Migros-Fusion: «Für Denner wird sich definitiv etwas ändern»
Die Migros baut um. Was bedeutet das für Denner? Ein Detailhandels-Experte schätzt ein, wie es mit dem Discounter weitergeht.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros plant den Zusammenschluss ihrer Zentrale mit den zehn regionalen Genossenschaften.
- Ein Experte sieht für Denner dadurch Chancen auf mehr Eigenständigkeit.
- Dass die Marke verschwindet, hält er nicht für den richtigen Weg.
Die Migros baut um. Die Zentrale und die zehn regionalen Genossenschaften wollen sich zu einer Gruppengenossenschaft zusammenschliessen. Aus elf wird eins.
Stimmen die Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Fusion zu, entstehen sieben Geschäftseinheiten: Migros Supermarkt, Migros Industrie, Denner, Migrol/Migrolino, Digitec Galaxus, Migros Bank und Medbase.
Für Denner bedeutet das einen neuen Platz innerhalb der Migros-Gruppe. Die Discount-Marke soll zwar eigenständig bleiben. Doch wie viel Unabhängigkeit bekommt sie tatsächlich?
Experte glaubt: Denner bekommt mehr Freiheiten
Denner selbst gibt Entwarnung. Durch die Fusion ändere sich «operativ nichts», heisst es auf Nau.ch-Anfrage.
Detailhandels-Experte Erik Neumann hat jedoch Zweifel. «Für Denner wird sicher meiner Meinung nach definitiv etwas ändern», sagt er zu Nau.ch.

Wenn auch zum Positiven. Der Discounter könnte künftig «mehr Freiheiten» erhalten, so der Experte. Damit könnte er schneller auf die Konkurrenz aus Deutschland reagieren und seinen Preisvorteil besser ausspielen.
Neumann sieht darin einen möglichen strategischen Schritt der Migros. Der Konzern müsse seine Strukturen anpassen, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Denner könnte dabei eine noch wichtigere Rolle im Discountgeschäft übernehmen.
Migros will günstiger werden – was heisst das für Denner?
Die Migros will ihre Beschaffung künftig über die ganze Gruppe zentral koordinieren und so effizienter und günstiger werden.
Bis sich diese Veränderungen auf die Preise auswirken, dürfte es allerdings dauern. Zunächst müssen die Genossenschafter der Fusion zustimmen, danach folgt die Umsetzung.
Diese Zeit könnte Denner nutzen, um seinen Preisvorteil auszubauen.
Denn das Discountgeschäft steht unter Druck. Die Umsätze stagnieren, im Frühjahr wurde der Denner-Chef nach nur einem Jahr Knall auf Fall entlassen.
Sollten die Preise von Migros und Denner künftig näher zusammenrücken, werde auch die Markentreue wichtiger. «Und da hat die Migros mit ihrem enormen kulturellen Potential sicher die Nase vorn», meint Neumann.
Verschwindet Denner irgendwann ganz?
Der «Tages-Anzeiger» berichtete im Frühling bereits über Gerüchte, wonach die Migros die Marke Denner früher oder später aufgeben könnte. Filialen könnten in Migros-Geschäfte umgewandelt werden – oder in Migrolino-Filialen, wo Alkohol verkauft werden darf.
Neumann hält es allerdings für falsch, einzelne Marken zugunsten anderer zu schwächen. «Nun eine Verwässerung oder eine Schwächung einzelner Teile zugunsten anderer zu planen, wäre der falsche Weg. Er zielt eher in Selbstzerstörung ab.»
Dass die Migros einzelne Filialen umbaut oder anders nutzt, schliesst er nicht aus. Das müsse aber nicht das Ende von Denner bedeuten.
Im Gegenteil: Neumann sieht die Chance, dass der Discounter künftig eigenständiger auftritt und im Preiskampf mit Aldi und Lidl noch schlagkräftiger wird.
Denner geht nicht auf die Gerüchte ein. Der Discounter bezeichnet sein Geschäftsmodell als «erfolgreich und klar positioniert», das sich von anderen Anbietern unterscheide.
Der Discounter setzt auf ein preiswertes Sortiment mit Eigen- und Markenprodukten, Wein und wöchentlich wechselnden Aktionen.
«Mit über 870 Standorten verfügen wir zudem über eines der engmaschigsten Filialnetze im Land», schreibt der Sprecher. Damit sei Denner in der ganzen Schweiz nahe bei der Kundschaft.



















