Lisa Mazzone: «Die Rechten verlängern unsere fossile Abhängigkeit!»
Die Abhängigkeit von fossilen Energien macht die Schweiz verwundbar, schreibt Lisa Mazzone. Die Grünen-Präsidentin kritisiert die Atomkraftpläne des Bundesrats.

Das Wichtigste in Kürze
- Lisa Mazzone schreibt auf Nau.ch Kolumnen.
- Heute schreibt Mazzone über die Abhängigkeit der Schweiz von fossilen Energien und die Pläne für neue Atomkraftwerke.
- Die Grünen-Präsidentin fordert einen stärkeren Ausbau der Solarenergie.
Die immer noch andauernde Blockade der Strasse von Hormus zeigt schonungslos auf, was die Abhängigkeit von fossilen Energien bedeutet. Weil die Rechten es verhindert haben, dass wir uns schneller von den fossilen Energien befreien, spüren wir heute die Konsequenzen in Form steigender Heiz- und Benzinpreise.
Die Lösungen jedoch sind da: Im Gebäudebereich liesse sich der Energieverbrauch durch energetische Sanierungen halbieren. Dank Elektromobilität und Zügen könnten wir im Transport ganz auf fossile Brennstoffe verzichten. Doch was macht die rechte Mehrheit im Bundeshaus?
Rösti verteilt Millionengeschenke
Sie kürzt die Gelder für energetische Sanierungen und Bundesrat Albert Rösti verteilt Millionengeschenke an Autoimporteure, obwohl diese ihre Klimaziele verfehlen. Der Effekt ist katastrophal: Unsere Abhängigkeit von den Fossilen wird verlängert.
Und es wird noch schlimmer: Jedes Jahr fliessen zwischen 6 und 8 Milliarden Franken ins Ausland, um Gas und Erdöl zu kaufen. Trotzdem zwingt uns eine knappe rechte Mehrheit des Parlaments eine gefährliche Diskussion über neue AKWs auf.

Uran ist der Brennstoff, der AKW antreibt
Uran wächst nicht in unseren Gärten, sondern der Abbau, die Anreicherung und Nutzbarmachung wird massgeblich von Putins Russland und anderen autokratischen Ländern kontrolliert. Uran ist der Brennstoff, der AKW antreibt und den sie ständig benötigen, um zu laufen.
Bauen wir neue AKW, die frühestens 2050 ans Netz gehen, verlängern wir diese Abhängigkeit um Jahrzehnte. Das ist ein Pakt mit dem Teufel. Das ist umso absurder, als Lösungen existieren und bereits heute zur Verfügung stehen. Sonne, Wasser oder Wind erzeugen Schweizer Energie – sauber und sicher.
Abgesehen von der erheblichen Gefahr, die von der Atomenergie ausgeht, und ihrer Unvereinbarkeit mit extremen Hitzewellen – da sie enorme Mengen an Wasser verbrauchen und warmes Wasser in die schon warmen Flüsse zurückspeisen –, sabotiert Röstis AKW-Rückschritt die Energiewende.
AKW könnte bis zu 43 Milliarden kosten
Jeder Franken kann nur einmal ausgegeben werden. Laut den Akademien der Wissenschaften könnte ein neues AKW bis zu 43 Milliarden Franken kosten. Bundesrat Rösti hat bereits erklärt, dass massive Subventionen nötig sein werden. Dieses Geld würde beim dringenden Ausbau der Wasser- und Solarenergie fehlen.
Die Technologie der AKW stammt aus den 50er-Jahren. Dieser ruinöse Rückschritt wäre ein Fehler mit schwerwiegenden Folgen für die Schweiz. Das Potential der Solarenergie auf bestehenden Gebäuden ist so gross wie unser jährlicher Stromkonsum. Es ist an der Zeit, dort zu investieren. Und zwar richtig.
Energieerzeugung wird demokratisiert
Denn die Solarenergie hat gegenüber den AKW einen weiteren Vorteil: Die Energieerzeugung wird demokratisiert. In Kombination mit Batterien bietet sie uns Unabhängigkeit und ermöglicht es uns, unsere Energiesouveränität wieder in die eigenen Hände zu nehmen.
Die Fördermassnahmen für die Solarenergie müssen endlich ihrem Potenzial gerecht werden. Wer eine Solaranlage baut, leistet einen Beitrag für das Land. Diese Investition muss gesichert werden. Dazu braucht es einen neuen Standard: Auf jedem geeigneten Gebäude eine Solaranlage.

Während des Kalten Kriegs hat die Schweiz beschlossen, dass sie für ihre Sicherheit Bunker benötigt. Sie sind zur Normalität geworden – in praktisch jedem Einfamilienhaus.
Heute müssen wir Solaranlagen bauen, um unsere Unabhängigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Genau das fordert die Solarinitiative. Anstatt wie die Atomlobby und der Bundesrat einen No-Future-Plan voranzutreiben, sollten wir eine starke Zukunft gestalten.
Zur Autorin
Lisa Mazzone (*1988) ist Präsidentin und Mitglied der Geschäftsleitung der Grünen Schweiz.












