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Kaum Passagiere ab Zürich – doch Emirates und Co. heben täglich ab

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Zürich,

Auf den Golf-Strecken bleiben viele Sitze leer. Ein Aviatik-Experte erklärt, weshalb die Airlines Zürich dennoch weiter anfliegen.

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Viele Sitzreihen auf Emirates-Flügen bleiben derzeit leer – zur Freude mancher Tiktokerinnen und Tiktoker.. - keystone/tiktok

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Krieg drückt die Auslastung der Golf-Airlines auf Zürich-Flügen massiv.
  • Trotz halbleerer Jets fliegen Emirates, Etihad und Qatar weiter regelmässig.
  • Ein Luftfahrt-Experte sagt: Entscheidend ist das Gesamtnetz, nicht nur eine Strecke.

Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Luftverkehr über die Golfregion massiv gestört. Iranische Drohnen und Raketen führen zu grossflächigen Luftraumsperrungen, zudem kommt es zu zahlreichen Flugausfällen, Umleitungen und Verspätungen.

Das sorgt bei Reisenden für grosse Unsicherheit: Viele meiden Umsteigeverbindungen über die Region oder verschieben ihre Flüge.

Dies wiederum trifft vor allem die ansässigen Golf-Airlines hart. In den sozialen Medien finden sich aktuell zahlreiche Videos, die fast menschenleere Kabinen auf Flügen nach Dubai zeigen.

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Quasi leere Kabinen, gespenstische Ruhe: Auf Social Media häufen sich derzeit Videos von Flügen nach Dubai, auf denen kaum Passagiere an Bord sind. - Tiktok

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete kürzlich unter Berufung auf interne Emirates-Unterlagen von teils dramatisch tiefen Auslastungen.

Demnach sassen auf einem Flug von Paris nach Dubai in einem Airbus A380 mit rund 600 Plätzen nur 25 Passagiere. Für London nennt die Nachrichtenagentur rund 20 Prozent verkaufte Tickets, für Prag und Budapest gar nur fünf bis zehn Prozent.

Auf einzelnen Flügen von New York nach Dubai seien im Schnitt bloss 25 Prozent der Tickets verkauft worden.

Auch Zürich-Flüge bleiben oft halb leer

Ähnlich präsentiert sich die Lage auf den Zürich-Strecken, wie Recherchen von Nau.ch zeigen. Zwar geben weder die Airlines, noch der Flughafen Zürich Auskunft über konkrete Auslastungszahlen.

Einblicke liefert jedoch das kostenpflichtige Online-Tool Expertflyer. Es liest Echtzeitdaten aus Buchungssystemen aus und ermöglicht es so, die Auslastung bevorstehender Flüge zu prüfen.

Dabei zeigt sich: In der ersten April-Woche sind die Economy-Klassen der Emirates-Flüge zwischen Zürich und Dubai maximal zur Hälfte ausgelastet. Teilweise wurde auch nur ein Drittel der Tickets verkauft.

Besonders schwach besetzt sind die Rückflüge an den Golf. Dort liegt die Belegung gemäss den in Expertflyer sichtbaren Sitzplänen zuweilen nur bei etwa 20 Prozent.

Noch gespenstischer ist es an Bord der Etihad Airways, die zwischen Zürich und Abu Dhabi verkehrt. Dort beträgt die Auslastung zum Zeitpunkt der Abfrage (1. April) meist nur zwischen fünf und zehn Prozent.

Slots sind nicht der Grund für volle Flugpläne

Trotzdem fliegen Emirates, Etihad, Qatar und Co. Zürich (und auch Genf) weiterhin täglich oder zumindest mehrmals pro Woche an.

Man könnte nun vermuten, dass die Golf-Carrier diese Verbindungen vor allem aufrechterhalten, um ihre Slots in Zürich nicht zu gefährden.

Denn: Die 80-Prozent-Slotregel verpflichtet Fluggesellschaften in der EU, zugewiesene Start- und Landerechte zu mindestens 80 Prozent zu nutzen. Andernfalls riskieren sie, ihre Slots in der kommenden Saison an die Konkurrenz zu verlieren.

