Neue Einheits-Migros: Jetzt gibts sogar Lob von Konkurrenz
Die Migros will zehn Genossenschaften zusammenlegen. Ein ehemaliger Genossenschaftschef von Coop hält diesen Schritt für längst notwendig.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros will die Regionalgenossenschaften zu einer Gruppe fusionieren.
- Coop schloss die Genossenschaften bereits 2002 zusammen.
- «Endlich!», sagt Hans Winiger, Ex-Genossenschaftschef von Coop Basel.
Die Migros schneidet alte Zöpfe ab. Am Montag gab das Detailhandelsunternehmen bekannt, die heutige Struktur in eine Gruppengenossenschaft überführen zu wollen. Künftig soll die Gruppengenossenschaft das Dach über den sieben Geschäftseinheiten bilden. Diese beinhalten Migros Supermarkt, Migros Industrie, Denner, Migrol/Migrolino, Digitec Galaxus, Migros Bank und Medbase.
Die Migros begründet den Umbau mit dem Ziel, schneller entscheiden, gezielter investieren und Doppelspurigkeiten abbauen zu können.
Vorreiterin ist Konkurrent Coop. Dieser hat seine Regionalgenossenschaften bereits 2002 fusioniert.
«25 Jahre später haben sie es auch gemerkt»
Hans Winiger ist ehemaliger Genossenschaftschef von Coop Basel. Bis zu seiner Frühpensionierung 2004 war er Leiter der Direktion Logistik.
2025 strahlte SRF den Dok «Das System Migros – Wie es zum grossen Abbau kam» aus. Winiger fand darin klare Worte. «Für mich hat die Kultur Migros sehr viel Ähnlichkeiten mit der Kultur, die die Swissair hatte. Wie ich meine, die Swissair hatte sie», sagte er.
Die Zweistufigkeit bei der Migros bezeichnete er als «unlogisch» und einen «Unsinn».
Nau.ch hat den heute 84-Jährigen angefragt, was er vom neusten Schritt der Migros hält. «Endlich! 25 Jahre später haben sie es auch gemerkt», platzt es aus Winiger heraus. Es sei schon lange klar gewesen, dass es eine einheitliche Führung brauche.
«Eine Firma kann man schwer führen, wenn sie verschachtelt konzipiert ist», sagt Winiger.
«Waren auch viel schneller und handlungsfähiger»
Der ehemalige Coop-Genossenschaftschef erinnert sich noch gut an die Probleme, mit denen Coop vor der Fusion kämpfte. Zum Beispiel hätten es Lieferanten im Hauptsitz nicht fertiggebracht, ihre Produkte zu platzieren. «Dann gingen sie in die Genossenschaften raus und platzierten sie dort.» Jeder haben sein Ding durchgezogen.
Dies spürte auch die Kundschaft. «Die Kunden stellten zum Beispiel fest, dass ein Artikel in einer Genossenschaft geführt wurde und in einer anderen nicht.»
Die Fusion sorgte aber nicht nur für saubere Abläufe.
«Wir waren auch viel schneller handlungsfähig», sagt Winiger. Als Beispiel erwähnt er die Detailhandelskette Waro. Coop kaufte diese 2002 und baute die Filialen zu Coop Megastores oder Bau & Hobby Centers um. «Dies hat uns zu Vorteilen verholfen», sagt Winiger.
Strikter Coop-Kunde
Der Schritt der Migros kommt laut Hans Winiger auch nach 25 Jahren nicht zu spät. «Die Migros steht wirtschaftlich immer noch auf einer soliden Basis, denke ich», sagt er. Mit der Fusion verschaffe sich das Unternehmen im Wettbewerb bessere Karten.
Die Migros habe in ihrem Kerngeschäft kein Knowhow verloren, stellt er fest. «Die Migros wusste immer, wie man Läden gut baut, konzipiert und führt.»
Dennoch bleibt der ehemalige Vertreter der Konkurrenz ein strikter Coop-Kunde. Oder vielleicht doch nicht? «Testhalber kaufe ich jetzt vielleicht einmal eine Salami in der Migros», sagt er schmunzelnd.

















