizei konnte der Brand umgehend gelöscht werden.

    Ein Jahr später lassen die Demonstrierenden, die sich im Nachgang über Repression und Polizeigewalt beklagten, nicht locker. Für den 11. Oktober ist eine Neuauflage der Demo geplant. Auch dieses Mal wurde kein Bewilligungsgesuch eingereicht.

    Restaurant ist bei neuer Gaza-Demo zu

    «Kein Vergeben, kein Vergessen», heisst es in einem Aufruf von linksautonomen Kreisen wie der Antifa. Der Völkermord in Gaza gehe weiter. «Von Krieg und Genozid zu profitieren, bedeutet Probleme kriegen! »

    Tobias Burkhalter blickt mit «sehr gemischten Gefühlen» auf die neue Gaza-Demonstration. Er ist der Wirt des Restaurants «Della Casa», das vor einem Jahr angezündet wurde.

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    Sein Restaurant fackelte bei der Pro-Palästina-Demo fast ab: Tobias Burkhalter, Wirt des Restaurants «Della Casa» in Bern, ist «fassungslos». (Interview vom Oktober 2025). - Nau.ch / Riccardo Schmidlin

    «Der Hass und die Zerstörungswut hat mich letztes Mal komplett überrascht und entrüstet», sagt er auf Anfrage von Nau.ch. «Ich bin froh, dass es dieses Mal ein Sonntag ist und keine Gäste oder Mitarbeitende gefährdet sind.»

    Das Restaurant bleibt an diesem Tag geschlossen. «Ich werde jedoch vor Ort sein – mit einem Feuerlöschschlauch.»

    Soll die Stadt Bern härter gegen die Chaoten vorgehen?

    Seine Forderung an die Stadt und die Einsatzkräfte: «Die Chaoten und Chaotinnen dürfen gar nicht erst in die Stadt gelangen.» Stattdessen sollen sie direkt am Bahnhof aufgehalten werden.

    Die Polizei kesselte im vergangenen Jahr 536 Personen ein und nahm sie vorübergehend fest. Rund 80 Prozent davon kamen aus anderen Kantonen, viele davon aus der Westschweiz. Rund die Hälfte waren Frauen.

    SVPler hat «Angst» wegen neuer Gaza-Demo

    Alexander Feuz fordert ebenfalls, die Demonstrierenden bereits am Bahnhof abzufangen. Der SVP-Stadtrat gehörte nach der letztjährigen Eskalation zu den lautesten politischen Stimmen, die den Umgang mit der Demo kritisierten.

    «Wer mit Hammer und Sturmhaube anreist, geht nicht an einen Kindergeburtstag», sagt er zu Nau.ch. «Sind die Demonstrierenden erst einmal in der Stadt, ist es zu spät.»

    Alexander Feuz
    SVP-Stadtrat Alexander Feuz macht sich wegen der neuen Gaza-Demo grosse Sorgen. - keystone

    Feuz fordert «deutlich mehr Mittel für die Polizei und vor allem mehr Rückendeckung von der Politik». In der Verantwortung sieht er dabei den Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (Grüne Freie Liste).

    Dieser habe sich seiner Ansicht nach «nicht genug von den Chaoten distanziert, um seine Klientel zu schützen».

    Sicherheitsdirektor bezeichnete Chaoten als «Sauhaufen»

    «Die Stadtregierung entsetzte sich drei, vier Wochen, hat ihre Hausaufgaben aber nicht gemacht», meint Feuz. «Deshalb habe ich Angst und blicke mit einem ganz schlechten Gefühl auf den 11. Oktober.»

    Sein Vertrauen setze er daher in den kantonalen Sicherheitsdirektor Philippe Müller von der FDP. Dieser ist für die Kantonspolizei zuständig.

    Alec von Graffenried hatte sich öffentlich von der letztjährigen Demonstration distanziert. An einer Medienkonferenz verurteilte er die Gewalt «in aller Schärfe».

    Alec von Graffenried
    Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried bezeichnete die «Chaoten» als «Sauhaufen». - keystone

    Den vermummten Block an der Spitze der Demo nannte er «Gewaltextremisten». Dass «Durchschnittsmenschen» diesem gefolgt seien, könne er nicht nachvollziehen. «Ich würde diesem Sauhaufen nie nachlaufen.»

    Diesen Spruch macht sich nun die Antifa zu eigen. Auf Plakaten steht der Aufruf: «Däm Souhuufä hingenacheloufe.»

    Von Graffenried: «Lässt sich nicht eins zu eins vergleichen»

    Alec von Graffenried teilt auf Anfrage von Nau.ch mit, die Stadt könne im Vorfeld keine Angaben zu den Rahmenbedingungen der Demo machen. «Die Kantonspolizei wird sich auf mögliche Szenarien vorbereiten, für die öffentliche Sicherheit in Einsatz stehen und Massnahmen im Rahmen der Verhältnismässigkeit treffen.»

    Auf die Forderung, Demonstrierende am Bahnhof abzufangen, geht er nicht weiter ein.

    Von Graffenried betont: «Wir können die Kundgebung vor einem Jahr nicht eins zu eins mit der diesjährigen vergleichen.» Zahlreiche Faktoren wie die Zusammensetzung und Anzahl der Teilnehmenden könnten die Dynamik einer Kundgebung beeinflussen.

    «Jede Kundgebung ist also ein Einzelfall und auch so zu betrachten», so der Stadtberner Sicherheitsdirektor. Dazu komme: «Unbewilligte Kundgebungen können eine schwer vorhersehbare Dynamik haben und deshalb mit Risiken verbunden sein.»

    Die Stadt werde die Geschäfte und ihre Verbände über die Ereignisse im Vorfeld informieren, verspricht er. «Allerdings ist die Ausgangslage anders als vor einem Jahr. Statt auf einen Samstag fällt der 11. Oktober in diesem Jahr auf einen Sonntag.»

    Kommentare

    User #3132 (nicht angemeldet)

    Die Lnke sollte sich nicht von derartigen Scharfmachern welche die Geselllschaft aufhetzen und spalten möchten Missbrauchen lassen.

    User #6732 (nicht angemeldet)

    Wie kann man nur eine Terrororganisation verteidigen und dessen Handlungen rechtfertigen die seit Jahrzehnten Israel mit Raketen, Anschlägen, Messerattacken auf offener Strasse usw. angreift bzw. terrorisiert. Ganz bewusst und gezielt Zivilisten, Kinder und Frauen tötet.

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