Kunden dürfen jubeln: Migros wird durch Umbau günstiger
Zehn Regionalgenossenschaften sollen zu einer schweizweiten Einheit verschmelzen. Der Mega-Umbau bei der Migros soll Kosten senken. Und die Preise drücken.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros will ihre zehn Regionalgenossenschaften zu einer schweizweiten Einheit zusammenlegen.
- Der Umbau soll Kosten senken und tiefere Preise ermöglichen.
- Entlassungen sind bis Mitte 2028 ausgeschlossen, Verwaltungsstellen könnten aber wegfallen.
Anfang 2024 läutete die Migros den grössten Umbau ihrer jüngeren Geschichte ein: Fachmärkte weg, Fokus aufs Kerngeschäft und eine neue Tiefpreis-Strategie.
Zweieinhalb Jahre später folgt der nächste radikale Schnitt.
Die Migros-Führung will die zehn Regionalgenossenschaften und den Genossenschaftsbund (MGB) zu einer einzigen schweizweiten Gruppengenossenschaft zusammenschliessen.
Das Ziel: weniger Doppelspurigkeiten, schlankere Strukturen und tiefere Kosten. Insbesondere in der Logistik, im Marketing oder in der IT.
Die Mega-Pläne präsentierten die Migros-Manager und die Regionalfürsten heute an einer Medienkonferenz in Bern.
Das letzte Wort haben die 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Sie sollen Mitte 2027 endgültig über den Umbau entscheiden.
Detailhandels-Experte: «Fitness-Programm ist an der Zeit»
Für Detailhandelsexperte Erik Neumann, Studiengangsleiter an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, kommt der Schritt nicht überraschend.
Nach der Ankündigung der Zusammenlegung sagt er auf Anfrage von Nau.ch: «Es war wohl an der Zeit!»
«Um im Lebensmittel-Detailhandel bestehen zu können, ist es wohl unumgänglich, auch strukturell ein ‹Fitness-Programm› zu lancieren», sagt er.

Die Botschaft ist klar: Die Migros muss ihre Genossenschaftsstruktur aufbrechen, um langfristig deutlich Kosten zu sparen.
Denn: «Irgendwann ist der Druck auf die Hersteller und Lieferanten, also Preiseffekte zu erzielen, ausgeschöpft.»
Gleichzeitig wird der Spielraum für die Migros kleiner. Der Druck durch günstige Discounter wie Aldi und Lidl wächst.
Migros soll «wieder attraktiver werden»
Für die Kunden soll der Umbau vor allem beim Preis spürbar werden. Sprich: Günstiger. Im Alltag dürfte sich für die Migros-Kundschaft dagegen wenig ändern, glaubt Neumann.
«Denn diese wichtige Übung hat ja dieses Ziel: Durch Effizienzen auch Preisstabilität oder gar Preisreduktion sicherstellen. Und damit die Migros-Kundschaft zufriedenzustellen sowie auch wieder attraktiv für Wechselkäufer werden», sagt der Experte.
Anders sieht es für die Mitarbeitenden aus. Vor allem im Management stehen laut Migros grosse Veränderungen an. Auch Verwaltungsstellen könnten wegfallen.
Für das Personal in den Filialen soll es dagegen keine Folgen geben. Im Gegenteil: Der Konzern will die Zahl seiner Läden sogar erhöhen.
Bis Mitte 2028 soll es keine Entlassungen geben. Frei werdende Stellen sollen stattdessen durch natürliche Fluktuation abgebaut werden.
Für Neumann ist klar, dass die Migros nicht nur an der Oberfläche sparen darf. «Es würde keinen Sinn machen, wenn man hier ‹nur› auf logistische oder Sortimentseffekte zielen würde. Definitiv müssen Doppelspurigkeiten aufgelöst werden und gerade die übergreifenden Abteilungen auch effizient restrukturiert werden.»
Er ist überzeugt: «Das ist sicher ein Teil der Effizienz, die man erwartet!»
Genossenschafter müssen noch überzeugt werden
Doch noch ist der Mega-Umbau nicht in trockenen Tüchern. Zuerst muss die Migros ihre Genossenschafterinnen und Genossenschafter ins Boot holen. Dafür sind im kommenden Jahr sogenannte Urabstimmungen geplant.
Dabei prallen laut Neumann wirtschaftliche Interessen auf Tradition und Geschichte. «Es wird sicher schwer für alle Genossenschafter, den wirtschaftlichen Sinn eins zu eins nachzuvollziehen.»

Der Blick zur Konkurrenz zeigt, was für die Migros auf dem Spiel steht. Erzrivale Coop hat seine Regionalgenossenschaften bereits vor 25 Jahren zusammengelegt.
Der Schritt stärkte den Konkurrenten. Inzwischen hat Coop die Migros beim Umsatz überholt.
Kommt der Umbau der Migros also zu spät?
Migros-Chef Mario Irminger kontert den Vorwurf auf eine Frage von Nau.ch: «Diese Frage ist obsolet, weil wir heute hier stehen und sie beantworten. Alle Genossenschaften glauben, dass heute der richtige Zeitpunkt ist, um den Schritt zu vollziehen.»















