Kranke Kühe aus Frankreich dürfen in der Schweiz geschlachtet werden
Trotz der Ausbreitung einer Tierseuche werden weiterhin Rinder aus Frankreich zur Schlachtung in die Schweiz gebracht. Schweizer Landwirte sind verärgert.

Das Wichtigste in Kürze
- Wegen der «Lumpy-Skin-Krankheit» dürfen Schweizer Kühe nicht in Frankreich sömmern.
- Die Bauern zeigen sich verärgert und kritisieren das rigorose Vorgehen der Behörden.
- Derweil dürfen französische Rinder weiterhin in der Schweiz geschlachtet werden.
Wer im Sommer durch die französischen Alpen reist, sieht sie überall: Weite Weiden voller Schweizer Kühe, mit läutenden Glocken – ein Anblick wie aus dem Bilderbuch.
Doch in diesem Jahr bleibt die Idylle für viele Westschweizer Bauern aus. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat verboten, Kühe zur Sömmerung ins Nachbarland zu bringen.
Grund dafür ist die Tierseuche «Lumpy Skin Disease» (LSD), die im vergangenen Sommer ausgebrochen ist. Auch nahe der Schweizer Grenze. Für die Bauern eine mittlere Katastrophe: Rund 6000 Kühe dürfen diesen Sommer nicht in die französischen Alpen.
Bauern reagieren verärgert
Die Reaktionen fallen entsprechend heftig aus. Wie die «NZZ» berichtet, kritisieren mehrere Landwirte das Vorgehen des Bundes.
Unter ihnen auch der Waadtländer Landwirt und SVP-Nationalrat Sylvain Freymond. Die Massnahmen kämen kurz vor Beginn der Alpsaison und seien aus seiner Sicht übertrieben restriktiv.
Besonders umstritten ist das konsequente Vorgehen im Seuchenfall: Infiziert sich ein Tier, muss der gesamte Bestand gekeult, also systematisch getötet, werden.
In Frankreich wurde diese umstrittene Massnahme bereits ergriffen. Tausende Tiere wurden im vergangenen Sommer getötet. Die Bauern reagierten mit Protesten, verspritzten Gülle und blockierten Autobahnen.
Französische Tiere werden hierzulande geschlachtet
Für zusätzlichen Unmut sorgt bei den Westschweizer Bauern auch noch ein anderer Punkt: Während ihre Tiere nicht in den französischen Alpen grasen dürfen, werden weiterhin französische Rinder zur Schlachtung in die Schweiz transportiert.
Dass diese Schlachttransporte trotz der Seuchenlage weiterhin möglich sind, stösst bei vielen Landwirten auf Unverständnis.
Denn das Risiko, dass die französischen Rinder die Krankheit während des Imports in die Schweiz einschleppen, ist gross. Infiziert können die Tiere bereits sein, selbst wenn keine sichtbaren Symptome vorliegen.
Nullrisiko statt Kulanz
Die Schweizer Behörden halten derweil weiterhin an ihrer Nullrisiko-Strategie fest.
«Die volkswirtschaftlichen Kosten eines Ausbruchs wären enorm», heisst es in einer Präsentation des BLV. Sie wurde Anfang Februar Bauern, Viehhändlern und Kantonstierärzten vorgestellt.
Schaffe der Erreger den Sprung über die Landesgrenze, sei das mit erheblichen Konsequenzen verbunden: «Kein (freier) Handel mehr mit der EU und Handelsbeschränkungen für Drittländer.»
Auch die Plattform Agrarexport warnt. Es drohe «ein fast vollständiger Exportstopp und katastrophale Folgen für Produzenten und Wirtschaft.»
BLV-Direktor Laurent Monnerat betont gegenüber der «NZZ», wie gravierend ein Ausbruch wäre. Eine vorsorgliche Impfung aller über 1,5 Millionen Rinder in der Schweiz sei kurzfristig unverhältnismässig.
Frankreich beziffert die bisherigen Kosten der Seuche auf rund 100 Millionen Euro. Die Schweiz hingegen sei bislang frei von der Lumpy-Skin-Krankheit. Und das solle auch so bleiben.

