Würdest du jetzt über oder nach Dubai fliegen?

Im aktuellen Fall trifft diese Vermutung aber nicht zu. Die Slot Coordination Switzerland (SCS) bestätigt auf Anfrage von Nau.ch, dass den betroffenen Airlines wegen der Kriegslage Ausnahmebewilligungen gewährt wurden.

Diese gelten momentan für die Strecken Zürich-Dubai, Zürich-Abu Dhabi, Zürich-Doha, Zürich-Tel Aviv und Zürich-Dubai-Male (Fly Beond).

Laut SCS-Geschäftsführer Roger Rüfenacht werden bei diesen sogenannten Justified-Non-Use-Fällen (JNUS) gestrichene Flüge so behandelt, als wären die Slots genutzt worden: «Wenn von 30 Flügen mehrere gestrichen werden und wir dafür JNUS gewähren, bleibt die Nutzung dennoch bei 100 Prozent.»

Heisst konkret: Betroffene Fluggesellschaften können einzelne oder mehrere Flüge nach Zürich canceln, ohne ihre historischen Slots für die nächste Flugplanperiode zu gefährden.

Warum Airlines trotzdem weiterfliegen

Warum also jetten die Golf-Carrier trotz halbleerer oder fast leerer Maschinen weiter hin und her? Das wollte Nau.ch von Emirates, Etihad, Qatar und Oman Air wissen. Ergebnis: Emirates will sich nicht äussern, die anderen Airlines reagierten nicht auf die Anfrage.

Für den Luftfahrtexperten Linus Bauer ist die Diskrepanz zwischen augenscheinlich schwacher Auslastung und einem weitgehend stabilen Flugbetrieb kein Widerspruch. Sondern ein Ausdruck der Logik.

«Diese Gesellschaften optimieren ihr Geschäft nicht entlang einzelner Strecken, sondern entlang der Leistungsfähigkeit ihres gesamten Systems», sagt Bauer.

Ein Flug zwischen Zürich und Dubai möge isoliert betrachtet schwach ausgelastet erscheinen, räumt er ein. Im Gesamtnetz könne er aber trotzdem wichtig sein, weil er «Transferpassagiere in die Hub-Struktur einspeist und Anschlusswellen stabilisiert».

Linus Bauer
Linus Benjamin Bauer ist Gründer und Geschäftsführer der Luftfahrtberatung BAA & Partners in Dubai sowie Gastdozent für Air Transport Management an der University of London. - BAA

Gerade Verbindungen nach Asien, Afrika oder Australien hingen oft von der Verlässlichkeit dieser Zuflüsse aus Europa ab.

Hinzu komme, dass Flugpläne, Crews, Flugzeug-Umläufe und Wartung eng aufeinander abgestimmt seien. Wer einzelne Verbindungen kurzfristig streicht, riskiert laut Bauer Störungen weit über die betroffene Strecke hinaus.

Deshalb sei es oft rationaler, eine schwach ausgelastete Verbindung weiterzuführen, als das Gesamtsystem aus dem Takt zu bringen.

Airlines akzeptieren bewusst tiefere Erträge

Auch strategisch sei ein Rückzug heikel. Bauer betont die Bedeutung von Marktpräsenz, Netzwerkstabilität und Konkurrenzdruck.

«Ein temporärer Rückzug aus einem Markt wie Zürich würde Wettbewerbern Raum geben, die Nachfrage dauerhaft umzulenken. Seien es europäische Carrier oder alternative Hubs wie Istanbul», erklärt Bauer.

Seine Schlussfolgerung: Die Airlines akzeptierten derzeit bewusst tiefere Erträge auf einzelnen Strecken: «Um ihre strukturelle Wettbewerbsposition zu sichern, die Integrität ihres Netzwerks zu wahren und auf eine mögliche Nachfrageerholung vorbereitet zu sein.»

Kommentare

User #4913 (nicht angemeldet)

Wir sollten mal Tiktoker verbieten und alle Halbprobleme wären auf einen Schlag gelöst.

User #2317 (nicht angemeldet)

Dann haben wir aber ölengpass. Soll mal einer draus kommen

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