Migros: Künstler fürchten wegen Mega-Fusion um Kulturprozent
Die Migros plant den grössten Umbau ihrer Geschichte. Die Kulturszene fürchtet nun um das Kulturprozent, das jährlich ein Budget von 121 Millionen Franken hat.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros will ihre regionalen Genossenschaften zu einer einzigen fusionieren.
- Die Kulturszene fürchtet um das Migros-Kulturprozent mit jährlich 121 Millionen Franken.
- Die Migros hält am Kulturprozent fest, nennt aber keine Höhe künftiger Sponsoringbudgets.
Die Migros will sich neu aufstellen. Seit Montag sind erste Details zum grössten Umbau der Firmengeschichte bekannt. Die regionalen Genossenschaften sollen zu einer einzigen fusionieren, die künftig als Dach der Gruppe dient.
Wie die SRF-Sendung «10vor10» am Dienstagabend berichtete, fragen sich nun Kulturschaffende, was das für das Migros-Kulturprozent bedeutet.
Laut Statuten setzt die Migros nämlich jedes Jahr ein Prozent des Umsatzes ihrer Supermärkte für ihr gesellschaftliches Engagement ein. Rund die Hälfte des Geldes fliesst in die Klubschulen, die andere Hälfte in die Kultur.
Damit gehört die Migros zu den grössten privaten Kulturförderern der Schweiz. Sie unterstützt Theater, grosse Festivals, Kleinkunst und den Behindertensport.
«Für uns wäre es extrem schade»
Auf die Unterstützung der Migros zählt etwa das Strassenmusikfestival «Em Bebbi sy Jazz» in Basel. OK-Präsident Pascal Degen sagt gegenüber «10vor10», die Migros sei ein wichtiger Partner.
Dies gelte nicht nur für das Geld, sondern auch für die Beziehungen, die über Jahre gewachsen seien. «Für uns wäre es extrem schade, wenn wir diesen Partner verlieren würden», so Degen.

Sorgen macht sich auch Rona Schauwecker, Geschäftsleiterin der IG Kultur Luzern. In der Zentralschweiz unterstütze die Migros jährlich bis zu 1000 Projekte, meist mit kleineren Beiträgen. Dank der Genossenschaftsstruktur gebe es lokale Ansprechpartner, die den Austausch erleichterten.
Würden die Gelder künftig zentral vergeben, könnte das vor allem die Randregionen treffen. «Also gerade für die Randregionen, die könnten unter Druck geraten», sagt Schauwecker. Die Kulturförderung müsse regional verankert bleiben, damit die kulturelle Vielfalt erhalten bleibe.
Migros will am Kulturprozent festhalten – Veränderungen nicht ausgeschlossen
Die Migros bestätigte auf Anfrage von «10vor10», am Kulturprozent festzuhalten. Zur Höhe künftiger Sponsoringbudgets könne sie derzeit aber keine Angaben machen. Veränderungen schliesst sie damit nicht aus.
Weiter heisst es: «Ziel der neuen Struktur ist es, die wirtschaftliche Grundlage der Migros zu stärken und damit auch ihr gesellschaftliches Engagement langfristig zu sichern.»

Was bei Kulturschaffenden ausserdem ebenfalls für etwas Beruhigung sorgen dürfte: Die Präsidentin des Migros-Genossenschafts-Bunds, Ursula Nold, betonte schon am Montag bei der Pressekonferenz zur Mega-Fusion, die Migros wolle sich weiterhin mit dem Kulturprozent für die Gesellschaft engagieren.
Darauf hofft auch Schauwecker. Es werde für Kulturveranstaltungen und auch für grössere Kulturhäuser immer schwieriger, private Sponsoren zu finden. «Es ist wichtig, dass die Migros ein verlässlicher Partner bleibt», hält die Zentralschweizer Kulturvermittlerin fest.
Jährlich 121 Millionen für die Kultur
Das Migros-Kulturprozent hat ein jährliches Budget von 121 Millionen Franken. Getragen wird es je zur Hälfte von den regionalen Genossenschaften und vom Migros-Genossenschaftsbund.












