KW oder Gas: Das sagen die Nau.ch-Leser
Die Schweiz diskutiert über die Aufhebung des AKW-Neubauverbots. Auf Nau.ch vertreten drei Politiker ihre Meinung. Und die Nau.ch-User diskutieren eifrig mit.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz diskutiert über die Aufhebung des AKW-Neubauverbots.
- Drei Politikerinnen und Politiker positionieren sich auf Nau.ch.
- So stehen die Nau.ch-Leser zur Debatte.
Neue Atomkraftwerke, mehr Solarstrom oder doch Gaskraftwerke als Reserve? In der Schweiz ist die Debatte um die künftige Stromversorgung im vollen Gange, seit das AKW-Referendum eingereicht wurde.
Drei Politikerinnen und Politiker vertreten auf Nau.ch unterschiedliche Ansätze. Ihre wichtigsten Argumente zusammengefasst:
Bigler: «Möglichkeit behalten»
Hans-Ulrich Bigler, Alt-Nationalrat der FDP und heute SVP-Mitglied, plädiert dafür, das Neubauverbot für Atomkraftwerke aufzuheben. Für ihn bedeutet das nicht, dass sofort neue AKW gebaut werden müssen.

Vielmehr soll die Schweiz die Möglichkeit behalten, später über konkrete Projekte zu entscheiden.
Bigler verweist auf den steigenden Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Gerade im Winter brauche es genügend verlässliche Stromproduktion.
Mazzone: AKW verlängern die Abhängigkeit
Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone sieht das anders. Sie kritisiert die Pläne für neue Atomkraftwerke und warnt davor, dass die Schweiz damit ihre Abhängigkeit von Energieimporten verlängere.

Laut Mazzone könnte ein neues Kernkraftwerk bis zu 43 Milliarden Franken kosten. Dieses Geld fehle dann beim Ausbau erneuerbarer Energien.
Bäumle setzt auf Gas statt Atom
GLP-Nationalrat Martin Bäumle lehnt neue AKW ebenfalls ab. Er stellt vor allem infrage, ob sie rechtzeitig zur Lösung möglicher Stromengpässe beitragen könnten. Nach seiner Einschätzung wären neue Anlagen frühestens gegen Ende der 2040er-Jahre verfügbar.

Für seltene Engpässe im Winter seien schnell verfügbare Gaskraftwerke geeignet. Diese könnten bei Bedarf zugeschaltet werden, statt wie Atomkraftwerke möglichst dauerhaft laufen zu müssen.
Im links-grünen Lager fragt man sich: Wie passt das zum Klimaschutz? Bäumle argumentiert, dass solche Kraftwerke nur wenige Wochen pro Jahr benötigt würden.
Das sagen die Nau.ch-Leser dazu
Damit stellt sich die Frage, welche Risiken die Schweiz künftig in Kauf nehmen soll: Hohe Investitionen in neue AKW? Eine stärkere Abhängigkeit von erneuerbaren Energien? Oder eine Gasreserve, die zumindest teilweise mit fossilen Brennstoffen betrieben werden müsste?
Das sagen die Nau.ch-Leser dazu:
Befürworter der Kernenergie sehen vor allem bei der Versorgungssicherheit Vorteile. Ein Leser schreibt: «Im Sommer sollten Solar- und Windenergie funktionieren. AKWs braucht es bei Kälte, Dunkelheit, Hochnebel und Windstille im Winter.»
Zudem verweisen einige Leserinnen und Leser auf neue Reaktortypen, die andere Kühlsysteme nutzen.
Solarstrom generiert bei Sonne «hohe Erträge»
Kritikerinnen und Kritiker der Kernenergie weisen darauf hin, dass Atomkraftwerke Schwachstellen haben: «Bei hohen Temperaturen kann zu warmes Flusswasser die Leistung bestimmter Anlagen einschränken.»

Hingegen könne Solarstrom «gerade bei sonnigem Wetter hohe Erträge erzielen.»
Ein Leser hebt zudem hervor: «Wind und Solar sind die einzigen Energiequellen der Geschichte, deren Kosten mit der Skalierung sinken statt steigen.»
Leser erinnert an Tschernobyl und Fukushima
Auch die Erfahrungen mit der Vergangenheit bleibt für einige ein wichtiges Argument gegen Atomkraft: «Ich blicke bis nach Tschernobyl und Fukushima», schreibt ein Leser.
«Mal abgesehen von dem: Solange AKWs abhängig von kühlem Flusswasser und Uran aus Russland sind, macht es einfach keinen Sinn. Es löst zwar einige Übergangsprobleme, schafft aber viele neue Probleme.»

Hinzu kommen Bedenken des finanziellen Aspekts: «Die AKW-Betreiber mussten Geld einsparen für den Rückbau der AKW. Bisher kamen ganze drei Milliarden zusammen. Mühleberg hat bis jetzt 20 Milliarden gekostet.»
Das bezahle der Steuerzahler.
«Habe E-Auto nicht gekauft, um mit CO2-Strom zu fahren»
Hier sind sich die Nau.ch-User einig. «Gas kommt doch von Freund Putin?», fragt jemand zynisch. Und: «Ich habe mein E-Auto nicht gekauft, um dann mit CO2-Strom zu fahren.»
Ein weiterer User erinnert an das Projekt in Birr AG: «Die Klagemauer in Birr wurde nach zwei Jahren wieder abgebaut und Millionen an Steuergeld verschwendet.»
Sein Appell: «Erzeugt grundlastfähigen und bezahlbaren Strom und hört mit Ideologien auf!»








