McDonalds verkauft Rösti im Ausland als «deutsch»
Ein Schweizer staunt: In Irland fällt ihm auf, dass McDonalds einen Burger mit Rösti als «geklaut aus Deutschland» verkauft. Rösti, ein deutsches Produkt?

Das Wichtigste in Kürze
- Einem Schweizer Touristen fällt in Irland Werbung für einen Rösti-Burger auf, weil dazu steht, er komme aus Deutschland.
- «Seit wann ist Rösti ein deutsches Gericht?», kritisiert er.
- McDonalds erklärt sich auf Anfrage von Nau.ch: Man wolle damit nicht sagen, dass die Rösti ein deutsches Gericht sei.
Angriff auf den Schweizer Nationalstolz?
Der Schweizer Kevin B.* staunt auf seinem Wochenend-Trip in Dublin nicht schlecht, als ein Bus voller Werbung an ihm vorbeifährt: Da steht, McDonalds verkaufe einen Burger mit Rösti. So weit, so normal.
Doch: Dazu heisst es «heisted from Germany», also «aus Deutschland geklaut». «Seit wann ist Rösti bitte ein deutsches Gericht?», wundert er sich.
Der Bus in der irischen Hauptstadt düst schnell an Kevin vorbei. «Erst dachte ich, vielleicht habe ich etwas falsch verstanden», sagt er.
Als er später jedoch an einer Filiale vorbeigeht, vergewissert er sich vor Ort. Und tatsächlich: Da steht erneut, der Rösti-Burger sei aus Deutschland geklaut.
Was hat der Fast-Food-Riese aus den USA zu seiner Verteidigung zu sagen?
McDonalds erklärt sich
Alberto C. Picece von McDonalds Schweiz versucht auf Anfrage von Nau.ch zu beschwichtigen. Das Ganze ist ein Missverständnis.
Er erklärt: «Der Big Rösti, auf den sich die irische Kampagne bezieht, wurde von McDonald’s Deutschland kreiert und angeboten.»
Heisst: Das konkrete Burger-Rezept wurde «aus Deutschland geklaut». Dass Rösti an sich kein deutsches, sondern ein Schweizer Nationalgericht ist, will McDonalds nicht behaupten.
«Die Zuordnung zu Deutschland bezieht sich nicht auf die kulinarische Herkunft der Rösti.»
Auch in der Schweiz gab es schon Rösti-Burger – allerdings nicht den Big Rösti, sondern den McRösti, wie Picece erklärt.
Geschichts-Lektion: Von da kommt die Rösti wirklich
Die Rösti stammt ursprünglich aus der Deutschschweiz. Vor allem im 19. Jahrhundert war sie auf Bauernhöfen ein beliebtes Frühstück. Die gebratenen Kartoffeln lieferten Energie für die harte Arbeit auf dem Feld.
Der Name leitet sich vom Verb «rööschte» ab und stammt ursprünglich aus dem Raum Bern und Solothurn. In anderen Regionen der Schweiz hatte das Kartoffelgericht früher unterschiedliche Namen. Je nach Gegend sprach man beispielsweise von «Bräusi» oder «Brägel».
Weil die Rösti als typisches Deutschschweizer Gericht gilt, wurde sie zum Symbol für die Unterschiede zwischen Deutschschweizern und Welschen.
Besonders bei Abstimmungen wird der Begriff «Röstigraben» häufig verwendet, wenn Deutschschweizer und Romands unterschiedlich entscheiden.
*Name von der Redaktion geändert




















