Migros und Coop bieten schon Spargeln an – Bauern sind sauer
Bereits seit Anfang Februar gibt es bei Migros und Coop Spargeln – aus Südamerika. Schweizer Bauern üben Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Migros und Coop haben jetzt schon Spargeln aus Spanien und Peru im Angebot.
- Der Bauernverband befürchtet, dass die Kundschaft im Frühling das Gemüse satt hat.
- Die Grossverteiler verteidigen das Angebot.
Mit saisonalen Produkten gehen Supermärkte immer grosszügiger um. Lebkuchen gibt es schon im Spätsommer. Fasnachtschüechli sind da, bevor die letzten Zimtsterne weg sind.
Anfang Februar sind die Regale der Grossverteiler schon prall gefüllt mit Schokoladenhasen und Ostereiern. Derweil feiern bestimmte Confiserien bereits seit Anfang Januar Valentinstag.
Selbst vor typischem Frühlingsgemüse macht der Trend keinen Halt – ganz zum Ärger der Schweizer Bäuerinnen und Bauern.
«Haben wir was verpasst und die Spargelsaison beginnt neu Anfang Februar?», fragt der Schweizer Bauernverband die Migros in einem Post auf Instagram.
Spargeln im Februar? «Absolut bescheuert»
Auf dem Foto, das der Verband dazu gepostet hat, ist die ganze Palette zu sehen. Im Angebot hat die Migros grüne und weisse Spargeln – selbst Spargelspitzen fehlen nicht.
Dabei hat das Gemüse in der Schweiz eigentlich erst von April bis Juni Saison.

Über 100 User haben auf den Post reagiert. «Es ist Spargelsaison in Mexiko und Peru ...», witzelt eine Userin. «Gummi-Müll aus dem weit entfernten Ausland», kommentiert ein anderer User.
Eine Kritikerin bezeichnet das Angebot als «absolut bescheuert». Sie vergleicht es mit den Erdbeeren, die ausserhalb der Schweizer Saison angeboten werden.
Bauern befürchten Spargel-Überdruss im Frühling
«Den Grossverteilern kann es nicht früh genug sein mit saisonalen Produkten», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband zu Nau.ch. «Dabei haben Spargeln jetzt in den Läden noch nichts zu suchen.»
Helfenstein befürchtet einen Spargel-Überdruss.
«Kommen die Schweizer Spargeln im April in den Verkauf, haben die Leute längst genug davon», sagt sie. Das zeige sich, wenn die Spargelernte hoch ausfalle. «Die Spargelbauern haben dann jeweils ein Absatzproblem.» Also zu viele Spargeln und zu wenige Käufer.
Laut Helfenstein kaufen die Kundinnen und Kunden, was angeboten wird. «Man kann nicht erwarten, dass sie die Herkunft überprüfen und dann auf Schweizer Spargeln warten.»
Darum nimmt Helfenstein die Grossverteiler in die Pflicht. «Wenigstens könnten sie die ausländischen Spargeln in einer Ecke und nicht derart prominent im Laden präsentieren.»
Migros: Kunden wollen schon im Februar Spargeln
Die Migros begründet das Angebot mit der Nachfrage. Die hohe Nachfrage nach Spargeln beginne bereits im Februar, sagt Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir zu Nau.ch.
Die Migros wolle der Kundschaft die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, «was sie wann und von welcher Herkunft konsumieren möchte».
Aussersaisonale Früchte und Gemüse könnten zudem einen Beitrag zum Erhalt einer ausgewogenen Ernährung leisten, sagt die Mediensprecherin.
Die aktuell angebotenen Spargeln stammen aus Peru und Mexiko.
«Importieren nur, wenn notwendig»
Die Schweizer Herkunft habe für die Migros höchste Priorität, sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir. «Wir importieren nur, wenn es notwendig ist.»
In den Migros-Filialen stammten rund 70 Prozent der Lebensmittel aus der Schweiz. Im Frischebereich sei dieser Anteil oft noch höher.
Der weisse Spargel wird laut der Migros per Schiff importiert, «um Flugzeugimporte zu vermeiden».
Grüner Spargel, der in den ersten Monaten des Jahres angeboten wird, werde per Flugzeug transportiert. «Bis die europäische Produktion starten kann.»
Der Flugtransport sei jedoch am Verkaufspunkt klar deklariert. Auf diese Weise könnten die Kundinnen und Kunden eine informierte Kaufentscheidung treffen.
Ab April kommen Migros-Spargeln aus der Schweiz
Auch erinnert die Mediensprecherin daran, dass der Grossverteiler seit 2024 bei Flugwaren auf Aktionen verzichtet.
Zudem förderten sie mit einem Entwicklungsplan die europäische Spargelproduktion. «Dadurch konnten wir in den letzten Jahren jedes Jahr etwas früher mit Spargeln aus Europa statt Übersee starten.»

Ab Mitte beziehungsweise Ende April bezieht die Migros die Spargeln aus der Schweiz. Laut Prisca Huguenin-dit-Lenoir deckt die Schweizer Spargelproduktion jedoch nur etwa fünf Prozent der Nachfrage.
Um die hohe Nachfrage zu befriedigen, seien Importe notwendig.
Coop kündigt Spargeln aus Spanien an
Auch Coop hat bereits Spargeln im Angebot. Damit richteten sie sich grundsätzlich nach den Bedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden, sagt Mediensprecher Thomas Ditzler.
Zurzeit stammen die Spargeln bei Coop aus Peru, wie Ditzler sagt. «Voraussichtlich ab nächster Woche werden wir Ware aus Spanien in unserem Sortiment haben.» Wegen des Wetters habe sich diese Ernte verzögert.
Schweizer Produkte hätten bei Coop stets Priorität, so der Mediensprecher. Man unternehme sehr viel, um möglichst viel Schweizer Spargel abnehmen zu können.
«Von unseren Schweizer Partnern beziehen wir in jedem Fall sämtliche vereinbarte Mengen.» Nur wenn Produkte aus dem Inland nicht in genügender Qualität und Menge vorhanden seien, würden sie importiert.

















