Islam

Nach Nau.ch-Anfrage: Hostingdienst nimmt Islam-Game vom Netz

Ein Game gegen «Islamisierung» sorgt für Kritik. Nach einer Meldung von Nau.ch nahm Netlify die Spielseite offline.

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Das Egerkinger Komitee bewarb ein Game zur 10-Millionen-Initiative. Spieler sollten «illegale Einwanderung» in die Schweiz abwehren. - Screenshot

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Egerkinger Komitee erstellte ein Game gegen «schleichende Islamisierung».
  • Spieler sollten darin «unkontrollierte Masseneinwanderung» stoppen.
  • Nau.ch meldete das Spiel beim Hostingdienst Netlify.
  • Kurz darauf nahm Netlify das Spiel vom Netz.

Eine Grenzwächterin steht an einer roten Linie. Vor ihr laufen Menschen mit Rucksäcken, Koffern und Kopftuch durchs Bild. Wer sie stoppt, sammelt Punkte.

So funktionierte ein Computerspiel des Egerkinger Komitees. Es warb für ein Ja zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz».

Nach Anfrage von Nau.ch verschwindet das Spiel

Inzwischen ist das Spiel nicht mehr erreichbar. Nau.ch meldete die Seite beim Hostingdienst Netlify und fragte an, ob der Inhalt mit den Nutzungsregeln der Plattform vereinbar sei.

Kurz darauf bestätigte Netlify gegenüber Nau.ch: «This site has been taken down.» Die Spielseite wurde also vom Netz genommen.

Netlify
Netlify bestätigt gegenüber Nau.ch, dass die Spielseite offline genommen wurde. Zuvor hatte Nau.ch das Game beim Hostingdienst gemeldet. - Nau.ch

Nicht bestätigt ist, aus welchem konkreten Grund Netlify die Seite entfernte. Klar ist aber: Das Game war zuvor öffentlich über eine Netlify-Adresse abrufbar.

«Illegale Einwanderung» abwehren

Laut dem Egerkinger Komitee sollte das Spiel die Argumente für ein Ja zur Initiative näher an die Leute bringen. Gesteuert wurde eine Grenzschützerin.

In der Spielanleitung hiess es: «Stoppe die unkontrollierte Masseneinwanderung.» Nutzerinnen und Nutzer sollten Figuren abfangen, die als Migrantinnen und Migranten dargestellt wurden.

Wie mehrere Medien berichteten, durften als «nützlich» eingestufte Personen passieren. Dazu gehörten etwa Ärzte, Köche oder Intellektuelle. Familien, deren Frauen ein Kopftuch tragen, sollten hingegen abgewehrt werden.

Kritik an Entmenschlichung

Das Spiel sorgte bereits vor der Sperrung für Kritik. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe und die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus prangerten laut «La Liberté» eine Entmenschlichung und Stigmatisierung von Flüchtlingen an.

Auch SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer äusserte sich scharf. Gegenüber «Blick» warf sie dem Komitee vor, «pure Gewalt zu normalisieren».

Der Geschäftsführer des Egerkinger Komitees, Anian Liebrand, verteidigte das Spiel gegenüber Tele M1. Es gehe nicht um einzelne Menschen. Mit dem Game habe man die Interaktion im Abstimmungskampf und das politische Interesse fördern wollen.

Komitee warnt vor Islamisierung

Auf seiner Website verknüpfte das Egerkinger Komitee Asylmigration, muslimische Männer, Kriminalität, Gewalt und Frauenverachtung miteinander.

Im Begleittext war von «muslimischer Asyl-Zuwanderung» und einer «gesellschaftlichen Zeitbombe» die Rede. Weiter schrieb das Komitee, Personen aus «radikal-muslimischen Kulturen» seien überdurchschnittlich kriminell und gewalttätig.

Auch das Kopftuch wurde politisch aufgeladen. Laut Komitee sei es das «offizielle Zeichen» der Unterordnung von Frauen im politischen Islam.

Darüber wird abgestimmt

Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» kommt am 14. Juni an die Urne. Sie verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 nicht über zehn Millionen Menschen steigt.

Falls die Bevölkerung vorher 9,5 Millionen erreicht, sollen Bundesrat und Parlament Massnahmen ergreifen. Genannt werden insbesondere Einschränkungen im Asylbereich und beim Familiennachzug.

Wie stimmst du zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»?

Wird die Zehn-Millionen-Grenze dennoch überschritten, müsste der Bund weitere Massnahmen treffen. Internationale Abkommen, die zum Bevölkerungswachstum beitragen, müssten neu verhandelt oder gekündigt werden. Als letzter Schritt könnte auch das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU betroffen sein.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Sie warnen vor Folgen für Wirtschaft, bilaterale Beziehungen und die humanitäre Tradition der Schweiz. Die Befürworter argumentieren, die Schweiz müsse Zuwanderung stärker begrenzen, um Infrastruktur, Umwelt, Wohnraum und Sozialwerke zu entlasten.

Kommentare

User #1429 (nicht angemeldet)

INSTAGRAM: Ich hab es schon gespielt. Beim ersten Durchgang 32 abgewiesen. Beim 2. Durchgang die doppelte Anzahl.

User #2735 (nicht angemeldet)

Gut hat die Erfahrung immer wieder bewiesen, dass Abstimmungen zu fast 100% diametral zu Kommentarspalten in verschiedenen Medien enden.

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